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21.07.2015

13:29 Uhr

Olympia 2016 in Rio de Janeiro

„Wir bauen keine weißen Elefanten“

Rio will würdiger Gastgeber für Olympia 2016 sein. Bis auf eines werden alle Projekte fertig werden, verspricht Rios Bürgermeister Eduardo Paes. Am Sicherheitskonzept müssen Militär und Geheimdienst aber noch arbeiten.

Rios Bürgermeister Eduardo Paes (Mitte) mit Carlos Arthur Nuzman, Präsident des brasilianischen olympischen Komitees (links) und Ricardo Texeira, Präsident der Brazilian Soccer Confederation. Reuters

Vorbereitung für Olympia 2016

Rios Bürgermeister Eduardo Paes (Mitte) mit Carlos Arthur Nuzman, Präsident des brasilianischen olympischen Komitees (links) und Ricardo Texeira, Präsident der Brazilian Soccer Confederation.

BerlinGastgeber Rio de Janeiro wird bis zum Start der Olympischen Spiele am 5. August 2016 nach Aussage von Bürgermeister Eduardo Paes bereit sein. Nur eines von 56 Projekten könne bis zur Eröffnung nicht komplett realisiert werden.

„Es werden bis auf eine Ausnahme alle Projekte zu hundert Prozent fertig“, sagte das Stadtoberhaupt in einem Interview der Zeitung „Die Welt“ (Dienstag). „Die Abwasser in der Guanabara-Bucht wird der zuständige Bundesstaat bis Olympia nicht wie geplant zu 80 Prozent, sondern nur zu 60 Prozent klären können.“ Er könne „garantieren, dass die Segelwettbewerbe in der Bucht stattfinden können“.

Die Millionen-Metropole am Südatlantik habe für die Mega-Veranstaltung auf Nachhaltigkeit und Kostenoptimierung gesetzt, versicherte Paes. „Wir bauen keine weißen Elefanten wie bei der Weltmeisterschaft, und alles wird bescheidener sein, als es noch in London war“, betonte der 45-Jährige. „Von den rund neun Milliarden Euro Gesamtkosten für die Spiele fließen rund sieben Milliarden in nachhaltige Infrastrukturprojekte.“

Terrorgefahr im Sport: Wie Olympia sicher gemacht wurde

München 1972

Die Bundesrepublik unterschätzt die Bedrohungslage. Sie will ihr friedliches Gesicht auch dadurch zeigen, dass sie 4000 Sicherheitskräfte in Trainingsanzügen auftreten lässt. Der Überfall eines palästinensischen Terrorkommandos im olympischen Dorf auf das Quartier des israelischen Teams kostet 17 Menschen das Leben.

Montreal 1976

Die neue Devise heißt: Stärke zeigen. Soldaten mit Maschinengewehren bewachen die Wettkampfstätten. Einfliegende Sportler steigen unter Militärbewachung in Busse, die sie erst in einer unterirdischen Garage im Olympischen Dorf verlassen dürfen. 16.999 Soldaten und Polizisten sind im Einsatz. Erstmals helfen Computersysteme bei der Überprüfung von 60.000 Akkreditierungen.

Moskau 1980 und Los Angeles 1984

Mitten im Kalten Krieg feiert die Sowjetunion die Rote Armee als Garant für den olympischen Frieden. Moskau ist bei den Boykott-Spielen eine belagerte Stadt. Ihr Besuch ist nur mit Sondergenehmigungen möglich. Bei den Boykott-Spielen II hält sich die US-Armee im Hintergrund. Die massiv eingesetzte Polizei agiert in Sheriff-Manier.

Seoul 1988

Die erste Phase massivster Einsätze findet, nur 58 Kilometer entfernt von der Todesgrenze zum verfeindeten Nordkorea, ihren Abschluss. Südkoreas Armee wird in den Ausnahmezustand versetzt, dazu zusätzliches US-Militär stationiert. Trupps mit nach Sprengstoff schnüffelnden Schäferhunden gehören zur Karikatur eines Olympia-Festes, dem die Gastgeber den Titel „Harmonie und Freundlichkeit“ gegeben haben.

