Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

11.11.2013

16:57 Uhr

Nach gescheiterter Kandidatur

Bach geht baden

VonLisa Hegemann

Der neue IOC-Präsident Thomas Bach hat mit der misslungenen Olympia-Bewerbung von München einen Fehlstart hingelegt. Nun muss er die Struktur der Spiele reformieren. Denn das Ringe-Spektakel verliert an Strahlkraft.

Für den neuen IOC-Präsidenten Thomas Bach ist das Scheitern der Münchner Bewerbung auch eine persönliche Niederlage. dpa

Für den neuen IOC-Präsidenten Thomas Bach ist das Scheitern der Münchner Bewerbung auch eine persönliche Niederlage.

DüsseldorfDie Deutschen wollen Olympia nicht um jeden Preis. Denn die Abstimmungsniederlage über geplanten Spiele in München 2022 zeigt: Es herrscht eine generelle Skepsis gegenüber dem sportlichen Großereignis, das immer öfter wirtschaftlich und politisch missbraucht wird. Die Bürger wollen keine überdimensionierten, kommerziellen Spiele, bei denen Sponsoren und Werbetreibende wichtiger sind als die Sportler selbst. Weil das aber so ist, verliert hat das Ringe-Spektakel seine Strahlkraft.

Dabei hatten sich alle für die Olympischen Spiele in München eingesetzt: Politiker wie Münchens Oberbürgermeister Christian Ude, Sportler wie Skifahrerin Maria Höfl-Riesch, Sportfunktionäre wie der Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB), Michael Vesper – und der neue Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Thomas Bach. Für sie alle ist der Volksentscheid, bei dem die Bürger der Städte München und Garmisch-Partenkirchen sowie der Landkreise Traunstein und Berchtesgaden gegen eine Münchner Bewerbung stimmten, ein herber Niederschlag.

Entsprechend enttäuscht zeigten sich auch die Befürworter. „Das ist sehr bitter für den deutschen Sport“, sagte DOSB-Generaldirektor Vesper. Er hatte eine Bewerbung zuvor als „Riesenchance“ für Deutschland bezeichnet. Auch Skifahrerin Höfl-Riesch war ernüchtert: „Es ist traurig, aber wahr“, sagte sie. Höfl-Riesch hatte fleißig für die Bewerbung geworben. Oberbürgermeister Ude versuchte sich gleich in Ursachsensuche. Er ist sich sicher, dass die Ablehnung nicht am Konzept gelegen habe: „Es ist eher eine zunehmend kritische Einstellung von Bevölkerungsteilen gegen Sport-Großereignisse.“ Nur einer schwieg: IOC-Präsident Thomas Bach.

Ihn und seinen Verband haben das „Nein“ der vier Landkreise besonders hart getroffen haben. Es ist schließlich nicht das erste Mal, dass sich die Bürger eines Landes gegen die Kandidatur stellen. Erst im März hatte sich auch der Kanton Graubünden in der Schweiz gegen eine Bewerbung für die Olympischen Spiele 2022 ausgesprochen. In Graubünden stimmten 53 Prozent der Bürger dagegen. In Bayern fiel die Ablehnung noch heftiger aus: Die Bürger aller vier stimmberechtigten Städte beziehungsweise Landkreise entschieden sich gegen eine Kandidatur.

Gescheiterte deutsche Olympiaanläufe

Winterspiele Garmisch-Partenkirchen 1960

Die Olympia-Bewerbung von Garmisch-Partenkirchen für die Winterspiele 1960 scheitert im ersten Wahlgang mit lediglich fünf erhaltenen Stimmen. Die Winterspiele finden im amerikanischen Squaw Valley statt.

Winterspiele Berchtesgaden 1992

Bereits im ersten Wahlgang um die Austragung der Olympischen Winderspiele 1992 belegt Berchtesgaden mit sechs Stimmen den letzten Platz und scheidet aus. Den Zuschlag für die Winterspiele bekommt das französische Albertville.

Sommerspiele Berlin 2000

Berlin scheitert bei der Abstimmung über den Olympia-Ausrichter 2000 in Runde zwei. Sydney sichert sich den Zuschlag für die Olympischen Sommerspiele.

