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12.01.2011

14:42 Uhr

Olympia IOC

Münchens Problem: IOC braucht Koreas Millionen

Pyeongchang in Südkorea könnte der ärgste Gegner von München im Kampf um die Olympia-Ausrichtung 2018 werden. Grund dafür ist, dass das IOC Koreas Mill. benötigt.

Pyeongchang in Südkorea ist Münchens ärgster Gegner. Foto: SID Images/AFP/HO SID

Pyeongchang in Südkorea ist Münchens ärgster Gegner. Foto: SID Images/AFP/HO

München ist im Internationalen Olympischen Komitee (IOC) so etwas wie der "Favorit der Herzen". Fast alle IOC-Mitglieder gehen davon aus, dass die bayerische Metropole 2018 hochkarätige Spiele organisieren kann. Doch wenn die rund 115 Funktionäre am 6. Juli bei der IOC-Session in Durban/Südafrika über den Gastgeber der Winterspiele und Paralympics 2018 entscheiden, droht die Gefahr, dass der schnöde Mammon zugunsten von Pyeongchang/Südkorea entscheidet.

Zweimal verlor Pyeongchang zuletzt Abstimmungen über die Winterspiele: 2003 scheiterte man mit 53:56 an Vancouver (2010), 2007 mit 47:51 an Sotschi (2014). "Was müssen wir tun, um beim dritten Mal erfolgreich zu sein", fragten Koreas Funktionäre das IOC und zogen inzwischen die richtigen Schlüsse aus der Antwort.

Geld spielt keine Rolle in dieser boomenden Wirtschaftsnation. Deren Olympiabewerbung wird von drei Männern getragen, die wegen Korruption zu Gefängnisstrafen verurteilt wurden und offenbar wissen, wie man den Erfolg "organisiert": Dem früheren Samsung-Chef Lee Kun Hee, der nach seinem Ausschluss aus dem IOC vor einem Jahr bei Olympia in Vancouver wieder aufgenommen wurde, dem Doosan-Topmanager Park Yong Sung und dem frühren Geheimdienst-Chef Kim Un Yong.

Lee Kun Hee will Erfolg um jeden Preis

Lee Kun Hee will mit seinem Milliardenvermögen den Erfolg der 180km östlich der Hauptstadt Seoul gelegenen Provinzstadt Pyeongchang sicherstellen. Lee, der in Korea eine Haftstrafe wegen Bestechung absaß, unterstützt den Weltsport weiter auf breiter Basis - selbst den FC Tauberbischofsheim, Klub von Thomas Bach, dem Fecht-Olympiasieger von 1976 und IOC-Vizepräsidenten.

Park Yong Sung, früherer Präsident des Judo-Weltverbandes, war wegen Korruption zu einer dreijährigen Gefängnisstrafe verurteilt worden. Heute ist er Präsident des Nationalen Olympischen Komitees (NOK) von Südkorea.

Kim Un Yong, früherer Chef des Taekwondo-Weltverbandes, saß ebenfalls wegen Korruption hinter Gittern. Er war einst an Juan Antonio Samaranch gescheitert, als er IOC-Präsident werden wollte. Und er hat jetzt vor allem ein Ziel: Zusammen mit Lee und Park Winter-Olympia 2018 nach Pyeongchang zu holen, das als Gastgeber der Biathlon WM 2009 zweifelhaften Ruhm erwarb. Doch dies wird am Ende nicht mehr zählen.

Undurchsichtige Verwarnung

Schwer zu durchschauen scheint vor diesem Hintergrund die Ende 2010 erfolgte Verwarnung des IOC an Pyeongchang, sich an die olympischen Regeln zu halten. Zwei koreanische Weltfirmen und olympische Top-Sponsoren, die Pyeongchangs Bewerbung tragen, müssen nun ihre Verträge mit dem Eisschnelllauf-Weltverband ISU (Korean Air) und dem Ruder-Weltverband Fisa (Samsung) bis zur Vergabe der Winterspiele am 6. Juli auf Eis legen.

Sowohl Thomas Bach als auch Bernhard Schwank, Geschäftsführer der Münchner Olympia-Bewerbung, kommentieren diese Hintergründe schon deshalb nicht, weil sie sich nicht öffentlich über Mitbewerber äußern dürfen. Sie können nur hoffen, dass Pyeongchang sich bei seinem massiven Streben nach Erfolg spätestens in Durban selbst ein Bein stellt.

Wie wichtig das Projekt Pyeongchang auch für Südkoreas Politik ist, machten die Worte von Han Seung-Soo deutlich, als er 2010 als Ministerpräsident ausschied: "Für uns steht Pyeongchangs Kandidatur für 2018 ganz oben auf der nationalen Tagesordnung."

© SID

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