Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

11.02.2016

10:35 Uhr

Nestlé stoppt Zusammenarbeit

IAAF laufen die Leichtathletik-Sponsoren weg

Sechs Monate vor Olympia in Rio erhöht sich der Druck auf den Leichtathletik-Weltverband. Nach Adidas hat sich ein weiterer Sponsor zurückgezogen. Zudem ist eine zweite Sportweltmacht mit schweren Vorwürfen konfrontiert.

Das Nestle.-Hauptquartier im schweizerischen Vevey: Der Lebensmittelkonzern zieht sich aus der Leichtathletik zurück. ap

Nestle-Firmenzentrale

Das Nestle.-Hauptquartier im schweizerischen Vevey: Der Lebensmittelkonzern zieht sich aus der Leichtathletik zurück.

Monte CarloSponsoren laufen davon, neue Enthüllungen über Doping und Korruption kommen fast täglich ans Tageslicht: Der Leichtathletik-Weltverband IAAF gerät immer weiter in Misskredit. Doping-Geständnis in China, Schmiergeld-Vorwurf in Kenia, Athleten auf der Anklagebank in Italien und die Nachricht, dass britische Kontrolleure in Russland testen. Hinzu kommt die Ankündigung von IAAF-Sponsor Nestlé, den Vertrag zu kündigen.

Sechs Monate vor den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro gerät die IAAF immer stärker unter Druck. Allerdings will die durch die kriminellen Machenschaften des früheren Präsidenten Lamine Diack und die Vertuschung von Doping ins Zwielicht geratene IAAF zumindest Sponsoren nicht ohne Gegenwehr ziehen lassen.

Die wesentlichen Erkenntnisse des Doping-Berichts

Tief verwurzelte Betrugskultur

„Die Untersuchung zeigt, dass die Akzeptanz von Betrug auf allen Ebenen und seit langem verbreitet ist.“ Eine fundamentale mangelhafte Einstellung für die Akzeptanz von Anti-Doping-Anstrengungen sei „tief in der russischen Leichtathletik verwurzelt“. Gerechtfertigt werde dies durch die Annahme, dass alle anderen auch betrügen würden.

(Quelle: SID)

Ausbeutung von Athleten

Unethisches Verhalten sei zur Norm geworden. Die Ausbeutung von Athleten für Medaillen und finanziellen Erfolg sei in der russischen Leichtathletik weit verbreitet. Die Athleten waren oft willige Teilnehmer, allerdings gebe es auch dokumentierte Fälle, in denen Athleten, die nicht Teil des Programms werden wollten, nicht für die russische Nationalmannschaft nominiert worden seien.

Betrug durch Athleten

Der Report stellt dar, dass es systematischen Dopingbetrug bei russischen Athleten gegeben hat. Darüber hinaus stellt der Bericht fest, dass es ein hoher Prozentsatz der Athleten nicht mit der Kommission zusammenarbeiten wollte. Viele Athleten gaben darüber hinaus nur unzureichend Auskunft über ihren Aufenthaltsort.

Beteiligung von Ärzten, Trainern und Laborpersonal

Der Bericht bestätigt, dass einige russische Ärzte und Laborpersonal in Zusammenarbeit mit Trainern systematischer Betrug ermöglichten. Im Moskauer Anti-Doping-Labor sollen mut- und böswillig mehr als 1400 Proben zerstört worden sein, nachdem die Wada Zielkontrollen angeordnet hatte. Auch wurden Teststandards nicht eingehalten.

Korruption und Bestechung innerhalb der IAAF

Der Bericht bestätigt Korruption und Bestechung auf der höchsten Ebene der internationalen Leichtathletik. Die Beweise dafür seien an Interpol übermittelt worden, die Veröffentlichung soll bis zum Ende des Jahres geschehen. Zunächst sollen die Entscheidungen der Untersuchungsbehörden abgewartet werden.

Die wichtigsten Empfehlungen der Kommission

1. Ausschluss des russischen Leichtathletik-Verbandes Araf aus dem Weltverband IAAF
2. Schnellstmöglicher Entzug der Akkreditierung des Moskauer Anti-Doping-Labors und „permanente“ Absetzung des Direktors Gregory Rodschenkow. Das Moskauer Labor sei nicht in der Lage unabhängig zu handeln.
3. Empfehlung der Wada an das IOC, keine Teilnahme russischer Leichtathleten an internationalen Wettbewerben zuzulassen, bis die Araf als regelkonform mit dem Wada-Code bezeichnet werden kann.
4. Lebenslanger Ausschluss russischer Sportfunktionäre, die an dem systematischen Betrug beteiligt waren. Darunter auch Sergej Portugalow, Chef der Araf-Medizinkommission.

So hat der Weltverband angekündigt, die sofortige Beendigung des Sponsorenvertrages für das Programm „Kids Athletics“ durch den Nahrungsmittelkonzern Nestlé nicht akzeptieren zu wollen. „Wir sind verärgert und bestürzt über die Ankündigung. Wir werden es nicht akzeptieren“, erklärte Präsident Sebastian Coe laut einer Mitteilung des Weltverbandes am Mittwochabend. „Es sind die Kinder, die darunter leiden.“ Die IAAF sei mit Nestlé über das letzte Jahr der fünfjährigen Partnerschaft für das Kinder-Programm im Gespräch.

Nestlé hatte in einer Stellungnahme erklärt, die Zusammenarbeit mit der IAAF „angesichts der negativen öffentlichen Wahrnehmung bezüglich Korruptionsvorwürfen und Dopings“ mit sofortiger Wirkung zu beenden. „Wir glauben, dass dies eine negative Auswirkung auf unsere Reputation und das Image haben könnte“, hieß es in der Stellungnahme.

Doping in der Leichtathletik: Höchste Zeit, dass Adidas Konsequenzen zieht

Doping in der Leichtathletik

Höchste Zeit, dass Adidas Konsequenzen zieht

Adidas könnte aus dem Leichtathletik-Sponsoring aussteigen: Lange profitierte der Sportartikelhersteller von der Nähe zu internationalen Sportverbänden, nun geht der Konzern auf Abstand. Das war überfällig. Ein Kommentar.

Nach IAAF-Angaben haben rund 15 Millionen Kinder im Alter zwischen sieben und zwölf Jahren in 76 Länder an dem „Kids Athletics“-Programm teilgenommen. In diesem Jahr soll es auf weitere 15 Länder ausgedehnt werden. Rund drei Millionen Kinder sollen damit erreicht werden.

Bereits Ende Januar war publik geworden, dass Sportartikelhersteller Adidas seine Zusammenarbeit mit der IAAF zu beenden erwägt und vorzeitig aus dem noch vier Jahre laufenden Vertrag aussteigen wolle. Das Unternehmen aus Franken ist neben Canon, Seiko, TDK, Toyota, TBS und Mondo einer der sieben großen Partner der IAAF.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×