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12.05.2016

22:48 Uhr

Olympia in Sotschi

Insider bestätigt staatliches Doping

Betrug bei den Olympischen Spielen 2014 in Sotschi: In einem Medienbericht gibt der damalige Chef des russischen Kontrolllabors zu, Sportler mit verbotenen Substanzen versorgt zu haben. Darunter viele Medaillengewinner.

Ein Mann läuft an einem Schild vorbei, auf dem Doping-Kontrolle steht: Einem Medienbericht zufolge war bei den Olympischen Spielen 2014 in Sotschi der Chef des russischen Kontrolllabors direkt an staatlichem Doping beteiligt. AP

Doping-Kontrolle

Ein Mann läuft an einem Schild vorbei, auf dem Doping-Kontrolle steht: Einem Medienbericht zufolge war bei den Olympischen Spielen 2014 in Sotschi der Chef des russischen Kontrolllabors direkt an staatlichem Doping beteiligt.

Los AngelesDie Dopingvorwürfe gegen Russland während der Olympischen Spiele 2014 in Sotschi sind von einem Insider detailliert bestätigt worden. In einem Bericht der „New York Times“ (Donnerstag) schilderte Grigori Rodschenkow, damals Chef des russischen Doping-Kontrolllabors, seine direkte Beteiligung an staatlichem Doping Dutzender russischer Sportler. Zudem habe er die weit im Vorfeld der Spiele geplanten Vorgänge mithilfe weiterer Dopingexperten und dem russischen Geheimdienst FSB vertuscht.

Rodschenkow habe schon im Vorfeld der Olympischen Spiele in London 2012 einen Cocktail aus drei verbotenen, leistungssteigernden Substanzen entwickelt und an russische Sportler gegeben. In Sotschi sollen ihn zahlreiche Athleten aus Russland eingenommen haben - darunter mindestens 15 Medaillengewinner.

Das Doping sei auf Anweisung des russischen Sportministeriums weit im Vorfeld der Spiele minuziös geplant worden. Rodschenkow habe sich in den sechs Monaten vor Olympia mindestens wöchentlich mit einem Vertreter des Ministeriums getroffen. Während der Spiele habe er dann jeden Abend eine Liste mit Athleten erhalten, deren Dopingproben ausgetauscht werden müssten. Daraufhin seien durch Antidoping-Experten und russische Geheimdienst-Mitarbeiter in Nacht-und-Nebelaktionen Urinproben ersetzt worden.

Keiner der russischen Athleten wurde des Dopings überführt. Das Team gewann in Sotschi 33 Medaillen - 10 mehr als bei den vorherigen Winterspielen. Ein Drittel dieser Medaillen wurden von Sportlern geholt, die laut Rodschenkow auf einer der Dopinglisten des Sportministeriums standen. Darunter Bobpilot Alexander Zubkow, Skilangläufer Alexander Legkow und Skeletonpilot Alexander Tretyakow - allesamt Medaillengewinner.

Der russische Sportminister Witali Mutko nannte die Anschuldigungen in einer Stellungnahme eine „Fortführung der böswilligen Angriffe auf den russischen Sport“. Das Internationale Olympische Komitee teilte mit, dass es aufgrund der beunruhigend detaillierten Darstellungen rasche Ermittlungen geben werde.

Am vergangenen Sonntag hatte der russische Whistleblower Witali Stepanow in der Sendung „60 Minutes“ des US-Fernsehsenders CBS von einem Gespräch mit Rodschenkow berichtet. Die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA hatte daraufhin am Dienstag eine Prüfung der Vorwürfe gegen Russland angekündigt.

Von

dpa

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