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14.03.2006

18:00 Uhr

Paralympics Paralympics

Protest-Frust trübt Freude über Gold-Dreierpack

Nach dem Jubel über das Gold im Dreierpack machte sich beim deutschen Paralympics-Team der Protest-Frust breit. Skirennläufer Gerd Gradwohl musste seine Goldmedaille im Super-G wenige Stunden nach seinem Sieg abgeben.

Der Protest-Frust machte die Jubelstimmung des deutschen Paralympics-Teams über das Gold im Dreierpack schnell wieder zunichte: Der alpine Skirennläufer Gerd Gradwohl musste seine Goldmedaille im Super-G nur wenige Stunden nach seinem Sieg am Dienstagmittag wieder abgeben und wurde disqualifiziert. Das Internationale Paralympische Komitee (IPC) gab einem Protest aus Italien, der Slowakei und Kanada statt, wonach der Abstand zwischen Gradwohl und seinem Begleitläufer Karl-Heinz Vachenauer im Zielhang mehr als die erlaubten zwei Schwünge betragen hatte.

Gegenprotest des deutschen Teams erfolglos

Nachdem der Gegenprotest des deutschen Teams erfolglos geblieben war, standen am Ende des vierten Wettkampftages noch zwei Goldmedaillen für die Mannschaft des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS) zu Buche: Die Münchnerin Verena Bentele sicherte sich nach Gold im 5-km-Langlauf auch den Sieg im Biathlon der Sehbehinderten über 7,5km und Monoskifahrer Martin Braxenthaler triumphierte im Super-G. Biathlet Josef Giesen verpasste zudem Gold nur um eine Sekunde und schraubte mit Silber in der stehenden Klasse die deutsche Bilanz auf fünf Gold, vier Silber und drei Bronze.

Tief enttäuscht musste dagegen der 46 Jahre alte Gradwohl sein zweites Gold nach dem Überraschungsgewinn in der Abfahrt am Sonntag wieder abgeben. "Ich bin sehr, sehr enttäuscht. Es ist erst zwischen dem vorletzten und letzten Tor passiert und hatte keinen Einfluss mehr, da mein Vorsprung groß genug war. Aber ich akzeptiere die Regel, sie macht durchaus Sinn", sagte Gradwohl und fügte hinzu: "Jetzt gehe ich umso motivierter in meine nächsten Rennen." Gold erhielt der Italiener Gianmaria Dal Maistro, Silber ging an Radomir Dudas aus der Slowakei vor Chris Williamson aus Kanada.

Sledge-Eishockey-Team im Halbfinale

Jubel herrschte trotz eines 0:0 im letzten Gruppenspiel gegen Japan auch beim deutschen Sledge-Eishockey-Team. Nach dem 2:1 zum Auftakt gegen Salt-Lake-Sieger USA und einem 4:0 gegen Schweden zog der Europameister bei seiner Paralympics-Premiere ungeschlagen ins Halbfinale ein und trifft dort am Donnerstag auf Norwegen oder Kanada.

Verena Bentele aus München brachte sich nach Gold im 5-km-Langlauf am Dienstag mit fünf Schießfehlern mal wieder selbst in Bedrängnis und rettete den Sieg nach 7,5km dank einer grandiosen Laufleistung. "Das hat richtig wehgetan, ich musste bis zum bitteren Ende kämpfen. Am Schießstand war ich einfach im Kopf blockiert, weil ich so hohe Erwartungen hatte."

Braxenthaler nur auf Platz zwölf

Die Erwartungen hatte der Traunsteiner Fahnenträger Martin Braxenthaler zum Auftakt der Paralympics nicht ganz erfüllt. In der Abfahrt landete er lediglich auf dem 12. Platz. "Mit Wut im Bauch bin ich deshalb nicht gefahren. Ich habe alles genau analysiert und hatte im Super-G einen super Lauf. Ich habe nur wenige kleine Fehler gemacht", erklärte Braxenthaler und fügte hinzu: "Meine Spezialdisziplinen kommen erst noch."

Den zweiten Platz auf dem Treppchen für die Biathleten holte am Dienstag der Contergan-Geschädigte Josef Giesen. Nur eine Sekunde lag der 44-Jährige am Ende hinter Rustam Garifullin aus Russland. "Das ist mir völlig egal. Ich bin so happy über Silber", sagte Giesen, der die Medaille seinem vor vier Wochen gestorbenen Vater widmete.

© SID

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