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08.12.2014

13:48 Uhr

Olympia-Reform

IOC ermöglicht länderübergreifende Spiele

Das IOC steht vor den einschneidendsten Reformen seit 15 Jahren. In Ausnahmefällen sollen bald länder- und städteübergreifende Spiele möglich sein - gute Nachrichten für die deutschen Olympia-Bewerber Berlin und Hamburg.

IOC-Präsident Thomas Bach auf der außerordentlichen Sitzung in Monte Carlo: „Jetzt ist die Zeit für Veränderungen.“ AFP

IOC-Präsident Thomas Bach auf der außerordentlichen Sitzung in Monte Carlo: „Jetzt ist die Zeit für Veränderungen.“

Monte CarloDas Internationale Olympische Komitee (IOC) hat zum Auftakt seiner Reform-Session in Monte Carlo länder- und städteübergreifende Olympische Spiele erlaubt. Die 94 stimmberechtigten IOC-Mitglieder beschlossen am Montag einstimmig, aus Gründen der Nachhaltigkeit „die Austragung ganzer Sportarten oder einzelner Disziplinen außerhalb der Gastgeber-Stadt oder in Ausnahmefällen außerhalb des Landes zu erlauben“. Ohne Gegenstimme wurde auch entschieden, den Vertrag mit dem jeweiligen Gastgeber der Spiele künftig zu veröffentlichen und die Bewerbungskosten zu senken.

„Jetzt ist die Zeit für Veränderungen“, sagte IOC-Präsident Thomas Bach zu Beginn der Vollversammlung, die über 40 Reform-Vorschläge zur Neuausrichtung der Organisation abstimmt. Bei der Vorstellung der Reform-Empfehlungen vor drei Wochen in Lausanne hatte der 60-Jährige klargestellt, dass es weiter einen Haupt-Gastgeber und ein zentrales olympisches Dorf geben müsse.

„Die Einheit von Zeit, Ort und Handlung darf sich, wie in einem griechischen Drama, nicht ändern“, betonte der Wirtschaftsanwalt aus Tauberbischofsheim. „Wir wollen keine Spiele, die über ein ganzes Land zerstreut sind und nur im Fernsehen als eine Veranstaltung zu sehen sind.“

Der einstimmige Beschluss vom Montag vergrößert die Variationsmöglichkeiten für den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB), der sich mit Berlin oder Hamburg um die Spiele 2024 bewerben will. „Die Möglichkeit der Kooperation zwischen dem Gastgeber und anderen Städten werden dadurch sicher erleichtert“, sagte DOSB-Generaldirektor Michael Vesper in Monte Carlo, schloss aber eine deutsche Doppel-Bewerbung aus.

Trotzdem könnte sich Hamburg zum Beispiel die Konstruktion einer teuren Kanu-Slalom-Strecke sparen und die Wettbewerbe ins sächsische Markkleeberg auslagern. Statt ein kostspieliges Velodrom zu errichten, wären die Rad-Wettkämpfe in Bremen denkbar. Vorrundenspiele im Handball, Volleyball und Basketball könnten in Kiel, Bremen, Flensburg oder Schwerin stattfinden. Berlin hätte die Möglichkeit, auf Arenen in Potsdam, Magdeburg und Leipzig zurückzugreifen.

Bereits vor dem Votum legte das IOC den Organisatoren der Winterspiele 2018 in Pyeongchang nahe, die olympischen Bob- und Rodelwettbewerbe zur Reduzierung der Kosten außerhalb Südkoreas auszutragen. Die südkoreanischen Olympia-Macher wurden aufgefordert, die Bauarbeiten für die Bob- und Rodelbahn zu stoppen und einer Verlegung der Wettkämpfe in ein anderes asiatisches Land, nach Europa oder in die USA zuzustimmen, wo es bereits Bahnen gibt. Damit sollen Baukosten von 120 Millionen Dollar gespart werden. Das IOC will in der Zukunft verstärkt auf temporäre Bauten setzen, es sei denn, der Gastgeber kann ein schlüssiges Nachhaltigkeitskonzept für die Sportstätten vorlegen.

Spielort Berlin

Die Stadt Berlin

Berlin ist die Hauptstadt und mit knapp 3,5 Millionen Einwohnern auch die größte Stadt der Bundesrepublik Deutschland. Wie kaum eine andere Metropole ist Berlin geprägt von seiner turbulenten Geschichte mit glanzvollen und düsteren Epochen.

Das Olympiastadion

Gespielt wird im Olympiastadion, der Heimspielstätte von Bundesliga-Aufsteiger Hertha BSC. Das Stadion wurde von 1934 bis 1936 im Vorfeld der Olympischen Sommerspiele 1936 mit einem Fassungsvermögen von 100.000 Zuschauern erbaut. Nach dem Umbau im Jahr 2004 hat das Stadion 74.500 Plätze.

Frauenfußball in Berlin

Hertha hat den Mädchen- und Frauenfußball lange Zeit vernachlässigt. Die Bestrebungen gingen immer wieder dahin, mit anderen Vereinen zu kooperieren. So auch im Frühjahr 2009, als Hertha eine Zusammenarbeit mit dem 1. FC Lübars aus dem Berliner Stadtteil Reinickendorf startete. Seitdem spielt der 1. FC Lübars in den Vereinsfarben von Hertha BSC. In dieser Spielzeit belegte die Mannschaft den vierten Platz in der 2. Frauen-Bundesliga Nord.

Das IOC steht vor seinen einschneidendsten Reformen seit 15 Jahren. Nach dem Korruptionsskandal um die Vergabe der Winterspiele an Salt Lake City war 1999 eine Generalüberholung nötig, um das IOC aus der größten Glaubwürdigkeitskrise seiner Geschichte zu befreien. Auch in Monte Carlo geht es darum, verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen.

Von

dpa

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