Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

31.07.2015

14:57 Uhr

Olympische Winterspiele in Peking

Milliardenversprechen schlagen Menschenrechte

VonMathias Peer

China als Supermacht: Peking wird die erste Stadt in der Olympia-Geschichte, die Sommer- und Winterspiele ausrichtet. Die Organisatoren versprechen hunderte Millionen neue Fans und einen gigantischen Absatzmarkt.

China jubelt

Peking darf offiziell Winterspiele 2022 ausrichten

China jubelt: Peking darf offiziell Winterspiele 2022 ausrichten

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

BangkokAm Ende ist es das Gesetz der großen Zahlen, das bei der Vergabe der Olympischen Winterspiele 2022 den Ausschlag gibt. Als Thomas Bach, der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) nach einem langem Sitzungstag in der malaysischen Hauptstadt Kuala Lumpur die Kandidatenstadt Peking zum Sieger des Auswahlverfahrens erklärte, bestätigte er damit die Vorahnung der Olympia-Analysten: Chinas vielversprechender Wachstumsmarkt zählt bei den IOC-Mitgliedern mehr als die schneereichen Bergwelten, mit denen der unterlegene Konkurrent Almaty aus Kasachstan ins Rennen ging.

Peking, das als erste Stadt in der Olympia-Geschichte nach Sommerspielen auch Winterspiele ausrichten wird, verspricht hunderte Millionen neuer Wintersportfans und einen lukrativen Sponsoringmarkt. Almaty, das damit warb, die kompletten Spiele in einem 35-Kilometer-Radius abhalten zu können, wirkte für die IOC-Mitglieder offenbar zu mickrig.

Dass sie vor allem mit Größe punkten können, war den Gesandten aus China bewusst: Mit entsprechender Symbolik stellten sie für ihre Abschlusspräsentation den 2,29 Meter großen Nationalhelden Yao Ming auf die Bühne. Der Athlet hat sich zwar nicht im Wintersport, sondern im Basketball einen Namen gemacht. Das schien Chinas PR-Strategen aber kaum zu stören: Für ihr Werbevideo zwängten sie den früheren NBA-Profi in Eishockey-Ausrüstung und ließen in bei einer Partie gegen kleine Kinder antreten.

Die Winterspiele in Peking

Sportstätten

Insgesamt neun Sportstätten sind vorgesehen. Sechs Wettkampfstätten in Peking, die für 2008 gebaut wurden, sollen für die Indoor-Veranstaltungen genutzt werden. Eröffnungs- und Schlussfeier sind im „Vogelnest“ vorgesehen. Eishockey soll in der einstigen Schwimmarena Ice Cube stattfinden. Die alpinen Skiwettbewerbe werden in Yanqing ausgetragen. Biathlon und die nordischen Wettbewerbe sind in Zhangjiakou vorgesehen.

Olympische Dörfer

3

Kosten

Das Budget für das Organisationskomitee beläuft sich auf rund 1,4 Milliarden Euro. Für die Infrastruktur wurden 1,38 Milliarden Euro veranschlagt. Dazu kommen aber noch die Kosten für den Schnellzug, der Peking mit den Austragungsstätten in Zhangjiakou und Yanqing verbindet.

Unterstützung

88 Prozent der Bürger Pekings hatten sich für Olympia ausgesprochen, in der gesamten chinesischen Bevölkerung lag laut einer IOC-Studie der Rückhalt bei 92 Prozent.

Kritik I

Die Wege nach Yanqing und ins 190 Kilometer entfernte Zhangjiakou sind zeitraubend. Bisher dauert die Autofahrt dorthin etwa vier Stunden. Ein Schnellzug soll die Fahrtzeit auf 70 Minuten reduzieren, erfordert aber ebenso wie die Entwicklung eines Wintersportgebiets einen Milliarden-Euro-Aufwand. Die Schaffung eines solchen Ressorts wird ohne Eingriffe in die Natur nicht möglich sein.

Kritik II

Ausgiebiger Schneefall ist selten, Kunstschnee ist notwendig. Dazu herrscht in Peking eine hohe Luftverschmutzung. Auch um die Menschenrechte ist es in China nicht gut bestellt.

Stärken

Peking hat 2008 bewiesen, dass es ein derartiges Event problemlos und bis ins kleinste Detail ausrichten kann. Finanzielle Probleme wird es nicht geben. Rund 300 Millionen Chinesen sollen durch Olympia Zugang zum Wintersportmarkt erhalten.

Die Größenunterschiede zum Gegner strich die chinesische Bewerbung durchgehend als ihr Markenzeichen heraus. „Wenn die Spiele in China stattfinden, wird das 1,3 Milliarden Menschen dazu bringen, sich mit Wintersport zu beschäftigten“, versprach Präsident Xi Jinping in einer Videobotschaft. Mit den großen Zahlen ging es dann weiter: Umgerechnet rund 1,1 Milliarden Euro an lokalen Sponsorengeldern habe das Land bereits bei den Sommerspielen 2008 einwerben können. Das Geschäft mit dem Sport wolle die Regierung im kommenden Jahrzehnt zudem zu einer über 700 Milliarden Euro großen Branche entwickeln. Die Summe entspräche in etwa dem gesamten Bruttoinlandsprodukt der Schweiz.

Liu Peng, Präsident von Chinas Olympischen Komitee, verkündete: „Das Wintersportfieber fegt über unsere Nation.“ 17 Eislaufbahnen gebe es bereits jetzt in Peking, eine Million Teenager trainiere den Sport bereits regelmäßig. Und während es vor 20 Jahren in ganz China noch nicht einmal zehn Ski-Gebiete gegeben habe, seien es jetzt bereits über 500. Zusätzlich warben die Chinesen mit ihrer Prognose, mit olympischer Hilfe 300 Millionen Menschen zusätzlich für den aktiven Wintersport gewinnen zu können.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×