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23.06.2015

16:34 Uhr

Olympia-Kandidatur

Paris macht Hamburg das Leben schwer

Frankreichs Hauptstadt hat wie erwartet die Kandidatur als Ausrichter der Olympischen Sommerspiele 2024 bekannt gegeben. Am Mittag wurde das Konzept vorgestellt, mit dem der Rivale Hamburg ausgestochen werden soll.

Die französische Hauptstadt bewirbt sich als Ausrichter der Olympischen Sommerspiele. Reuters

Paris 2024 soll kommen

Die französische Hauptstadt bewirbt sich als Ausrichter der Olympischen Sommerspiele.

ParisNach drei Fehlschlägen soll es mit dem Pariser Olympia-Traum endlich klappen. 100 Jahre nach den letzten Sommerspielen will die französische Hauptstadt 2024 das Sport-Spektakel wieder ausrichten und damit die Hamburger Hoffnungen auf den Zuschlag zunichtemachen. Nach drei gescheiterten Bewerbungen für 1992, 2008 und 2012 sieht sich Paris nun an der Reihe.

„Wir sind da, um zu gewinnen“, sagte der Präsident des Sportverbandes CFSI, Bernard Lapasset, der die Kandidatur verantwortet. Zuvor hatten Sportfunktionäre und Athleten am Dienstag den Startschuss gegeben. Aus dem Haus des französischen Sports setzten sie Twitter-Nachrichten mit dem Schlagwort „#Paris 2024“ ab. Hamburg hat damit nach Boston und Rom einen weiteren starken Konkurrenten erhalten. Und auch Budapest könnte zum Bewerber-Kreis noch dazustoßen, der Stadtrat sprach sich am Dienstag ebenfalls für Olympia aus.

Paris, das aus seinen vergangenen Niederlagen lernen will und bereits ein weit fortgeschrittenes Bewerbungsdossier in der Tasche hat, will vor allem mit einer guten Infrastruktur und Nachhaltigkeit punkten. Thomas Bach attestierte als Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) dem Land schon nach der Befürwortung des Pariser Stadtrats im April, mit Selbstvertrauen ins Rennen gehen zu können. Die Kandidatur sei „vorbildlich“.

Pro und Contra Hamburg als Olympiaort

Pro: Das Konzept

Die Stadt plant kompakte Spiele der kurzen Wege mit den Olympia-Stätten und dem Athletendorf auf einer Elbinsel. Weitere Trainings- und Wettkampfstätten sollen von hier nur zehn Kilometer entfernt liegen. Auch die benötigten Segelreviere auf der Ost- oder Nordsee sind nah.

Pro: Breitensport

Nur wenige Wettkampf- und Trainingsstätten müssten neu gebaut werden, heißt es bei den Planern. Zur Freude der Sportvereine sollen bestehende Anlagen modernisiert werden, was auch dem Schulsport zugutekommt.

Pro: Die Nachnutzung

Die neue Olympia-Anlage soll nach den Spielen in einen neuen Stadtteil integriert werden. Das Stadion wird von 70 000 auf 20 000 Plätze zurückgebaut, die Olympia-Halle zum Kreuzfahrtterminal. Die Sportlerquartiere werden zu 3000 Wohnungen umfunktioniert.

Pro: Die Effekte

„Wir könnten das, was wir ohnehin planen, beschleunigen“, betont Bürgermeister Olaf Scholz (SPD). Die Investitionen, auch in Verkehrsanlagen, werden als „riesiges Konjunkturprogramm“ gesehen. Für die Bürger soll es Transparenz von der Planung bis zur möglichen Olympia-Durchführung geben.

Pro: Das Ansehen

Die Hansestadt erhofft sich einen Imagegewinn - vor allem im Ausland. In Europa liegt sie mit jährlich 12 Millionen Übernachtungen an zehnter Stelle. Die Hotelbranche will bis Ende 2016 über mehr als 62 000 Betten verfügen

Kontra: Die Kosten

Sie stehen für das Großprojekt noch nicht fest. Für den Sportstättenbau und Modernisierung werden bislang rund 2,1 Milliarden Euro (2024) genannt. Genauer soll erst gerechnet werden, wenn Hamburg den DOSB-Zuschlag erhält. Für die Spiele dürfen schon wegen der von 2020 an geltenden Schuldenbremse keine neuen Schulden gemacht werden.

