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10.07.2015

17:51 Uhr

Pferdesport

Totilas-Comeback ist geglückt

Das Dressurpferd Totilas hat ein viel beachtetes und siegreiches Comeback abgeliefert. Nach fast einjähriger Pause bot Matthias Rath mit dem Hengst eine überzeugende Vorstellung. Er darf auf die EM-Teilnahme hoffen.

Alexander Rath auf Totilas. So schweigsam sich Rath vor der Wettkampf-Rückkehr gezeigt hatte, so entspannt war er danach. dpa

Nationenpreis-Turnier

Alexander Rath auf Totilas. So schweigsam sich Rath vor der Wettkampf-Rückkehr gezeigt hatte, so entspannt war er danach.

Hagen/OsnabrückSchon beim letzten Training vor dem langersehnten Comeback lockte Totilas Fans und Medien. Bei der Vorbereitung des berühmtesten Dressurpferdes der Welt sahen auf dem Abreiteplatz mehr Menschen zu als beim zeitgleichen Ritt der Mannschafts-Olympiasiegerin Laura Tomlinson. Kurz danach strömten die Massen ins Reitstadion von Hagen bei Osnabrück und erlebten einen starken Auftritt nach 356 Tagen Pause - und danach einen befreit lächelnden Reiter.

„Es war schön, wieder eine Prüfung zu reiten“, kommentierte der 30 Jahre alte Reiter aus Kronberg vergnügt seine Rückkehr in den Wettkampf, schon lange bevor sein Sieg feststand. „Insgesamt bin ich sehr zufrieden. Es waren viele gute Sachen drin. Wir wissen, dass wir an dem ein oder anderen noch arbeiten müssen.“

Wunderpferd Totilas

Dressurpferd

Der einstige Jahrhundert-Hengst Totilas hat 2010 unter dem Niederländer Edward Gal sämtliche WM-Titel gewonnen. Danach wurde das Dressurpferd für zehn Millionen Euro an Paul Schockemöhle verkauft – Rekordwert. Totilas sollte danach der Popstar des Reitsports werden.

Quellen: dpa, sid

Zweijährige Pause

Totilas hat in den letzten zwei Jahren pausiert. Seit dem Comeback im Mai gab es für Totilas und seinen neuen Reiter Matthias Rath sechs Siege bei sechs Starts. In Aachen siegte Totilas zudem im Einzel und mit der Mannschaft.

Alter

Das Dressurpferd ist mittlerweile 14 Jahre alt. Ist es noch zu Höchstleistungen fähig? Reiter Rath: "Es hat auch schon Pferde gegeben, die mit 17, 18 oder 19 Jahren im Viereck noch Topleistungen gebracht haben. Dementsprechend sollte das reine Alter kein Problem sein.“

Vermarktung

Tassen und T-Shirts gab es schon, bevor der Reiter Matthias Rath überhaupt das erste Mal mit dem Dressurhengst Totilas zum Wettkampf eingeritten ist. Etwas voreilig lief die große Vermarktungs-Maschinerie für das teuerste Dressurpferd der Welt an. Das war 2011.

Zurückhaltung

Knapp drei Jahre später, gibt es keinen eigenen Totilas-Stand beim Chio in Aachen mehr. „Wir waren schon ausverkauft“, antwortet Michael Mronz augenzwinkernd auf die Frage nach dem Warum. Mronz hatte sich mit seiner Agentur MMP die Markenrechte gesichert und eine für den Pferdesport beispiellose Marketing-Kampagne angekurbelt.

Gelernt

„Wenn man etwas macht, gehört auch dazu, dass man auch Dinge macht, aus denen man lernt“, sagt der Vermarkter Mronz. Dass die Investitionen in Tassen, T-Shirts und anderen Totilas-Schnickschnack höher waren als die Gewinne, das lässt sich nur vermuten.

Stillstand

Der Vermarkter gibt zu: „Natürlich lässt sich darüber diskutieren, ob es sinnvoll war, eine Merchandising-Kollektion direkt am Anfang aufzulegen.“ Ob es irgendwann wieder Tassen und T-Shirts mit dem bekanntesten Dressurpferd der Welt geben wird, lässt er offen.

Internet

Auf seiner eigenen Internetseite hat sich das einstige Wunderpferd seit knapp zwei Jahren nicht mehr gemeldet. Dabei gäbe es doch über das wundersame Comeback und die lange Leidenszeit viel zu erzählen.

Bescheidenheit

Rath ist ohnehin der Zurückhaltendste im Totilas-Umfeld. Er ist aber noch vorsichtiger geworden. Obwohl der 29-Jährige aus Kronberg Totilas nach der langen Pause besser und lockerer reitet als in der ersten Phase nach dem Kauf des Pferdes, scheint er seine Lektionen gelernt zu haben. „Wir wissen gerade aus der Vergangenheit, dass es schnell hin und hergehen kann“, sagt der Totilas-Reiter. Da ist es im Zweifelsfall besser, auch mal zu schweigen.

Auch die Richter waren zufrieden und gaben dem Paar für den überzeugenden Grand Prix 80,36 Prozentpunkte. Damit siegte das Duo souverän. Auf den Plätzen zwei und drei folgten mit deutlichem Abstand Anabel Balkenhol (Rosendahl) auf Dablino (76,34) und Fabienne Lütkemeier (Paderborn) auf D'Agostino (74,34).

So schweigsam sich Rath vor der Wettkampf-Rückkehr gezeigt hatte, so entspannt war er danach. „Dass beim ersten Mal die Anspannung ein bisschen größer ist als bei den Prüfungen danach, weil es eine lange Pause war, ist wohl normal“, sagte er. Seit Rath das Pferd 2010 übernommen hat, gab es immer wieder lange Verletzungspausen und entsprechend viele Neustarts. „Insgesamt kenne ich die Situation ja“, sagte Rath grinsend.

Welches Potenzial der Rapphengst besitzt, wenn er gesund ist, demonstrierte er eindrucksvoll. „Ich bin sehr zufrieden“, lobte Paul Schockemöhle, der den Hengst vor fünf Jahren für geschätzte zehn Millionen Euro in den Niederlanden gekauft hatte.

„Er war fast besser als letztes Jahr“, sagte der Pferdehändler. Beim CHIO vor zwölf Monaten hatte Rath mit dem Hengst zwei Prüfungen gewonnen, ehe er vorzeitig abgereist war. Anschließend verpassten Rath und Totilas wegen einer erneuten Verletzung des Pferdes die Teilnahme an der Weltmeisterschaft und waren ein knappes Jahr nicht zu sehen

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