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07.03.2014

16:42 Uhr

Paralympics-Boykott in Sotschi

Wichtiges Signal oder Feigenblatt?

VonThorsten Giersch, Désirée Linde

Ein Boykott der Paralympics wäre richtig, weil Sport längst schon Politik ist, sagt Autorin Désirée Linde. Er wäre das falsche Signal, denn Sport und Politik gehören getrennt, findet Thorsten Giersch. Ein Pro und Kontra.

Solche Bilder will der russische Präsident auch bei den Paralympics generieren: Wladimir Putin mit den Athleten Yekaterina Bobrova (links) und Yulia Lipnitskaya, Adelina Sotnikova (rechts) und Nikita Kriukov (hinten). dpa

Solche Bilder will der russische Präsident auch bei den Paralympics generieren: Wladimir Putin mit den Athleten Yekaterina Bobrova (links) und Yulia Lipnitskaya, Adelina Sotnikova (rechts) und Nikita Kriukov (hinten).

Pro Boykott: Flagge zeigen und wegbleiben!

An der Grenze zur Krim rollen Panzer. Soldaten, bewaffnet bis an die Zähne, stehen sich nur getrennt von Zäunen gegenüber. Die Krise am Schwarzen Meer bestimmt die weltweiten Nachrichten. Die Region gleicht einem Pulverfass, ist möglicherweise kurz vor der Explosion.

Und jetzt zum Sport. Vergessen wir all die düsteren Nachrichten und freuen uns an Goldmedaillen, Rekorden und feiern wir ein großes Sport-Fest zu Putins Ehren und von Putins Gnaden. So hätte es der russische Präsident gern. Nicht mal zwei Wochen nach dem Ende der Olympischen Spiele in Sotschi beginnen am gleichen Ort am Abend die Paralympischen Spiele. Eine der größten politischen Krisen auf dem europäischen Kontinent seit Jahrzehnten knapp 500 Kilometer entfernt blenden wir einfach aus.

Schon bei den Olympischen Spielen hatte es viele gute Gründe gegeben, sie zu boykottieren: Putin tritt die Menschenrechte in seinem Land mit Füßen. Er inhaftiert und begnadigt nach Gutdünken, lässt die Medien unterdrücken, lenkt die Justiz und lässt seine Polizei zuschauen, wenn homophobe Schläger Jagd auf Schwule und Lesben machen. Doch jetzt geht er weiter: Er schickt er sein Militär auf völkerrechtswidrige Mission Richtung Krim.

Handelsblatt-Autorin Désirée Linde

Handelsblatt-Autorin Désirée Linde

Zahleiche Politiker aus Nationen wie Deutschland, Großbritannien und den USA bleiben den Spielen fern. Doch ihr Protest allein wird verpuffen. Wirklich etwas bewegen würde nur, wenn auch die Sportler sich weigerten, an der gigantischen Putin-Show mitzuwirken. Und wenn die Zuschauer nicht einschalten würden.

Natürlich wäre es gerade für die Athleten, die jahrelang auf das Ereignis hintrainiert haben, ein großes Opfer. Aber es wäre es wert. So wären die Sportler bessere Vorbilder als sie es durch jede Medaille werden könnten. Sie würden sich und ihren Sport nicht mehr instrumentalisieren lassen. Sie würden Flagge zeigen gegen den Kriegstreiber Putin.

Nur weil Sportfunktionäre gebetsmühlenartig wiederholen, es ginge ihnen nur um den Sport und Politik habe damit nichts zu tun, wird diese Behauptung nicht richtiger. Längst die der Sport politisch, er war es schon als die Spiele nach Sotschi vergeben wurden. Natürlich geht es um knallharte ökonomische Interessen.

Anders als 1980, als viele Länder den Olympischen Spielen in Moskau aus Protest gegen den sowjetischen Einmarsch in Afghanistan fernblieben, würde ein Boykott vieler Nationenteams Putin schmerzen. Seine Bilder aus Sotschi wären getrübt. Auch für seine Landsleute an den Bildschirmen. Die braucht Putin aber mehr denn je.

Putin ist mehr und mehr auch von der öffentlichen Meinung abhängig, auch deshalb gibt er etwa den homophoben Tendenzen in der Bevölkerung nach. Das Machtgefüge in Russland heute ist ein völlig anderes als in der Sowjetunion zu Zeiten des Kalten Krieges. Brot und Spiele halten das Volk schön ruhig, so das Jahrtausend alte Kalkül. Es wäre an den Sportlern, dafür zu sorgen, dass diese Rechnung nicht mehr aufgeht.

(Désirée Linde)

Kommentare (1)

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07.03.2014, 17:53 Uhr

Die Olympischen Spiele sind eine Sportveranstaltung und keine politische Veranstaltung. Die Politiker können gerne zu Hause bleiben. Die Sportler haben nicht bestimmt, dass die Spiele in Sotschi stattfinden. Sie haben sich lange vorbereitet, viel Energie investiert, und sich die Chance bei den Paralympics dabei zu sein verdient. Warum sollten sie nun auf Grund einer politischen Entscheidung von "oben" (Leuten die dafür nichts investiert haben und auch nichts verlieren) darauf verzichten?

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