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06.08.2016

14:00 Uhr

Olympia-Segelwettbewerbe

Rios Kloakenwasser und versickerte Milliarden

Selten waren Olympia-Segelwettbewerbe so umstritten wie in Rio. Wer hier unterwegs ist, sollte abgehärtet sein. Die Olympia-Segler präparieren sich mit Schutzmaßnahmen. Das Problem hat mit versickertem Geld zu tun.

Immer wieder wurden hier gefährliche Superviren und schädliche Bakterien im Waser nachgewiesen. dpa

Das Wasser von Rio

Immer wieder wurden hier gefährliche Superviren und schädliche Bakterien im Waser nachgewiesen.

Rio de JaneiroMario Moscatelli glaubt, dass nur noch der Papst helfen kann. Er hat den Erzbischof von Rio de Janeiro gebeten, sich um das Einschalten von Franziskus zu kümmern. „Ich habe immer noch keine Antwort vom Papst“, sagt der Biologe kokettierend.

Moscatelli ist der hartnäckigste Kritiker der Wasserverschmutzung in Rio. Er fährt mehrmals die Woche durch die Lagunen Rios, nimmt Proben. Hier im Stadtteil Barra ist vom Boot aus aus der Olympiapark mit den neuen Sportstätten zu sehen, er liegt direkt an dem Gewässer.

„Eigentlich ist jede Lagune gleich“, sagt Moscatelli. Von überall her werden Fäkalien und anderes eingeleitet. Kläranlagen? Mangelware. Die Olympioniken werden vom widerlichen Gestank, von den Dingen, die so im Wasser schwimmen, nichts mitbekommen.

Hier finden keine Wettkämpfe statt, aber für Moscatelli ist die Lage besonders dramatisch, weil hier daher auch gar nichts passiere. Die Rio-Organisatoren sagen, die Wasserqualität sei vor allem in der Guanabara-Bucht, wo gesegelt wird, nun in Ordnung. „Sie leben in einer anderen Realität als ich.“

In der Guanabara-Bucht ist eine Fahrt mit dem Boot oft ein Ausweichen vor allerlei Unrat, bis hin zu einem toten Hahn. Die Krallen nach oben, die Flügel ausgebreitet. In Sichtweite ist der Zuckerhut. Wenn man nicht ins Wasser schaut: ein malerisches Ambiente.

Olympia-Segelrevier: Rios Guanabara-Bucht immer umstrittener

Olympia-Segelrevier

Rios Guanabara-Bucht immer umstrittener

Giftstoffe, Müll, Tierkadaver und nun ein menschlicher Arm: Rio de Janeiros Olympia-Segelrevier, die Guanabara-Bucht, ist sehr umstritten. Bald gibt es neue Wassertests. Wird das Revier doch noch verlegt?

Nur: Die Fischer hier verlieren ihre Lebensgrundlage – immer wieder werden Tonnen an toten Fischen angespült. Bei einer Ausfahrt schimpfte der Fischer Romario: „Die Politiker sind nur interessiert an Bauten, die sichtbar sind, ein neues Stadion, eine neue Metro.“ Dabei lautete beim Zuschlag 2009 das große Versprechen: Alles wird besser – bis zu 80 Prozent des Wassers in der Bucht werden behandelt und gesäubert.

Davon hat man sich längst verabschiedet – und setzt auf das, was Rio am besten kann: Improvisation. Ein Rohrsystem wurde installiert, um zumindest das Einlaufen von ungeklärtem, kontaminiertem Abwasser in die Marina da Gloria zu verhindern, dem Startort der Segler. Dann setzt man einfach auf etwas Glück mit dem Wetter: Weniger Regen und Strömung bedeutet weniger Anschwemmen von Abfällen.

Ein Helikopter soll jeden Tag die aktuelle Strömung analysieren, damit die Besatzungen von zwölf „Öko-Booten“ wissen, wo am meisten Müll aus dem Wasser geholt werden muss. Zudem gibt es nach Angaben eines Rio2016-Sprechers nun 17 schwimmende Barrieren, die Unrat abhalten.

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