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31.12.2011

15:59 Uhr

Mike Tyson

„Ich war ein Arschloch, ein besessener Irrer“

Boxweltmeister Mike Tyson verprügelte früher seine Gegner, jetzt ist er hart zu sich selbst. „Im ersten Teil meines Lebens war ich dabei, mich selbst zu zerstören.“ Die Gebrüder Klitschko nimmt er hingegen in den Schutz.

Angriff von rechts: Mike Tyson (r.) kämpft gegen Trevor Berbick und besiegt ihn in 335 Sekunden. dapd

Angriff von rechts: Mike Tyson (r.) kämpft gegen Trevor Berbick und besiegt ihn in 335 Sekunden.

HamburgDer frühere Schwergewichts-Boxweltmeister Mike Tyson ist mit aller Gnadenlosigkeit, mit der er einst seine Gegner aus dem Ring prügelte, nun auch mit sich selbst ins Gericht gegangen. „Ich war ein Arschloch, ein Spinner, ein Verrückter, ein besessener Irrer. Im ersten Teil meines Lebens war ich dabei, mich selbst zu zerstören. Ich hätte nie gedacht, dass ich 30 werde. Ich bin froh, dass ich noch lebe“, sagte „Iron Mike“ in einem Gespräch mit dem
Nachrichten-Magazin Der Spiegel. Den „exzessiven“, den „wahren Mike“, sagte Tyson, gebe es nicht mehr.

Die Welt der Boxverbände

WBA - der älteste Verband

Die World Boxing Association (WBA) ging 1962 aus der 1921 in den USA gegründeten National Boxing Association (NBA) hervor. WBA ist der älteste der vier großen Verbände, die offizielle Kämpfe ausrichten und die Weltmeisterschaftstitel im Profiboxen verleihen. Seit 2007 hat der Verband seinen Hauptsitz in Panama.

Der erste große Konkurrent

Kritiker der WBA sahen die lateinamerikanischen Kämpfer stark benachteiligt und bildeten 1963 in Mexiko den World Boxing Council (WBC). Erst 1978 bestimmte der WBC mit Ken Norton einen eigenen Schwergewichtsweltmeister. Heute gilt der Council als einer der am geschicktesten gemanagten Verbände.

Gründung aus Protest

21 Jahre nach der Gründung des WBC entstand die International Boxing Federation (IBF). Die IBF entstammt der USBA (United States Boxing Association), einer regionalen Meisterschaftsorganisation. 1983, während einer jährlichen Versammlung in Puerto Rico, unterlag USBA-Präsident und Amerikaner Bob Lee bei der Wahl zum Vorsitzenden der WBA gegen Gilberto Mendoza und gründete daraufhin den Konkurrenzverband. Erster IBF-Weltmeister wurde Marvin Camel, ein früherer WBC-Weltmeister im Cruisergewicht.

Abtrünnige gründen neuen Verband

Der vierte Große im Bunde ist die 1988 gegründete World Boxing Organisation (WBO), die sich auch aus Abtrünnigen der WBA rekrutierte. Gegründet wurde die WBO, nachdem eine Gruppe Geschäftsleute aus Puerto Rico und der Dominikanischen Republik den jährlichen Kongress der World Boxing Association in Isla Margarita, Venezuela verließ, da sie die Regeln und Bewertungssysteme der WBA ablehnten. Verbandshauptsitz ist in San Juan, Puerto Rico. Die WBO sah im hart umkämpften Boxsport-Markt nur in Europa wirklich Potential und etablierte sich dort in den vergangenen Jahren.

Die WM-Gürtel

In den letzten Jahren hat die WBO viel erreicht, was ihre Etablierung neben der IBF (USA), der WBA (Venezuela) und dem WBC (Mexiko) betrifft. Trotzdem wird vor allem in den USA die WBO noch immer nicht auf Augenhöhe mit den anderen großen Weltverbänden gesehen. Heute sind 17 Gewichtsklassen offiziell anerkannt, und weil es vier wichtige Verbände gibt, sind insgesamt 68 WM-Gürtel zu vergeben.

Champion und Superchampion

WBA-Superchampion darf sich der Boxer nennen, der einen WBA-Titel gleichzeitig mit mindestens einem anderen Titel eines der anderen großen Verbände (WBC, IBF und WBO) in derselben Gewichtsklasse vereinigt. Dann wird ihm sein eigentlicher Titel aberkannt und es werden zwei Boxer bestimmt, die um den vakanten (Nicht-Super-)WBA-Titel kämpfen. Außer dem Titel gibt für den Superchampion aber noch einen Vorteil: Er hat statt der üblichen neun Monate 18 Monate Zeit, sich auf eine Titelverteidigung vorzubereiten.

Der 45-jährige, bis heute jüngster Champion in der Geschichte des Schwergewichts, äußerte sich auch zu seiner Drogensucht als Profiboxer. „Es wird nie mehr einen Boxer geben, der mehr Pillen schluckt, als ich es getan habe. Ich war ein zorniger junger Mann, ein Rebell.“ Boxen, sagte Tyson, der drei Jahre Gefängnis wegen Vergewaltigung absaß, habe ihn „verrückt gemacht. Mein Ego hat mich verrückt gemacht. Ich war zu jung, alles ging viel zu schnell, ich hatte keine Chance, mich zu entwickeln“.

Inzwischen habe er seinen Lebenswandel komplett verändert. „Langeweile bedeutet für mich Sicherheit. Ich bin ein Extremist, kenne nur schwarz oder weiß. Ich trinke keinen Alkohol, ich rauche nicht, nehme keine Drogen. Ich ernähre mich vegan, kein Fleisch, keine Milch, keine Eier. Ich esse Rosinen, Tomatensuppe, trinke Kamillentee. Ich wiege 100 Kilo, vor zwei Jahren waren es noch 160. Ekelhaft“, so Tyson.

Die Könige des Boxsports: So funktioniert das Klitschko-Imperium

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Sportlich kaum zu schlagen, unternehmerisch erfolgreich, vom Publikum geliebt: Vitali und Wladimir sind die Schwergewichte des Boxsports. Das abgesagte Duell am Samstag schmälert diese Bilanz nicht - im Gegenteil.

Ein mögliches Comeback schloss Tyson, der in seiner Karriere 400 Millionen Dollar verdiente und jetzt 27 Millionen Dollar Schulden hat, kategorisch aus: „Ich bin nicht mehr in der Lage, jemanden einzuschüchtern, ich flöße niemandem mehr Angst ein mit meiner Erscheinung. Ich habe den Biss nicht mehr.“

Seine Nachfolger als Champion der Königsklasse, Witali und Wladimir Klitschko, nahm er vor der Kritik in Schutz, sie würden „langweilig“ boxen. „Die Leute wollen einen Champ, der vernichtet“, sagte Tyson, „aber das ist nicht objektiv. Im Boxen geht es ums Gewinnen, und was tun Witali und Wladimir? Sie gewinnen. Sie machen kaum Fehler, sie warten auf ihre Chance wie eine Kobra. Das sieht nicht spektakulär aus, ist aber erfolgreich.“

Von

sid

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