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09.10.2015

15:23 Uhr

Olympia-Bewerbung vor dem Aus

Bund will für Hamburgs Olympia-Traum nicht zahlen

VonChristoph Kapalschinski

Hamburgs Bewerbung für die Olympischen Sommerspiele 2024 droht zu scheitern. Berlin weigert sich, die von Bürgermeister Scholz geforderten sechs Milliarden Euro beizusteuern. Ohne Zuschuss sind die Spiele nicht bezahlbar.

Die Bundesregierung will sich nicht in dem von Hamburg geforderten Maße an der Finanzierung beteiligen. dpa

Keine Unterstützung

Die Bundesregierung will sich nicht in dem von Hamburg geforderten Maße an der Finanzierung beteiligen.

HamburgDer Hamburger Traum von Olympia droht frühzeitig zu platzen. Die Bundesregierung will offenbar die von Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) geforderte hohe Beteiligung an den Kosten nicht mitmachen. Scholz hatte am Donnerstag öffentlich erklärt, die Hansestadt werde nur maximal 1,2 Milliarden Euro beisteuern. Andernfalls werde Hamburg keine Bewerbung abgeben. Zugleich legte Scholz einen Finanzreport vor, laut dem der Finanzierungsbedarf durch die öffentliche Hand bei 7,4 Milliarden Euro liegt – der Bund müsste also mindestens 6,2 Milliarden Euro zuschießen. Die Gesamtkosten bezifferte Scholz auf 11,2 Milliarden Euro.

Berlin habe der Hansestadt klar signalisiert, dass der Bund nicht mit sechs Milliarden Euro dabei sein werde, erfuhr das Handelsblatt aus Regierungskreisen. Damit ist acht Wochen vor der Volksabstimmung in Hamburg völlig unklar, wie das Projekt seriös finanziert werden soll.

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Scholz steckt in einer schwierigen Situation: Er hatte mehrfach ein klar gerechnetes Konzept versprochen. Bei der Auftragsarbeit, erstellt von einem unabhängigen Planungsbüro, sind nun aber Summen herausgekommen, die in Berlin nicht vermittelbar sind. Zugleich binden ihm Schuldenbremse und das Versprechen, keine Einschnitte bei städtischen Leistungen vorzunehmen noch Schulden aufzunehmen, die Hände. Vor der  kurzfristig angesetzten Vorstellung des Plans konnte das Planungsteam um Hamburgs Staatsrat Christoph Krupp keine Einigung mit der Bundesregierung erzielen. Scholz gestand am Donnerstag ein, der Bund habe der Finanzierung bislang noch nicht zugestimmt, zeigte sich aber optimistisch.

Der Hamburgische Senat setzt darauf, dass die Bundesregierung doch noch einlenkt. Berlin habe nun Zeit, die Pläne ausführlich zu prüfen, hieß es am Freitag im Rathaus. Schließlich habe die Regierung bei ihrem Bekenntnis zur Bewerbung wissen müssen, dass Olympia Milliardenkosten mit sich bringe. „Der Bund muss ausreichend Zeit zur Prüfung des Finanzreports haben, damit er sich einen umfassenden Überblick verschaffen kann. Es ist gut, dass nun alle Zahlen bekannt sind die Hamburger wissen, wie hoch der Anteil ist, den die Stadt tragen wird“, sagte ein Senatssprecher.

Pro und Contra Hamburg als Olympiaort

Pro: Das Konzept

Die Stadt plant kompakte Spiele der kurzen Wege mit den Olympia-Stätten und dem Athletendorf auf einer Elbinsel. Weitere Trainings- und Wettkampfstätten sollen von hier nur zehn Kilometer entfernt liegen. Auch die benötigten Segelreviere auf der Ost- oder Nordsee sind nah.

Pro: Breitensport

Nur wenige Wettkampf- und Trainingsstätten müssten neu gebaut werden, heißt es bei den Planern. Zur Freude der Sportvereine sollen bestehende Anlagen modernisiert werden, was auch dem Schulsport zugutekommt.

