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04.11.2016

19:56 Uhr

Olympiastadion in London

Das teure Erbe von Boris Johnson

VonStefanie Diemand

Der Umbau des Londoner Olympiastadions kostet deutlich mehr, als der ehemalige Bürgermeister und heutige Außenminister Boris Johnson geplant hat. Jetzt ordnet sein Nachfolger Sadiq Khan eine Untersuchung an.

Bei den Olympischen Spielen 2012 war Boris Johnson noch der Bürgermeister von London. Der Brexit-Befürworter ist mittlerweile britischer Außenminister. Reuters

Boris Johnson

Bei den Olympischen Spielen 2012 war Boris Johnson noch der Bürgermeister von London. Der Brexit-Befürworter ist mittlerweile britischer Außenminister.

LondonWeiße Luftballons ließ Boris Johnson, ehemaliger Londoner Bürgermeister, bei der Eröffnung der Olympischen Spiele 2012 vor den Augen von 40.000 Zuschauern aufsteigen. „Man sieht schon jetzt, dass sich hier die Magie entfaltet“, sagte er bei der Feier im damals neu erbauten Olympiastadion.

Etwas ist davon bis heute übrig geblieben: eine magische Kostensteigerung, mit der jetzt Johnsons Nachfolger Sadiq Khan kämpft. Statt 270 Millionen Euro, wie ursprünglich veranschlagt, kostet der Umbau des Gebäudes rund 323 Millionen Pfund (umgerechnet 363 Millionen Euro), damit der Londoner Fußballclub West Ham United das Stadion nutzen kann.

London: Achten Sie auf ihr Benehmen

Absolutes Rauchverbot

In allen geschlossenen Räumen! Ob in der Gastronomie, in Büros oder dem öffentlichen Verkehr – in London ist das Rauchen strengstens untersagt.

Nie unbeobachtet

London ist die Stadt mit den meisten Videokameras, die jede Bewegung erspähen und die Aufnahmen notfalls gegen Sie einsetzen – zum Beispiel, wenn Sie in der Öffentlichkeit Alkohol trinken oder einen Zigarettenstummel auf den Boden werfen. Und dann wird’s teuer!

Bitte nicht schubsen

Es ist voll und eng, aber Drängeln ist trotzdem ein absolutes No-Go! Und wenn Sie es doch mal eilig haben, dann überholen Sie die Schlange auf der Rolltreppe von links. Sind Sie geduldig, stehen Sie demnach bitte rechts.

Manieren nicht vergessen

Freundlichkeit und Höflichkeit sind wichtige Elemente der englischen Mentalität und es wäre nett, wenn Sie sie ihnen auch entgegen bringen würden. Zum Beispiel mit einem „excuse me“, wenn Sie an einer im Weg stehenden Person vorbei möchten, mit einem „thanks“, wenn Ihnen jemand die Tür aufhält und am allerbesten mit einem großzügigen Trinkgeld.

Sperrstunde vorverlegt

Warum die Engländer an Ihrem Hotelpool schon am Nachmittag so viel trinken und kurz vor dem Abendessen sturzbetrunken sind? Weil sie es nicht anders kennen. Das Nachtleben in London ist zwar stürmisch, aber kurz. Pubs schließen gegen 23 Uhr, Bars schon um 2 Uhr. Nur in den Clubs kann das Licht erst in den frühen Morgenstunden angehen.

Geht gar nicht: Intoleranz

In London leben über 30 Kulturen zusammen, wovon nur knapp über 50 Prozent Christen und ein Drittel ausländischer Herkunft sind. Dass Sie in London vielen Hindus, Muslimen oder Buddhisten begegnen, sollte Sie vorab vor unangebrachter Intoleranz oder gar lautstarkem Protest warnen. Denn diese multikulturelle Vielfalt ist das, was London zu der Stadt gemacht hat, die Sie jetzt bewundern.

Was nicht passt, muss draußen bleiben

Das Luxuskaufhaus Harrods erlaubt sich eine harte Tür- und Verhaltensphilosophie. Zwar darf in der Regel jeder das Haus betreten, doch dieser jeder muss gepflegt erscheinen. Tabu sind subkulturelle Kleidungsstücke, große Jugendgruppen und Rucksäcke am Rücken – nehmen Sie diese in die Hand, ist die Aufsicht vielleicht sogar gnädig.

Die Mehrkosten muss Khan vor den Londonern rechtfertigen. Zahlen sollen die Stadt und der Eigentümer, die London Legacy Development Corporation, eine Organisation, die sich um das Erbe der Olympischen Spiele kümmert. Am Ende landen die höheren Ausgaben somit beim Steuerzahler.

Khan ordnete diese Woche an, die Finanzen zu untersuchen. „Die Londoner verdienen es zu wissen, warum die Kosten des Stadions hochgeschossen sind“, schreibt Khan über den Kurznachrichtendienst Twitter zum Umbau, der von Anfang an umstritten gewesen ist.

„Am besten wäre es gewesen, wenn man das Stadion abgerissen und ein neues gebaut hätte“, sagt Paul Fletcher. Der ehemalige Profifußballer hat den Bau von mehr als 30 Fußballstadien begleitet. Der 65-Jährige kritisiert auch: „Es kann nicht sein, dass man die Kosten auf die Fans umwälzt.“

Während der Fußballsaison nutzt West Ham United das Stadion und muss dafür rund 2,5 Millionen Pfund Miete pro Jahr zahlen. Dafür ist die Zahl der Sitzplätze von 80.000 auf 60.000 reduziert worden. Die verbliebenen Sitze selbst sind ersetzt worden, damit die Zuschauer eine bessere Sicht aufs Spielfeld haben. Genau das soll einer der Gründe für die höheren Umbaukosten sein.

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