Barcelona 1992

Ein geheimes Stillhalteabkommen mit der baskischen Terrororganisation ETA und der Fall der Berliner Mauer sorgen, bei aller Wachsamkeit, für Entspannung.

Atlanta 1996

Die Gastgeber wappnen sich zur Gefahrenabwehr erstmals mit modernster IT-Technik und Kamikazefliegern. Im Kommerzgewusel ihrer „Coca-Cola-Spiele“ vernachlässigen sie die Sicherheit am Boden. Ein Rechtsextremist zündet im Olympiapark eine Bombe. Zwei Menschen werden getötet und elf verletzt.

Sydney 2000

Als Konsequenz aus der Entdeckung eines Waffenlagers Monate vor den Spielen kommt zur Palette von Vorsichtsmaßnahmen die Abwehr von biologischen und chemischen Waffen hinzu. Australien reorganisiert seine Sicherheitsdienste und beschließt rigorosere Gesetze zu Einfuhren und Einreisen.

Salt Lake City 2002

Der Terrorakt von New York 2001 durch Al-Kaida wirkt nach München 1972 als zweite Eskalationsstufe. Zum ersten Mal sind Winterspiele besonders gefährdet. Die US-Regierung schafft mit Awacs-Flugzeugen, F-16-Kampfjets und Black-Hawk-Hubschraubern einen Schutzschirm, stellt 15 000 Spezialkräfte der Armee ab und verwandelt das olympische Dorf und die Pressezentren in Festungen.

Athen 2004

Bedroht von vielfältigen terroristischen Gefahren auch aus der griechischen Nachbarschaft können die Spiele nur mit Hilfe der EU und der NATO geschützt werden. Eine Expertengruppe aus sieben Ländern, darunter Deutschland, plant das Sicherheitskonzept mit. Es verschlingt 1,5 Milliarden Dollar.

Peking 2008

Die Staatsmacht rekrutiert neben Militär und Polizei 1,5 Millionen sogenannte Freiwillige: 100.000 „olympische Freiwillige“, 400.000 „Stadt-Freiwillige“, eine Million „Freiwillige der Gesellschaft“. Als die Amtlichkeit aus der fernen Region der uigurischen Minderheit ein Blutbad mit 16 Terroropfern vermeldet, ziehen vor dem olympischen Dorf, dem Pressezentrum und dem IOC-Hotel Panzerfahrzeuge auf.

London 2012

Die britische Hauptstadt macht mobil mit 18.200 Soldaten, Kriegsschiffen und Raketen, die auch auf Dächern rund um den Olympiapark herum positioniert sind. Der Park selbst ist als zentraler Austragungsort geschützt mit einem fünf Meter hohen, elektrisch geladenen, von Kameras bewachten Zaun. Für unsichtbaren Schutz sorgt eine enge Kooperation westlicher Geheimdienste. Tausende von Kameras überwachen Knotenpunkte der Metropole.

Sotschi 2014

Das Motto heißt „totale Kontrolle“. Sie gilt vor allem als Abwehr gegen den islamistischen Terror aus dem Nordkaukasus. Die Staatsmacht setzt 60.000 Polizisten, Geheimdienstler und Soldaten ein, dazu Luftabwehrsysteme, U-Boote, Drohnen und Luftabwehrsysteme.

Der gesamte Olympic Park sei „billiger als das Londoner Olympiastadion“ von 2012. „Unsere Sportstätten zusammen kosten weniger als das Olympiastadion in Tokio“ für 2020, sagte Paes und gab dem möglichen deutschen Olympia-Bewerber für 2024 einen Rat: „Ich sehe Olympia als große Chance für eine Stadt an, und Hamburg sollte darauf achten, welche Botschaft es in die Welt senden will.“

Wie bei der Fußball-WM 2014 werde „viel Security in der Stadt sein“, kündigte der Bürgermeister an, „aber Rio hat ein Sicherheitsproblem, und da rede ich auch nicht drumherum. Das betrifft unseren Alltag, und da müssen wir ran.“

Gegen mögliche terroristische Attacken wappnen sich die Olympia-Macher. „Das Militär und der Geheimdienst arbeiten an einem Konzept“, erklärte Paes. „Darum müssen wir uns kümmern, schließlich sind amerikanische, deutsche oder französische Sportler in Rio.“

Von

dpa

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