Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

22.01.2010

09:28 Uhr

Olympia Vancouver

Dosb nominiert letzte Teilnehmer - Pechstein hofft

Rund zwei Wochen vor den Olympischen Spielen in Vancouver gibt der Deutsche Olympische Sportbund seine letzten Nominierungen bekannt. Auch Claudia Pechstein will noch nach Kanada.

Darf Claudia Pechstein in Vancouver starten?. Foto: Bongarts/Getty Images SID

Darf Claudia Pechstein in Vancouver starten?. Foto: Bongarts/Getty Images

Heute um 14.00 Uhr könnte alles klar sein: Fehlt Claudia Pechstein bei der letzten Nominierungsrunde des Deutschen Olympischen Sportbundes (Dosb) für Vancouver (12. bis 28. Februar), ist die Karriere der erfolgreichsten Deutschen in der Geschichte der Winterspiele (5 Gold, je zwei Silber und Bronze) wohl zu Ende. Es sei denn, das Schweizer Bundesgericht schafft danach neue Tatsachen, die den Dosb dazu veranlassen könnten, die 37-Jährige später noch ins Team zu holen.

"Es verbietet sich jede Spekulation", sagt Dosb-Präsident Thomas Bach vor der letzten Nominierung in Frankfurt/Main. Dabei soll das vor Weihnachten benannte Team (44 Athleten) auf rund 150 wachsen. Mit Betreuern wird die Mannschaft, die wie 2006 in Turin die Medaillenwertung gewinnen möchte (Bach: "Auch einen Platz auf dem Podium würden wir feiern") über 300 Personen umfassen. Das deutsche Projekt Vancouver kostet rund 4,8 Mill. Euro.

Wohl mit Steuer, ohne Dönsdorf

Vieles spricht dafür, dass Ingo Steuer zwei Tage nach dem EM-Silber seiner Paarlauf-Weltmeister Aljona Savchenko und Robin Szolkowy (Chemnitz) im deutschen Trainer-Team stehen wird, Udo Dönsdorf dagegen nach einer Klärung innerhalb der Deutschen Eislauf-Union (DEU) nicht als Funktionär dabei sein wird.

Der in einen Rechtsstreit mit dem Berliner Eistänzer Sascha Rabe verwickelte DEU-Sportdirektor sieht sich mit einer Schmerzensgeld-Forderung des Kaderathleten wegen angeblicher sexueller Belästigung am Rande eines Lehrgangs in Berlin konfrontiert. Eine für den 9. Dezember angesetzte Güteverhandlung war kurzfristig auf April 2010 verschoben worden. Bisher sagt Bach: "Dazu gibt es aus rein sachlichen und organisatorischen Gründen keine Erklärung."

Steuer, der auch bei der EM in Tallinn wegen seiner Stasi-Vergangenheit als "IM Torsten" keine öffentlichen Bundesmittel erhielt und Hotels und Flüge aus eigener Tasche finanzierte, musste sich vor vier Jahren noch ins deutsche Olympia-Team einklagen. Ähnliches deutet sich diesmal nicht an. Steuer hatte sich nach längerem Zögern zu einer förmlichen Entschuldigung durchgerungen. Nach einem Gespräch äußerte auch Joachim Gauck, früherer Leiter der Stasiunterlagen-Behörde, Verständnis für den Wunsch Steuers, von der DEU für die Arbeit mit seinem Spitzenpaar auch bezahlt zu werden.

Pechstein blickt nach Lausanne

Im Fall Claudia Pechstein könnte nach Bestätigung der Sperre durch den Internationalen Sportgerichtshof CAS (Bach: "Dieser Spruch gilt für den Dosb") die Entscheidung des Schweizer Bundesgerichts sportpolitische Brisanz besitzen. Bei der Berufungsinstanz in Lausanne hatte Pechstein einen Eilantrag auf Aussetzung ihrer zweijährigen Dopingsperre bis zum endgültigen Urteil gestellt. Nur wenn diesem stattgegeben und ihr damit grundsätzlich die Olympia-Starterlaubnis erteilt wird, darf sie weiter hoffen.

Auf die Deutsche Eisschnelllauf-Gemeinschaft (Desg) kann sie sich verlassen. "Sollte ihre Sperre ausgesetzt werden, tendieren wir dazu, sie dem Dosb für Olympia vorzuschlagen", sagt Desg-Präsident Gerd Heinze, der weiter von der Unschuldsvermutung ausgeht. An eine nachträgliche Nominierung Pechsteins glaubt er nicht: "Die Entscheidung des Bundesgerichts muss für sie ausfallen und bis Freitag gefallen sein, sonst ist alles zu spät."

Ein Spruch der Schweizer pro Pechstein könnte Dosb-Präsident Thomas Bach in ein sportpolitisches Dilemma stürzen. Zwar hat Pechstein im Dezember bei ihrem vom Schweizer Bundesgericht genehmigten Weltcup-Auftritt in Salt Lake City die Dosb-Norm für einen Einzelstart in Vancouver verpasst, doch zur Nominierung für die Team-Rennen ist keine Norm vorgesehen. Sollte die Berlinerin hier eine Medaille holen und das Schweizer Bundesgericht sie später schuldig sprechen, wäre die Aberkennung des Edelmetalls durch das Internationale Olympische Komitee die logische Konsequenz.

© SID

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×