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21.02.2015

16:10 Uhr

Partnerschaft mit NHL

SAP bringt US-Hockey in die Wolke

VonAxel Postinett

98 Jahre Eishockey auf einen Klick: Mit einer neuen Superdatenbank bereitet sich die NHL auf die digitale Zukunft vor. Eine Informationsflut, die nicht jeden erfreuen, aber manche reich machen wird. Ein Profiteur: SAP.

Im Stadion der San Jose Haie findet am Samstagabend das Eishockeyspiel gegen die Los Angeles Kings statt. AFP

Das Levi's Stadion in San Jose

Im Stadion der San Jose Haie findet am Samstagabend das Eishockeyspiel gegen die Los Angeles Kings statt.

San JoseNoch schützen dicke Isolierfolien das kostbare Eis vor der kalifornischen Sonne. Der Umbau des riesigen Levi's-Stadion in San Jose von der Football- zur Open-Air-Eisarena ist bei fast 18 Grad Celsius im Schatten am Freitag fast abgeschlossen. Rund 70.000 Fans werden in dem 1,3 Milliarden Dollar teuren Stadion am Samstag erwartet, wenn sich hier erstmals zwei Eishockey-Teams gegenüberstehen. Die San Jose Sharks treffen auf die Los Angeles Kings. Das ist ein Klassiker und verspricht spannend zu werden wie selten zuvor. Nach enttäuschendem Start starteten die Kings völlig überraschend durch und liegen nach sechs Siegen in Folge fast gleichauf in Punkten mit den Sharks.

Den Fans ist klar: Am Samstag ab 19 Uhr Ortszeit (Sonntag 4 Uhr deutscher Zeit) werden sich beide Teams von der ersten Sekunde an nichts schenken. Für Eintrittspreise zwischen 80 und 300 Dollar erwartet die Eishockey-Fans ein dreistündiges Fan-Fest mit Live-Musik, Spielbuden, Fan-Shops, Familienunterhaltung und Essensständen, das schon weit vor dem Spiel beginnt. Eishockey ist ein Riesengeschäft in den USA, und die Liga NHL hält die Fäden fest in der Hand. Die Arena ist ausverkauft, meldet die Liga. Der bisherige Rekord für ein Eishockeyspiel liegt bei 105.491 Zuschauern bei einem Spiel der Detroit Red Wings gegen die Toronto Maple Leafs in Ann Arbor, Michigan. Zum Vergleich: Den Europarekord hält Düsseldorf mit 51.125 Fans beim Lokalderby Düsseldorfer EG gegen Kölner Haie.

Solche Arenen zu füllen, hat nichts mehr mit den beschaulichen Eishallen der Vergangenheit zu tun. Die Fans sind das A und O, sie zahlen für Tickets, Fanartikel und sind die Basis für lukrative TV-Verträge in den USA und Kanada. Der NHL-Ligaumsatz in der laufenden Saison wird nach Schätzungen deutlich über vier Milliarden Dollar liegen, Forbes setzt den Wert der Teams der LA Kings auf 580 Millionen Dollar an und den der SJ Sharks auf 425 Millionen Dollar. Alleine die zehn bestbezahlten Spieler verdienen zusammen 121 Millionen Dollar. Pro Jahr.

Deutsche Titelgewinner im US-Sport

Die großen Vier

In Amerika sind Baseball, Basketball, Eishockey und Football die wichtigsten Sportarten. Nur selten triumphieren dort Deutsche in den wichtigsten Wettbewerben, aber einigen ist es doch gelungen.

Football (NFL)

Sebastian Vollmer (New England Patriots/2015)

Basketball (NBA)

Dirk Nowitzki (Dallas Mavericks/2011)

Eishockey (NHL)

Dennis Seidenberg (Boston Bruins/2011)
Uwe Krupp (Colorado Avalanche/1996)

Baseball (MLB)

Bislang kein deutscher Gewinner

Die Fans gilt es nicht nur bei Laune zu halten, sondern die Popularität des Sports muss mit den Hallengrößen steigen. Und während draußen die Arbeiter letzte Hand an Eisfläche und Dekoration anlegen, sitzt NHL-Chef Gary Bettman im SAP-Tower des Levi's Stadions und erklärt, wie er das machen will.

Die Webseite der Liga wird vom statischen Zahlenfriedhof zur interaktiven Superdatenbank mit interaktiven Analyse- und Filter-Werkzeugen umgebaut. Das Projekt ist auf mehrere Jahre angelegt. Der erste Schritt ist der Start der neuen Statistikplattform www.nhl.com/stats, die bereits unter „enhanced statistics“ eine detailgenaue Analyse von der Teamebene über die Spielebene bis herunter zu einzelnen Spielern ermöglicht. Bestimmte „Milestones“ einzelner Spieler sind nachzuverfolgen, ob sie gesteckte Ziele erreicht haben oder nicht. Am Ende soll der Vergleich von Spielern und Teams mit aktuellen und historischen Gegnern stehen. Spielekarten und Aufzeichnungen bis 1917 zurück werden dafür digitalisiert. „Die Fans sind begierig nach Informationen.“

Das beschert dem deutschen IT-Spezialisten SAP einen neuen Auftrag. Für SAP ist es nach Verträgen mit der National Football League (NFL) und dem Basketballverband NBA die dritte große Kooperation mit einem Sportverband in den USA. Für Quentin Clark, Technik-Vorstand bei SAP ist es eine seltene Gelegenheit, SAP bei Menschen außerhalb von Unternehmens-IT oder Geschäftskunden bekannt zu machen. „Wann kann man schon mal 100 Millionen Menschen erreichen?“, erklärt er gegenüber Handelsblatt Online. Eindruck will er aber auch ei den Stammkunden, den Unternehmen machen. „Wir können so zeigen, was man mit Hana machen kann.“ Hana ist die zugrundeliegende Technik, eine riesige Datenbank, bei der alle Inhalte direkt im Arbeitsspeicher gehalten werden. Dadurch ist eine Verarbeitung und Analyse ohne Verzögerung bei hoher Flexibilität möglich. Und wenn Big Data spielerisch beim Eishockey Sinn macht, kann auch in anderen Branchen nicht falsch sein, so die Hoffnung.

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