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10.02.2006

22:05 Uhr

Olympia Turin

Der Startschuss für Olympia ist gefallen

Im Rahmen einer großen Eröffnungsfeier erklärte Italiens Staatspräsident Carlo Azeglio Ciampi um 22.10 Uhr die XX. Olympischen Winterspiele in Turin für eröffnet. Rund 2 500 Aktive kämpfen nun um 84 Goldmedaillen.

"Ciao Torino - Benvenuto Mondo": Unter größten Sicherheitsvorkehrungen und mit einem Ferrari-Feuerwerk der ganz besonderen Art sind die XX. Olympischen Winterspiele in Turin farbenprächtig und spektakulär eröffnet worden. 35 000 Zuschauer im Stadio Olimpico, darunter Bundespräsident Horst Köhler, und zwei Milliarden Menschen weltweit vor den Fernsehschirmen waren live dabei, als Italiens Staatspräsident Carlo Azeglio Ciampi die Spiele am Freitagabend um 22.10 Uhr für eröffnet erklärte.

Das letzte große Geheimnis der Zeremonie war um 22.34 Uhr endgültig gelüftet: Als finale Fackelläuferin entfachte die zweimalige Langlauf-Olympiasiegerin Stefania Belmondo (36) das Olympische Feuer. Zuvor hatten Turin und Italien die Jugend der Welt mit einer rasanten Reise durch die Landesgeschichte und ihr Lebensgefühl willkommen geheißen.

Rogge appelliert an die Sportler

Einer der Höhepunkte war der Auftritt von Michael Schumachers Ferrari-Team. Nach einem simulierten Boxenstopp fuhr Testpilot Luca Badoer in einem knallroten Formel-1-Renner unter ohrenbetäubendem Lärm über die Bühne und brannte mit durchdrehenden Rädern und mehr als 700 PS pechschwarze Gummispuren in den Boden. Bis zuletzt hatte es Spekulationen gegeben, der siebenmalige Weltmeister Schumacher würde höchstpersönlich am Steuer sitzen.

"Die Werte der Olympischen Spiele können Frieden, Toleranz und Nächstenliebe demonstrieren, was die Welt in der heutigen Zeit sehr braucht", sagte IOC-Präsident Jacques Rogge in seiner Ansprache, die mehr als 40 Regierungschefs und Monarchen vor Ort verfolgen. "Geben Sie diesen Spielen den Zauber, den wir uns alle wünschen, nicht nur durch Ihre Leistung, sondern auch durch Ihr Verhalten", sagte der Belgier an die Athleten gewandt und mit Blick auf das Eröffnungsmotto "Funken der Leidenschaft".

Tolle Show mit Stil, Klasse, Raganz und Eleganz

In verschiedenen Interpretationen des offiziellen Slogans vereinigten sich während der mehr als zweistündigen Show Stil und Klasse, Rasanz und Eleganz - die für Italien als typisch geltenden Eigenschaften. Spektakuläre Blickfänge waren zu Beginn ein aus 500 Komparsen gebildetes Herz als Willkommensgruß an die Welt sowie sechs in Rot gekleidete Rollschuh-Läufer, aus deren Helmen bei Geschwindigkeiten von rund 70 km/h bis zu zwei Meter lange Feuerschweife zischten.

Die Regisseure der Zeremonie unter der Leitung von Marco Balich, der schon Rockkonzerte von U2 und Pink Floyd zu unvergesslichen Erlebnissen machte, huldigten auch den Alpen. Als Hommage an die Berge, die zwei Autostunden von Turin entfernt Schauplätze zahlreicher Wettbewerbe sein werden, erklangen Alphörner mit Bläsern aus allen sieben Alpen-Ländern, darunter auch Deutschland. Komparsen schoben rollende Kunststoff-Kühe durchs Stadion.

Aktive aus 80 Nationen gehen an den Start

Erstes Highlight war der Einzug der italienischen Nationalfahne. Das aus Turin stammende Top-Model Carla Bruni begleitete in einem von Modezar Giorgio Armani kreierten Kleid, das in den Landesfarben Grün, Weiß und Rot Kristalle darstellte, die von 26 Sportlern getragene "Tricolore" ins Stadion, ehe ein Mädchen die Nationalhymne des Gastgeber-Landes sang.

Nach der kunstvoll-lyrischen Vorstellung Turins folgte der erste Auftritt der Athleten. In einer gut 50-minütigen Parade marschierten die Aktiven aus 80 Nationen (Rekord), traditionell angeführt von Griechenland, durch ein überdimensionales Tor unter den Olympischen Ringen in den Innenraum ein. Auch die Anzahl von insgesamt 84 Wettbewerben ist ein Spitzenwert für Winterspiele.

15 000 Polizisten waren im Einsatz

Mit Biathlon-Star Kati Wilhelm als Fahnenträgerin hielt die deutsche Mannschaft mit 91 ihrer insgesamt 161 angereisten Athleten als 32. Team Einzug in die Arena. Stürmisch empfangen wurden auch die Sportler aus Süd- und Nordkorea, die erstmals bei der Eröffnung von Winterspielen als eine Mannschaft auftraten, sowie am Ende das von Eiskunstläuferin Carolina Kostner angeführte "Team Italia". Die chinesische Fahne wurde zum ersten Mal von einer Frau getragen: Shorttrackerin Yang Yang A, die vor vier Jahren in Salt Lake City das erste Gold für das Reich der Mitte bei Winterspielen holte.

Für die Eröffnungsfeier galt die höchste Sicherheitsstufe. 15 000 Polizisten und Soldaten waren aus Angst vor Terroranschlägen im Einsatz. Seit dem späten Freitagnachmittag war der Luftraum über der Olympiastadt, den zwei Awacs-Aufklärungsflugzeuge der Nato überwachten, für den normalen Flugverkehr gesperrt.

Giorgio Rocca spricht den Olympischen Eid

Umrahmt von eindrucksvollen Bildern wurde die Olympische Fahne von acht Frauen, darunter Oscar-Preisträgerin Sophia Loren (71), Schriftstellerin Isabel Allende, Friedensnobelpreisträgerin Wangari Muta Maathai und 800-m-Olympiasiegerin Maria Mutola, ins Stadion gebracht. Es war das erste Mal in der olympischen Geschichte überhaupt, dass die Fahne ausschließlich von Frauen getragen wurde. Der Olympische Eid wurde von Italiens Weltklasse-Skirennläufer Giorgio Rocca gesprochen.

Die Entzündung des Feuers, das bis zum 26. Februar auf einem futuristischen Röhren-Turm in 57 Meter Höhe über Turin brennt, läutete das große Finale ein. Luciano Pavarotti war der Abschluss und künstlerische Höhepunkt vorbehalten: Der schwergewichtige Star-Tenor intonierte passend zum Ereignis aus Puccinis Turandot: "Vincero - Ich werde siegen."

© SID

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