Kontra: Die politischen Gegner

Die Grünen - derzeit mit der SPD in Verhandlungen zur Regierungskoalition - sagen zur Bewerbung „Ja, aber“. Für sie darf es nicht zu einer Kostenexplosion wie beim Bau der Elbphilharmonie (knapp 800 Mio Euro) kommen. Die oppositionelle Linke ist gegen das Projekt („Finanzielles Abenteuer“). Hinzu kommen die (N)Olympia-Aktivisten, die voraussichtlich erst nach einem Zuschlag für Hamburg prominenter in Erscheinung treten dürften.

Kontra: Sportliche Großereignisse

Die Hansestadt hat bis auf die Triahtlon-WM 2007 nur wenige internationale Meisterschaften zu Gast gehabt. Berlin hat da mehr zu bieten, wie die Leichtathletik-WM 2009 und die Schwimm-EM 2014.

Kontra: Hafenwirtschaft und Umwelt

Für den Bau der Olympia-Stätten müssen auf der Elbinsel noch ansässige Hafenbetriebe (2500 Mitarbeiter) umgesiedelt werden. Die Stadt will die Kosten übernehmen. Die Grünen warnten daher vor einem „Blankocheck“. Der Unternehmensverband Hafen Hamburg bezweifelt, dass die Verlegung bis 2024 zu schaffen ist. Naturschutzverbände befürchten dabei die Ausweitung des Hafengebietes in Naturräume. Für Nabu und BUND ist der Umweltschutz bei der Olympia-Planung und Bewerbung ohnehin nicht genügend berücksichtigt.

Bis zur Entscheidung ist es aber noch ein langer Weg. Im September endet die Frist für die Kandidatur. Bis dahin könnten auch Doha, Istanbul, Baku und eine australische Stadt noch hinzukommen. Nach einem langen Bewerbungsmarathon wählt das IOC im Sommer 2017 den Gastgeber aus. Eine weitere Niederlage würden viele in Frankreich wohl als Blamage verstehen - zumal Paris schon für die Spiele 2012 nur ganz knapp und trotz besserer Noten durch die Evaluierungskommission gegen London den Kürzeren gezogen hatte.

Wie ernst es Frankreich meint, soll eine weitere Auftaktveranstaltung am französischen Nationalfeiertag am 14. Juli zeigen. Präsident François Hollande versprach am Dienstag schon mal die Mobilisierung des ganzen Landes für das Sportspektakel: „Der Staat wird alles einsetzen, um die Sportbewegung zu begleiten und diese Kandidatur zu unterstützen“, erklärte er.

Für die Pariser Kandidatur werden etwa 60 Millionen Euro veranschlagt, die Kosten der Spiele auf 6,2 Milliarden Euro geschätzt - das meiste davon für neue Infrastruktur. Den nötigen Rückhalt in der Bevölkerung hat die Bewerbung: Nach einer aktuellen Umfrage der Sonntagszeitung „Journal du Dimanche“ halten 72 Prozent der Bewohner des Pariser Großraums die Spiele für eine gute Sache für die Stadt.

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Paris war bereits 1900 und 1924 Olympia-Gastgeber. Mit ihren Bewerbungen für die Spiele 1992, 2008 und zuletzt 2012 scheiterte die Seine-Metropole. Nicht zuletzt wegen der gescheiterten Bewerbungen und den damit verbundenen weit fortgeschrittenen Konzepte gilt Paris als Favorit, auch vor Hamburg. Es ist auch nicht einmal klar, ob die Hansestadt ihre Kandidatur durchzieht. Als deutsche Bewerberstadt für Olympia 2024 hat sich Hamburg bereits durchgesetzt - nun hängt alles vom Willen der Bürger der Hansestadt Ende November ab. Die Hamburgische Bürgerschaft machte Ende Mai den Weg für das geplante Olympia-Referendum frei. Dafür änderte das Parlament mit den Stimmen von SPD, CDU, Grünen und AfD und damit mit der notwendigen Zwei-Drittel-Mehrheit die Verfassung der Hansestadt.

Auf Anregung oder mit Zustimmung des Senats kann die Bürgerschaft künftig mit Zwei-Drittel-Mehrheit ein sogenanntes Bürgerschaftsreferendum beschließen, auch zu anderen Themen mit „grundsätzlicher und gesamtstädtischer Bedeutung“. Am 29. November sollen die Hamburger über die Bewerbung um die Olympischen Spiele abstimmen.

Von

dpa

Kommentare (1)

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Herr Matthias Moser

23.06.2015, 15:26 Uhr

Ich drücke Paris den Daumen. Für Hamburg wäre es ein Segen, die Milliarden nicht zu versenken und dem IOC in den Rachen zu werfen. Für mich ist das IOC nicht weit weg von der FIFA.

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