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24.01.2005

16:25 Uhr

Nach den Manipulationsvorwürfen

Staatsanwalt ermittelt in Schiri-Affäre

Der DFB lässt das Pokalspiel Göttingen gegen den Hamburg SV trotz Manipulationsvorwürfen nicht wiederholen. In die Schiri-Affäre hat sich unterdessen die Staatsanwaltschaft eingeschaltet. Die Anklagebehörde in Braunschweig kündigte jetzt Schritte gegen den zurückgetretenen Schiedsrichter Robert Hoyzer an.

HB FRANKFURT. "Nach den Medienberichten prüfen wir, ob es einen Anfangsverdacht für eine Straftat gibt", sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Währenddessen beriet das Präsidium des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) in der Frankfurter Zentrale über Konsequenzen. Möglich sei, dass von Hoyzer möglicherweise ebenfalls verschobene Punktspiele in der 2. Bundesliga und Regionalliga neu angesetzt werden, erklärte der Verband nach der Sitzung. Zudem bildete er eine Sonderkommission zur Überprüfung des deutschen Schiedsrichterwesens.

Zwei Tage nach dem Bekanntwerden der Vorwürfe gegen den 25 Jahre alten Schiedsrichter reagierten Berufskollegen und Funktionäre mit Empörung. "Ich bin schwer betroffen. Es ist zwar noch ein schwebendes Verfahren, aber es wirft einen großen Schatten auf die Schiedsrichtergilde. Es tut mir weh, weil wir gerade durch meine Wahl zum Weltschiedsrichter so viel Aufwind bekommen haben", sagte Deutschlands wohl bester Referee Markus Merk.

Bundestrainer Jürgen Klinsmann warnte davor, die gesamte Gilde in Verruf zu bringen. "Diesen Fehler dürfen wir nicht machen. Wir hoffen, dass es ein absoluter Einzelfall ist."

Wacker Burghausen und der FC St. Pauli forderten sogar die Wiederholung von Spielen, in denen Hoyzer umstrittene Entscheidungen gegen sie getroffen hatte. Die Partien des Zweitligisten gegen LR Ahlen (0:1) und des Hamburger Regionalligisten gegen den VfL Osnabrück (2:3) gehören zu den Spielen, die Hoyzer manipuliert haben soll. "Wenn sich der Verdacht erhärtet, verlangen wir eine Neuansetzung des Spiels. Das ist kein Kavaliersdelikt, sondern ein Eklat, ein echter Skandal. Es geht hier um Existenzen, um Auf- und Abstieg", sagte Wacker-Manager Kurt Gaugler in der Münchner "Abendzeitung".

Im Mittelpunkt der Vorwürfe steht immer noch die Erstrundenpartie im DFB-Pokal zwischen dem SC Paderborn und dem Hamburger SV, das der unterklassige Verein nach höchst umstrittenen Entscheidungen Hoyzers mit 4:2 gewonnen hatte. Der Geschäftsführende DFB-Präsident Theo Zwanziger sieht zwischen dem Ergebnis und den Wetten auf Paderborn einen direkten Zusammenhang. Hoyzer wies die Anschuldigungen zurück.

"Ich habe nie auf die von mir geleiteten Spiele gewettet", sagte er der "Bild"-Zeitung . Zwanziger hatte dagegen am Sonntag von einem Betrugsfall gesprochen, für den es glaubwürdige Zeugen gäbe.

Eine mögliche Konsequenz aus dem Fall könnte ein grundsätzliches Wettverbot für Profis und Schiedsrichter sein. Bayern Münchens Manager Uli Hoeneß will dies beim Rekordmeister durchsetzen. So eine Geschichte müsse dazu führen, "dass wir eine Grundsatzentscheidung fällen werden", sagte Hoeneß.

Ob der DFB noch gegen Hoyzer vorgehen kann, ist fraglich. Mit dem Austritt aus seinem Verein Hertha BSC hatte sich Hoyzer in der vergangenen Woche der Gerichtsbarkeit des Verbandes entzogen. "Wir werden an Grenzen stoßen", mutmaßte daher DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder vor Beginn der Außerordentlichen Präsidiumssitzung.

Bei dem Treffen legte der Vorsitzende der DFB-Kontrollkommission, Horst Hilpert, die vorliegenden Ergebnisse vor. "Die Ermittlungen werden aber weitergeführt, mindestens bis zum Ende dieser Woche", sagte Hilpert, der die Sitzung wie Volker Roth, Chef des Schiedsrichterausschusses, vorzeitig verließ.

Hoyzer wollte seinen Vereinsaustritt nicht als Schuldeingeständnis verstehen. "Nein. Totgesagte leben länger. Ich werde für mich kämpfen", sagte der Student für Bauingenieurswesen. Für das Bundesligaspiel am Sonntagabend zwischen Hannover 96 und Bayer Leverkusen war Hoyzer vor seinem Rücktritt noch als vierter Schiedsrichter vorgesehen. Dass Zeugen aus dem Kreis der Unparteiischen ihn belastet haben könnten, hält er für unwahrscheinlich: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass Schiedsrichterkollegen mir so etwas unterstellen."

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