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24.01.2005

16:40 Uhr

Neuer Silberpfeil soll Schumi einholen

Shnaider übernimmt Jordans Formel 1-Team

Am Montag gab es gleich zwei brandheiße Neuigkeiten von der Formel 1. Der russische Milliardär Alex Shnaider wird den Rennstall von Eddie Jordan übernehmen. Und: McLaren-Mercedes hat seinen neuen Silberpfeil vorgestellt.

HB STUTTGART/BARCELONA. Der Einstieg von Shnaider ins Renngeschäft erfolgt offenbar schneller als erwartet. Teamchef Jordan teilte mit, er habe sich mit dem Investor auf eine "spätere Übernahme" geeinigt. Er sagte jedoch noch nicht, zu welchem Preis und zu welchem genauen Zeitpunkt sein Team an die Midland Group gehe.

Das Team, das im Vorjahr mit den beiden deutschen Piloten Nick Heidfeld und Timo Glock angetreten war, soll in der am 6. März in Melbourne beginnenden Saison unter altem Namen starten. Fahrer stehen noch keine fest, Glock macht sich aber erneut Hoffnung auf ein Engagement. Erstmals stehen Jordan Toyota-Motoren zur Verfügung. Eddie Jordan wird dem Team erhalten bleiben. Der Ire will sich verstärkt um kommerzielle Angelegenheiten und Sponsorensuche kümmern.

Shnaider wollte ursprünglich mit Midland F1 ein eigenes Formel-1-Projekt auf die Beine stellen. Durch den Kauf des seit 14 Jahren in der Königsklasse vertretenen Jordan-Teams kommt der in Kanada lebende Unternehmer schneller und billiger ans Ziel. Neueinsteiger müssen 48 Millionen Dollar Kaution hinterlegen, was nun entfällt. Zudem erhalten sie nicht auf Anhieb gleiche Anteile aus den Fernseh- und Vermarktungseinnahmen.

Auch McLaren-Mercedes hofft auf einen Neuanfang. Mit seinem neuen Silberpfeil will das Team erfolgreich Jagd auf Serienweltmeister Michael Schumacher machen. Kimi Räikkönen und Neuzugang Juan Pablo Montoya sollen mit dem MP4-20 gehörig an der roten Formel-1-Vorherrschaft rütteln und Ferrari nach einem halben Jahrzehnt Dominanz möglichst von der Spitzen verdrängen. "Hoffentlich haben wir ein besseres Auto gebaut als in der Vergangenheit", sagte McLaren-Teamchef Ron Dennis bei der bescheidenen Präsentation des schwarz-silbern lackierten Rennwagens am Montag in Barcelona. Die jeweils hoch gehandelten Vorgängermodelle hatten sich allesamt als mehr oder weniger große Flops erwiesen.

Angesichts der herben Enttäuschungen verzichteten Fahrer und Verantwortliche des britisch-schwäbischen Teams auf große Kampfansagen und Versprechungen. "Voraussagen helfen nichts, aber wir wollen um Podiumsplätze kämpfen", sagte Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug. "Wir hoffen, ein schlagkräftiges Paket aus Chasis, Motor und Reifen geschnürt zu haben, mit denen wir an die Leistungen und Resultate anschließen können, die wir im letzten Saisondrittel 2004 mit dem Vorgänger MP4-19B erzielt haben." Bei den letzten Grand Prix 2004 zeigten die Silbernen einen klaren Aufwärtstrend, schlossen die Saison aber dennoch auf dem enttäuschenden fünften Platz in der Konstrukteurs-Wertung ab. "Die Richtung ging nach oben, aber wir wollen mehr", meinte Haug. Die Erwartungen von außen seien hoch, was auch richtig sei, räumte er ein, dass ein gewaltiger Druck auf dem Rennstall laste. "Jeder im Team arbeitet fieberhaft daran, in diesem Jahr das bestmögliche Ergebnis zu erzielen", kündigte auch Dennis den unbedingten Willen zur Steigerung an.

Die Hoffnungen auf einen neuen Höhenflug der Silberpfeile ruhen nicht nur auf dem erneut vom Technischen Direktor Adrian Newey primär entwickelten MP4-20, sondern auch auf der hochkarätigen Fahrerpaarung. Räikkönen und Montoya sollen sich nicht nur gegenseitig einheizen, sondern dem erneut als Titelfavoriten geltenden Schumacher das Leben möglichst schwer machen. "Montoya ist in sehr guter Form. Er macht einen großartigen Job", lobte Dennis den Kolumbianer, der mit seinem Sieg beim Saisonfinale in Sao Paulo seine Klasse unterstrichen hatte.

Montoya und Raikkönen trauen die McLaren-Mercedes-Macher den Titelgewinn zu, sofern beide WM-taugliches Material zur Verfügung gestellt bekommen. Der Finne muss nach einer erneuten Alkohol- Eskapade in einem Londoner Nachtclub mit internen Konsequenzen rechnen. Trotz des Fehltritts durfte der 25 Jahre alte WM-Siebte die Jungfernfahrt bestreiten. Einige Stunden vor der offiziellen und äußerst schlicht gehaltenen Präsentation drehte Räikkönen ein paar problemlos verlaufene Runden auf dem Circuit de Catalunya. "Mein erster Eindruck ist sehr gut. Aber jetzt beginnt die Arbeit für mich und meine Kollegen erst", sagte er. Bei fünftägigen Tests will das Team den MP4-20 nun auf Herz und Nieren prüfen.

Montoya, der den Neuen erst in den nächsten Tagen testen darf, fühlt sich nach seinem Wechsel von Williams-BMW "schon zu Hause" bei McLaren-Mercedes. "Derzeit sieht es sehr gut aus. Aber erst in Melbourne wissen wir, wie gut wir sind", beschrieb der dreimalige Grand-Prix-Sieger seine bisherigen Eindrücke. Sein Verhältnis zu Räikkönen bezeichnete der als impulsiv geltende Südamerikaner "als kollegial. Im Rennen sind wir Konkurrenten."

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