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Mythos Ironman Hawaii

Der Sport, die Marke und das Geschäft

VonKatrin Skaznik

Jan Frodeno ist im Triathlon das Maß für alle anderen. 2015 und 2016 gewann er das härteste Rennen der Welt und kürte sich in Hawaii zum Weltmeister. Doch der Mythos von Kona hat auch seine Schattenseiten.

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Im bayerischen Immenstadt feierte Triathlon-Star Jan Frodeno im August einen weiteren Sieg über die Mitteldistanz. Beim Allgäu-Triathlon meisterte er die Distanz von 1,9 Kilometer Schwimmen, 84 Kilometer Radfahren und 20 Kilometer Laufen in drei Stunden und 49 Minuten. Er erreichte den besten Schwimm- und Radsplit sowie die zweitbeste Laufzeit des Tages und kann sich fortan Deutscher Meister nennen. Frodeno startete im Allgäu im Rahmen seiner Vorbereitung auf die Ironman-Weltmeisterschaft Mitte Oktober auf Hawaii, den er unter anderem 2016 gewann, wie dieses Bild zeigt. dpa

Sieg beim Kulttriathlon

Im bayerischen Immenstadt feierte Triathlon-Star Jan Frodeno im August einen weiteren Sieg über die Mitteldistanz. Beim Allgäu-Triathlon meisterte er die Distanz von 1,9 Kilometer Schwimmen, 84 Kilometer Radfahren und 20 Kilometer Laufen in drei Stunden und 49 Minuten. Er erreichte den besten Schwimm- und Radsplit sowie die zweitbeste Laufzeit des Tages und kann sich fortan Deutscher Meister nennen. Frodeno startete im Allgäu im Rahmen seiner Vorbereitung auf die Ironman-Weltmeisterschaft Mitte Oktober auf Hawaii, den er unter anderem 2016 gewann, wie dieses Bild zeigt.

Bild: dpa

Beim Ironman World Championship Triathlon treten jedes Jahr im Oktober rund 1700 Athleten aus der ganzen Welt in der Lavawüste von Kona, Hawaii, gegeneinander an. Auf der Insel herrschen extreme klimatische Bedingungen – ein Grund, warum kaum ein Sportler hier seine Bestzeiten wiederholen kann. AP

Extrembedingungen

Beim Ironman World Championship Triathlon treten jedes Jahr im Oktober rund 1700 Athleten aus der ganzen Welt in der Lavawüste von Kona, Hawaii, gegeneinander an. Auf der Insel herrschen extreme klimatische Bedingungen – ein Grund, warum kaum ein Sportler hier seine Bestzeiten wiederholen kann.

Bild: AP

Dazu kommen die legendären Distanzen. Eröffnet wird der Triathlon durch den Schwimm-Split. Nach dem Sprung in den Pazifik schwimmen die Teilnehmer 3,8 Kilometer. AP

Schwimmen

Dazu kommen die legendären Distanzen. Eröffnet wird der Triathlon durch den Schwimm-Split. Nach dem Sprung in den Pazifik schwimmen die Teilnehmer 3,8 Kilometer.

Bild: AP

... dann fahren sie 180 Kilometer Rad, bevor auf die Profi- und Amateursportler die wohl größte Herausforderung wartet. AP

Radfahren

... dann fahren sie 180 Kilometer Rad, bevor auf die Profi- und Amateursportler die wohl größte Herausforderung wartet.

Bild: AP

Mit einem Laufsplit in Marathon-Weite von 42,2 Kilometer schließt der Triathlon ab. Seit 1978 treten jedes Jahr die ambitioniertesten Athleten gegeneinander an. Im Premierenjahr waren es gerade mal 15 Starter, von denen 12 ins Ziel kamen. dpa

Laufen

Mit einem Laufsplit in Marathon-Weite von 42,2 Kilometer schließt der Triathlon ab. Seit 1978 treten jedes Jahr die ambitioniertesten Athleten gegeneinander an. Im Premierenjahr waren es gerade mal 15 Starter, von denen 12 ins Ziel kamen.