Pro: Die Nachnutzung

Die neue Olympia-Anlage soll nach den Spielen in einen neuen Stadtteil integriert werden. Das Stadion wird von 70 000 auf 20 000 Plätze zurückgebaut, die Olympia-Halle zum Kreuzfahrtterminal. Die Sportlerquartiere werden zu 3000 Wohnungen umfunktioniert.

Pro: Die Effekte

„Wir könnten das, was wir ohnehin planen, beschleunigen“, betont Bürgermeister Olaf Scholz (SPD). Die Investitionen, auch in Verkehrsanlagen, werden als „riesiges Konjunkturprogramm“ gesehen. Für die Bürger soll es Transparenz von der Planung bis zur möglichen Olympia-Durchführung geben.

Pro: Das Ansehen

Die Hansestadt erhofft sich einen Imagegewinn - vor allem im Ausland. In Europa liegt sie mit jährlich 12 Millionen Übernachtungen an zehnter Stelle. Die Hotelbranche will bis Ende 2016 über mehr als 62 000 Betten verfügen

Kontra: Die Kosten

Sie stehen für das Großprojekt noch nicht fest. Für den Sportstättenbau und Modernisierung werden bislang rund 2,1 Milliarden Euro (2024) genannt. Genauer soll erst gerechnet werden, wenn Hamburg den DOSB-Zuschlag erhält. Für die Spiele dürfen schon wegen der von 2020 an geltenden Schuldenbremse keine neuen Schulden gemacht werden.

Kontra: Die politischen Gegner

Die Grünen - derzeit mit der SPD in Verhandlungen zur Regierungskoalition - sagen zur Bewerbung „Ja, aber“. Für sie darf es nicht zu einer Kostenexplosion wie beim Bau der Elbphilharmonie (knapp 800 Mio Euro) kommen. Die oppositionelle Linke ist gegen das Projekt („Finanzielles Abenteuer“). Hinzu kommen die (N)Olympia-Aktivisten, die voraussichtlich erst nach einem Zuschlag für Hamburg prominenter in Erscheinung treten dürften.

Kontra: Sportliche Großereignisse

Die Hansestadt hat bis auf die Triahtlon-WM 2007 nur wenige internationale Meisterschaften zu Gast gehabt. Berlin hat da mehr zu bieten, wie die Leichtathletik-WM 2009 und die Schwimm-EM 2014.

Kontra: Hafenwirtschaft und Umwelt

Für den Bau der Olympia-Stätten müssen auf der Elbinsel noch ansässige Hafenbetriebe (2500 Mitarbeiter) umgesiedelt werden. Die Stadt will die Kosten übernehmen. Die Grünen warnten daher vor einem „Blankocheck“. Der Unternehmensverband Hafen Hamburg bezweifelt, dass die Verlegung bis 2024 zu schaffen ist. Naturschutzverbände befürchten dabei die Ausweitung des Hafengebietes in Naturräume. Für Nabu und BUND ist der Umweltschutz bei der Olympia-Planung und Bewerbung ohnehin nicht genügend berücksichtigt.

Die Bundesregierung steht jedoch offenbar auf dem Standpunkt, dass Hamburg ein „umfassendes Stadtentwicklungskonzept bis 2040“ erarbeitet hat – also weit mehr Kosten in die Planungen eingesetzt hat als eigentlich für Olympia nötig wären. Tatsächlich plant Hamburg, Teile des Hafens zu verlagern, um eine Elbinsel für das Olympia-Gelände zu räumen. Allein für den Umbau des Hafens für die Verlagerung der betroffenen Betriebe rechnet Hamburg mit Kosten von 1,3 Milliarden Euro. Dazu kommen 1,7 Milliarden Euro für den Bau des neuen Stadtteils „OlympiaCity“.

Damit ist das Hamburger Konzept teurer als das der Mitbewerber wie Los Angeles, das von gut sechs Milliarden Dollar ausgeht, und Paris mit 6,7 Milliarden Euro. Auch bei der geplanten Bewerbung für die Spiele 2012, in der Hamburg in dem deutschen Konkurrenten Leipzig unterlegen war, war die Stadt von Kosten von unter vier Milliarden Euro ausgegangen – ähnlich wie die anderen deutschen Bewerberstädte.

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