Sommerspiele Leipzig 2012

Leipzig wird beim Rennen um das Ringe-Fest 2012 gar nicht erst zur Endrunde zugelassen. Am Ende setzt sich London durch.

Winterspiele München 2018

München scheitert bei seiner Bewerbung um die Winterspiele 2018 nur knapp. Die bayerische Landeshauptstadt verliert das Wahlfinale gegen den südkoreanischen Favoriten Pyeongchang.

Winterspiele München 2022

Nach einem klaren „Nein“ der Bürger zu einer weiteren Münchner Olympia-Bewerbung wird es keine Winterspiele 2022 in München geben. Sowohl in der Isar-Metropole wie auch in Garmisch-Partenkirchen und den Landkreisen Traunstein und Berchtesgaden spricht sich eine Mehrheit gegen eine Münchner Olympia-Bewerbung aus.

Das sollte dem IOC, allen voran Thomas Bach selbst, zu Denken geben. Die Olympischen Spiele scheinen für viele Länder nicht mehr attraktiv zu sein – nicht nur in Deutschland und in der Schweiz. Die USA wollten sich zum Beispiel gar nicht erst bewerben.

Erst im September wurde Bach an die Spitze des Olympischen Komitees gewählt. Vor seiner Kandidatur für das Amt machte er sich als DOSB-Präsident für eine Bewerbung aus München stark – zuerst für die Olympischen Spiele 2018, die dann aber nach Südkorea gingen, und später für die Kandidatur für 2022. Er war sich sicher: „Die Bürger in Deutschland sind sich bewusst, welche Vorteile Olympische Spiele in diesem Land für Wirtschaft, Sport und Gesellschaft hätten. Sie haben gesehen, dass die Bewerbung für 2018 unser Land gut und überzeugend vertreten hat“, sagte er noch im Mai.

Zwar warb er deutlich vorsichtiger für die Münchner Sache 2022, auch mit Blick auf seine IOC-Kandidatur. Doch er ließ durchblicken, dass er der Bewerbung wohlwollend gegenüber stand. „Wenn es zu einer Bewerbung kommt, werden sich die Mitglieder [des IOC] schon daran erinnern, wie sehr ich mich für die Münchner Bewerbung eingesetzt habe“, sagte der IOC-Präsident damals dem Sport-Informationsdienst (SID).

Die Niederlage der Kandidatur ist deshalb nicht nur eine Ohrfeige für das Internationale Olympische Komitee, sondern auch für Thomas Bach selbst. Noch im Wahlkampf um das höchste Amt im Sport versprach er, die Vergabekriterien für künftige Spiele verändern zu wollen. Bewerbungen sollten künftig mehr auf nationale Identitäten und Kulturen der jeweiligen Gastgeber eingehen.

Kommentare (8)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Bestechungsfeind

11.11.2013, 17:38 Uhr

Ein Teil der Olympia-Kosten i.H.v. 3,3 Mrd. Euro, die an das IOC gehen würden, könnten gut bei der Katastrophenhilfe eingesetzt werden. Die Manager und der ganze Verwaltungsladen des IOC braucht nicht so viel Geld! Das Geld versickert doch nur in den Taschen einiger Prominente. Sport sieht anders aus. Die Olympische Idee wird heftiger immer falsch verstanden. Herzlichen Glückwunsch an Bayern für das mutige Votum ;-))

Account gelöscht!

11.11.2013, 17:49 Uhr

Nur ein weiteres Zeichen dafür, dass man den dummen Plebs bei politisch wichtigen Entscheidungen niemals befragen darf. So einfach ist das. Over and out !

Account gelöscht!

11.11.2013, 18:27 Uhr

Die aufgeblasenen Steroid-Spiele interessieren mich schon seit 1988 nicht mehr, nachdem mir schon damals bewusst wurde wie dopingverseucht der ganze Leistungssport ist und gnadenloser Kommerz im Vordergrund steht. Ich möchte wieder Teilnehmer vom Format eines "Eddie the Eagle" am Start sehen, auch wenn diese keine Chance haben zu gewinnen, jedoch würden sie den Spielen wieder den vielbeschworenen Geist des "Dabeisein ist Alles" einhauchen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×