Bild: dpa

Doch neben dem Sport steht auch das Geschäft. Der Ironman ist eine Marke, die der World Triathlon Corporation (WTC) gehört. Die WTC vergibt Lizenzen für weltweit 25 Rennen. In Deutschland gibt es mit Regensburg und Frankfurt zwei Rennen. Wegen besonderer Vorgaben, an die die ausrichtenden Städte vertraglich gebunden sind, kommt regelmäßig ein hoher Organisationsaufwand zusammen. Daraus ergeben sich für die Teilnehmer teils Startgelder von bis zu 400 Euro. Im Gegensatz zum Hawaiianischen Original ist das aber noch vergleichsweise wenig: Dort zahlen die Teilnehmer etwa 1.000 US-Dollar Startgebühr. Quelle: body-attack.de AP

Weltweite Rennen

Doch neben dem Sport steht auch das Geschäft. Der Ironman ist eine Marke, die der World Triathlon Corporation (WTC) gehört. Die WTC vergibt Lizenzen für weltweit 25 Rennen. In Deutschland gibt es mit Regensburg und Frankfurt zwei Rennen. Wegen besonderer Vorgaben, an die die ausrichtenden Städte vertraglich gebunden sind, kommt regelmäßig ein hoher Organisationsaufwand zusammen. Daraus ergeben sich für die Teilnehmer teils Startgelder von bis zu 400 Euro. Im Gegensatz zum Hawaiianischen Original ist das aber noch vergleichsweise wenig: Dort zahlen die Teilnehmer etwa 1.000 US-Dollar Startgebühr.

Quelle: body-attack.de

Bild: AP

Außerdem gibt es seit 2006 in zahlreichen Städten einen "Ironman-Light" über die halbe Ironman-Distanz. Die Rennserie 70.3, hier in Budapest, beträgt dann 70,3 Meilen. In Deutschland gibt es den Ironman 70.3 Germany in Wiesbaden. Ein Beweis für die Popularität sind auch die zahlreichen Ableger und Parallelveranstaltungen: Neuere Serien wie etwa die Challengeserie, den TriStar-Rennen sowie alte traditionsreiche Rennen sind ebenfalls sehr beliebt. Vor allem sind hier die Startgelder und Teilnehmerzahlen nicht so hoch. Der heilige Gral der meisten Triathleten ist und bleibt jedoch das legendäre Rennen auf Hawaii. dpa - picture alliance

Parallelveranstaltungen

Außerdem gibt es seit 2006 in zahlreichen Städten einen "Ironman-Light" über die halbe Ironman-Distanz. Die Rennserie 70.3, hier in Budapest, beträgt dann 70,3 Meilen. In Deutschland gibt es den Ironman 70.3 Germany in Wiesbaden. Ein Beweis für die Popularität sind auch die zahlreichen Ableger und Parallelveranstaltungen: Neuere Serien wie etwa die Challengeserie, den TriStar-Rennen sowie alte traditionsreiche Rennen sind ebenfalls sehr beliebt. Vor allem sind hier die Startgelder und Teilnehmerzahlen nicht so hoch. Der heilige Gral der meisten Triathleten ist und bleibt jedoch das legendäre Rennen auf Hawaii.

Bild: dpa - picture alliance

Das Rennen durch die Lavawüste ist das große Finale einer jährlichen Ironmansaison. Für Hawaii muss man sich qualifizieren – jeder Ironman auf der Welt bekommt eine bestimmte Anzahl an Startplätzen. Dabei hat Frankfurt mit 120 Slots das größte Kontingent für die besten Athleten einer Altersklasse. Die Teilnehmer haben bei ihrem Start im Oktober also schon mindestens ein Rennen hinter sich. dpa

Qualifizierung

Das Rennen durch die Lavawüste ist das große Finale einer jährlichen Ironmansaison. Für Hawaii muss man sich qualifizieren – jeder Ironman auf der Welt bekommt eine bestimmte Anzahl an Startplätzen. Dabei hat Frankfurt mit 120 Slots das größte Kontingent für die besten Athleten einer Altersklasse. Die Teilnehmer haben bei ihrem Start im Oktober also schon mindestens ein Rennen hinter sich.

Bild: dpa

Auch wenn für die Athleten der Sport im Fokus steht, steht hinter der Marke Ironman noch einiges mehr. Der Wettkampf ist nämlich auch unter wirtschaftlichen Aspekten eine Riesennummer. 2015 übernahm der chinesische Mischkonzern Dalian Wanda in einem monströsen Deal die Marke Ironman und seiner Dachorganisation World Triathlon Corporation (WTC) – für unglaubliche 650 Millionen Dollar. Reuters, Sascha Rheker

Übernahme durch chinesischen Investor

Auch wenn für die Athleten der Sport im Fokus steht, steht hinter der Marke Ironman noch einiges mehr. Der Wettkampf ist nämlich auch unter wirtschaftlichen Aspekten eine Riesennummer. 2015 übernahm der chinesische Mischkonzern Dalian Wanda in einem monströsen Deal die Marke Ironman und seiner Dachorganisation World Triathlon Corporation (WTC) – für unglaubliche 650 Millionen Dollar.

