Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

20.08.2015

11:23 Uhr

Pferdesport

Mit einer Spezialweste durch die EM

Im Juni hatte sich Meredith Michaels-Beerbaum das Schlüsselbein gebrochen. An eine EM-Teilnahme in Aachen war nicht zu denken. Doch mit Willenskraft und einer Spezialweste beißt sich Michaels-Beerbaum in den Wettkampf.

Die Springreiterin hat sich das Schlüsselbein gebrochen und kann derzeit nur mit einer Spezialweste reiten. AFP

Meredith Michaels-Beerbaum

Die Springreiterin hat sich das Schlüsselbein gebrochen und kann derzeit nur mit einer Spezialweste reiten.

AachenJetzt zeigt sie wieder ihr schönstes Lachen. Anfang Juni war daran nicht zu denken. Der Traum von der Europameisterschaft in Aachen schien für Meredith Michaels-Beerbaum beendet. Die 45 Jahre alte Springreiterin brach sich bei einem Trainingsunfall im heimischen Thedinghausen das rechte Schlüsselbein, noch am gleichen Abend wurde sie operiert.

Dass die gebürtige US-Amerikanerin trotzdem zum deutschen Team in Aachen gehört, hat sie ihrer Zähigkeit zu verdanken und einer Erfindung von Manfred Giensch. Der Mediziner, der die deutschen Reiter betreut, hat eine spezielle Weste erfunden. Mit seiner Konstruktion aus Neopren können Reiter früher als sonst üblich nach Verletzungen wieder in den Sattel steigen.

Bei Michaels-Beerbaum ging es besonders schnell. „Sie ist eine sehr motivierte Frau“, sagte der Chirurg, dessen vor rund neun Jahren entwickelte Spezialweste auch schon anderen Reitern geholfen hat. Giensch gibt aber zu: „Ein Restrisiko gibt es immer.“ Anfangs ist die Bewegungsfähigkeit eingeschränkt, das ist schließlich Sinn der Konstruktion, um die operierte Schulter zu schonen.

„Ich hatte nicht gedacht, dass ich so schnell wieder in den Sattel komme“, sagte die Reiterin. Knapp drei Wochen nach dem Sturz begann sie schon wieder zu trainieren, ritt zunächst auf einem kleinen nationalen Turnier und schaffte bei den Nationenpreisen in Mannheim und Hickstead doch noch die Qualifikation für das EM-Quartett.

Die Karriere des Millionenpferdes Totilas

August 2010

Der erst zehn Jahre alte Rapphengst Totilas räumt bei der Reit-WM in Kentucky/USA unter seinem niederländischen Reiter Edward Gal alle Titel ab und gilt dank seines Potenzials und seiner Ausstrahlung fortan als „Wunderpferd“.

Oktober 2010

Europas größter Pferdehändler Paul Schockemöhle kauft den Hengst für die geschätzte Rekordsumme von zehn Millionen Euro. Reiter wird Matthias Rath, dessen Familie um Stiefmutter Ann Kathrin Linsenhoff fünf Millionen Euro für die Sportrechte bezahlt haben soll.

Dezember 2010

Die Vermarktung des Millionenhengstes läuft an. Kaffeetassen, Schals und Futternäpfe mit dem Konterfei des Tieres werden produziert. Totilas erhält eine eigene Internetseite, wird zum „Michael Jackson der Dressur“.

August 2011

Ein erster Dämpfer: Rath und Totilas holen bei der EM nur Mannschafts-Silber. Im Einzel bleibt dem Duo die Medaille verwehrt. Erste Kritik kommt auf.

Juni 2012

Rath erkrankt am Pfeifferschen Drüsenfieber, muss seinen Olympiastart in London absagen.

Dezember 2012

Die Staatsanwaltschaft Frankfurt/Main nimmt Ermittlungen auf, nachdem die Tierschutz-Organisation PETA Anzeige gegen Rath erstattet hat. Im Training soll der Reiter die verbotene Rollkur angewandt haben. Später werden die Ermittlungen eingestellt.

März 2013

Totilas verletzt sich beim Deckeinsatz. Das Jahr ist gelaufen.

Mai 2014

Rath und Totilas feiern beim CHIO ein glänzendes Comeback, bringen der britischen Olympiasiegerin Charlotte Dujardin mit Valegro die bis heute letzte Niederlage bei.

August 2014

Totilas verletzt sich am Überbein, das Paar kann nicht zur WM nach Caen/Frankreich. Das Jahr ist wieder gelaufen.

Juni 2015

Das Paar feiert beim Nationenpreis-Turnier in Hagen a.T.W. ein beeindruckendes Comeback und wird für die Heim-EM in Aachen (12. bis 16. August) nominiert.

August 2015

Totilas wird beim Mannschaftswettbewerb der EM in Aachen relativ schlecht benotet. Anschließend ist die EM für das Pferd beendet. Wegen einer Verletzung kann der 15 Jahre alte Hengst die Prüfungen in der Einzelwertung danach nicht mehr absolvieren. Wenige Tage später wird sein Karriereende bekannt gegeben.

„Die Weste hat geholfen, Sicherheit zu bekommen, damit man keine falsche Bewegung macht“, erklärte die Einzel-Europameisterin von 2007. Inzwischen reitet Michaels-Beerbaum ohne die Spezialanfertigung von Giensch.

Der Sturz und die Operation sind fast vergessen. „Ich merke es nur noch beim Schlafen“, erklärte die Reiterin: „Tagsüber spüre ich nichts, da vergesse ich das. Auch die Narbe verheilt gut. Ich fühle mich wieder wohl.“

Wie knapp es war, sieht man ihrem Auftritt nicht an. Souverän steuerte die zierliche Reiterin den mächtigen Fibonacci im Zeitspringen über den Kurs von Aachen. „Er hat unheimliches Sprungvermögen“, lobte Michaels-Beerbaum den großen Schimmel aus schwedischer Zucht.

Kein Vergleich zu dem schmaleren und schnelleren Shutterfly, dem die dreimalige Weltcupsiegerin ihre größten Erfolge zu verdanken hat. „Jemanden mit Shutterfly zu vergleichen ist schwer“, sagte sie: „Da steht jedes Pferd im Schatten.“

Von

dpa

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×