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25.01.2005

11:40 Uhr

Nachgefragt: Wulf Hambach

Hambach: „Der DFB muss mithelfen“

VonThomas Knüwer

Der Skandal um die von Schiedsrichter Robert Hoyzer mutmaßlich manipulierten Fußballspiele erschüttert die Wettanbieter. Das Handelsblatt sprach mit Wulf Hambach, Fachanwalt für Wettrecht, über erweiterte Kontrollmaßnahmen in der Fußballwelt.

Handelsblatt: Herr Hambach, können sich Wettanbieter gegen Manipulation schützen?

Hambach: Dies ginge zum Beispiel in Form von Wettverboten für Spieler, Funktionäre oder Schiedsrichter, die in den allgemeinen Geschäftsbedingungen verankert werden. Inwieweit solche Verbote aber rechtmäßig wären, ist die Frage. Uli Hoeneß hat ja bereits ein Wettverbot für alle Spieler, Trainer sowie Funktionäre des FC Bayern gefordert - das wäre ein Schritt in die richtige Richtung. Auf jeden Fall muss der DFB mithelfen. Wer aber kriminelle Energie mitbringt, wird immer einen Weg finden, beispielsweise über Strohmänner.

Sehen Sie in der Wettbranche den Willen zur Zusammenarbeit, um Betrug zu verhindern?

Eine Zusammenarbeit des staatlichen Anbieters Oddset mit den privaten Anbietern halte ich für komplett unwahrscheinlich. Für Oddset sind die Privaten "illegale Anbieter". Was die Privaten untereinander angeht, sieht das anders aus, viele sind zum Beispiel über den europäischen Verband European Betting Association organisiert. So oder so gilt aber: Skandale kann keiner gebrauchen. Bemerkenswert ist allerdings, dass die Ermittlungen im Fall Aue gegen Oberhausen sehr schnell eingestellt wurden. Damals ging es um Oddset. Jetzt geht es um einen privaten Wettanbieter, und der Fall wird von Seiten des DFB deutlich höher gehängt. Ist das ein Zufall?

Hat das Gambelli-Urteil die Rechtslage in Deutschland klarer gemacht?

Ja und nein. Zwar wurden die EuGH-Vorgaben schon von zahlreichen Gerichten umgesetzt. Bis zu einer höchstrichterlichen Entscheidung bleibt die Lage jedoch diffus. Es gibt mehrere Verfahren, die zwischen den Instanzen hin- und hergeworfen werden. Das ist wie ein Tennisspiel, das nicht enden will. Letztendlich wird das staatliche Monopol noch zwei bis drei Jahre, bis nach der WM 2006, verteidigt werden. Dann aber wird die Liberalisierung kommen.

Heißt das, die Politik versucht, Oddset noch das Großereignis im eigenen Lande zu sichern?

Ja. Oddset ist auch Fifa-Sponsor und Mit-Finanzier des Rahmenprogramms der WM. Alle Seiten wissen, dass Oddset keine Chance gegen die Privaten hat, wenn das Monopol fällt.

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