Bild: Reuters, Sascha Rheker

Die gesamte Summe floss daraufhin in das amerikanische Private-Equity-Unternehmen Providence, das 2008 wiederum die WTC aufgekauft hatte. Der neue Besitzer des WTC, hier bei er Bekanntgabe der Übernahme, gründete 2015 dann Wanda-Sports. Quelle: Süddeutsche Zeitung

Wanda Sports

Die gesamte Summe floss daraufhin in das amerikanische Private-Equity-Unternehmen Providence, das 2008 wiederum die WTC aufgekauft hatte. Der neue Besitzer des WTC, hier bei er Bekanntgabe der Übernahme, gründete 2015 dann Wanda-Sports. Quelle: Süddeutsche Zeitung

Geleitet wird dieses Unternehmen, das den Sportvermarkter Infront Sports & Media mit der Ironman Marke unter einem Dach vereint, nun von Philippe Blatter, dem Neffen des vorübergehend suspendierten FIFA-Cheff Sepp Blatter. Dass dieser aus der Vergangenheit schon in Zusammenhang mit verschiedenen Korruptionsvowürfen in Zusammenhang gebracht wurde, verhindert scheinbar nicht einen sich immer weiter ausdehnenden Einfluss auf das internationale Sport-Geschfäft. Seit der Übernahme wurden bereits mehrere Akteure durch Blatters Unternehmen ausgetauscht– etwa der Europa-Chef Thomas Dieckhoff oder der Doping-Arzt Dr. Klaus Pöttgen. dpa

Berühmte Geschäftsleitung

Geleitet wird dieses Unternehmen, das den Sportvermarkter Infront Sports & Media mit der Ironman Marke unter einem Dach vereint, nun von Philippe Blatter, dem Neffen des vorübergehend suspendierten FIFA-Cheff Sepp Blatter. Dass dieser aus der Vergangenheit schon in Zusammenhang mit verschiedenen Korruptionsvowürfen in Zusammenhang gebracht wurde, verhindert scheinbar nicht einen sich immer weiter ausdehnenden Einfluss auf das internationale Sport-Geschfäft. Seit der Übernahme wurden bereits mehrere Akteure durch Blatters Unternehmen ausgetauscht– etwa der Europa-Chef Thomas Dieckhoff oder der Doping-Arzt Dr. Klaus Pöttgen.

Bild: dpa

So zeigte sich in der Folgezeit ein kleiner stillschweigender Protest mehrerer Sportler. Der erfolgreiche Deutsche Timo Bracht etwa startete später lieber bei der Konkurrenz-Serie "Challenge" in Roth  – aus sportlichen Gründe, wie er selbst sagte. Aber auch Triathlon-Star Jan Frodeno äußerte zurückhaltende Kritik: "Ironman ist ein Geschäft", äußerte er sich gegenüber der Süddeutschen Zeitung 2015.

Stiller Boykott

So zeigte sich in der Folgezeit ein kleiner stillschweigender Protest mehrerer Sportler. Der erfolgreiche Deutsche Timo Bracht etwa startete später lieber bei der Konkurrenz-Serie "Challenge" in Roth – aus sportlichen Gründe, wie er selbst sagte. Aber auch Triathlon-Star Jan Frodeno äußerte zurückhaltende Kritik: "Ironman ist ein Geschäft", äußerte er sich gegenüber der Süddeutschen Zeitung 2015.

Deshalb bleiben neben den Bildern von schwitzenden und triumphierenden Sportlern, die sicherlich dominieren, auch die Geschichten um die Geschäfte der Marke Ironman im Kopf. Dem Mythos um das härteste Rennen der Welt tut dies zwar keinen Abbruch. In der Szene gilt das Image aber als angekratzt. AFP; Files; Francois Guillot

Mythos lebt

Deshalb bleiben neben den Bildern von schwitzenden und triumphierenden Sportlern, die sicherlich dominieren, auch die Geschichten um die Geschäfte der Marke Ironman im Kopf. Dem Mythos um das härteste Rennen der Welt tut dies zwar keinen Abbruch. In der Szene gilt das Image aber als angekratzt.

Bild: AFP; Files; Francois Guillot

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