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11.07.2012

13:45 Uhr

Planung unter Zeitdruck

Alpecins großer Traum vom Radrennstall

Zwei Jahre nach dem Aus des Milram.Rennstalls soll wieder ein deutsches Team die Tour de France bereichern. Shampoo-Hersteller Alpecin will richtig Geld in die Hand nehmen - und setzt auf wohlbekannte Namen.

Alpecin ist schon jetzt im Breitensport aktiv, ein Profi-Team soll folgen. Werbefigur Jan Ulreich (2.v.l.) wird dann nicht mehr dabei sein. Er kümmert sich zum Beispiel mit Ole Ternes, Organisator, Vertriebsleiter Jörn Harguth und Breitensport-Teamleiter Jörg Ludewig und das Jedermannrennen „Alpecin Days“. dpa

Alpecin ist schon jetzt im Breitensport aktiv, ein Profi-Team soll folgen. Werbefigur Jan Ulreich (2.v.l.) wird dann nicht mehr dabei sein. Er kümmert sich zum Beispiel mit Ole Ternes, Organisator, Vertriebsleiter Jörn Harguth und Breitensport-Teamleiter Jörg Ludewig und das Jedermannrennen „Alpecin Days“.

Reims/BielefeldEigentlich ist es eine frohe Botschaft für die deutschen Radfans, aber die Skepsis überwiegt: Zwei Jahre nach dem Rückzug von Milram soll es 2013 wieder ein deutsches Team in der Eliteliga geben. Die Bielefelder Pharma- und Kosmetik-Marke Alpecin und der US-Radhersteller Trek wollen es gemeinsam versuchen. Viele Experten aus der Radsport-Szene bestätigen die ehrgeizigen Bestrebungen, offizielle Stellungnahmen des Unternehmens gibt es dafür noch nicht. Rund acht Millionen Euro pro Saison wären nötig, um das Projekt auf solide Beine zu stellen. „Ich wäre für alle Angebote offen“, erklärte Routinier Danilo Hondo, dessen Vertrag zum Saisonende ausläuft, am Start der 2. Tour-Etappe am Montag in Visé.

Großzügig gerechnet wird im Unternehmen schon länger, auch wenn die Zeit für den Lizenz-Antrag des neuen Alpecin-Radteams immer knapper wird. Ein Jahresetat von „13 bis 20 Millionen Euro“ seien angedacht, verkündete Jörn Harguth, der Vertriebsleiter der Pharma- und Kosmetikmarke am Firmensitz in Bielefeld. „Wenn man die ProTour in drei Kategorien einteilt, müsste man für ein erstklassiges Team schon 13 bis 20 Millionen Euro rechnen. Das Mittelfeld liegt bei zehn Millionen - aber Mittelfeld ist nie erstrebenswert“, sagte Harguth der Nachrichtenagentur dpa.

Kennzahlen der Tour

Die Strecke 2012

Auf 20 Etappen und dem Prolog werden insgesamt 3.497 Kilometer gefahren. Es gibt 37 Start- bzw. Ankunftsorte. 765 Städte und Dörfer werden insgesamt in drei Ländern durchquert (695 in Frankreich, 52 in Belgien, 18 in der Schweiz).

Medizinischer Service

Während der Tour sind zehn Notärzte, eine Narkoseschwester, sieben Krankenwagen, zwei Notarztwagen und ein Motorrad im Einsatz.

Sicherheit

47 Motorradpolizisten sind im Einsatz, dazu 13 Beamte, die den permanenten Polizeiausschuss bilden. An den Strecken werden insgesamt 23.000 lokale Einsatzkräfte mobilisiert.

Medien

2011 waren 2.300 Medienvertreter von 700 verschiedenen Parteien akkreditiert. Darunter befanden sich 320 Zeitungen, Nachrichtenagenturen und Website, 100 TV-Sender, 80 Fotoagenturen und 70 Radiostationen. Die Fernsehbilder werden in 190 Länder übertragen, neu dabei sind 2012 Albanien, Kanada und die Mongolei. 2011 gab es weltweit 4.700 Stunden Berichterstattung und 3,5 Milliarden Zuschauer.

Sponsoren

Es gibt 43 Partnerunternehmen, davon sechs neue. Eine Auswahl: Vier sind so genannte Club-Partner, neun offizielle Partner, 14 offizielle Lieferanten, sieben technische Partner und fünf offizielle Unterstützer.

Zuschauer vor Ort

Rund 12 Millionen Zuschauer werden sich das Spektakel vor Ort ansehen, davon sind 65 Prozent männlich, 55 Prozent unter 50 und 80 Prozent aus Frankreich. 38 Nationalitäten sind vertreten - und 95 Prozent der Zuschauer kommen nicht allein.

„Konkrete Entscheidungen“ für einen Profi-Rennstall gebe es zwar noch nicht. Aber würden die Vorstellungen umgesetzt, spielte die neue Formation zumindest finanziell in einer Liga mit den Topteams RadioShack-Nissan (Luxemburg) oder Sky (Großbritannien) spielen. Bislang ist Alpecin im Breitensport tätig

Bei der laufenden Tour de France war durchgesickert, dass der US-Fahrradrahmen-Hersteller Trek und Alpecin zwei Jahre nach dem Milram-Aus wieder ein deutsches Eliteteam auf die Beine stellen wollen. Die Galionsfiguren sollen die Luxemburger Profis Andy und Frank Schleck, die Routiniers Jens Voigt und Linus Gerdemann sowie als Sportchef Kim Andersen sein. Der Däne war zu aktiven Zeiten als erster Profi lebenslang wegen Dopings gesperrt worden. Allerdings ist derzeit auch noch gar nicht klar, ob Trek als Ausrüster wirklich einsteigt - eine Alternative gäbe es bislang nicht.

Der Zeitdruck und die ungeklärte Lage der noch bis 2014 laufenden Schleck-Verträge bei RadioShack-Nissan machen die sofortige Umsetzung der Bielefelder Pläne schwierig. „Es muss schnell gehen. Bis September müssen die ersten Unterlagen, Fahrer-Verträge, Finanzpläne etc. eingereicht werden“, hatte vor Tagen schon Weltverbandspräsident Pat McQuaid angemerkt. Der Ire wäre übrigens glühender Fan eines neuen deutschen Erstliga-Teams: „Das würde mich freuen“.

Kommentare (1)

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HansKlemm

12.02.2013, 11:44 Uhr

Das Vorhaben ist eine heiße Nummer!Um nicht falsch verstanden zu werden, würde ich den Werbefachleuten dieser Firma wärmstens empfehlen, die Anwendung ihres Produktes nicht mehr mit dem Wort "Doping" in Verbindung zu bringen!
Für den sportlichen Neubeginn könnte das falsch verstanden werden.
Der spanische Frauenarzt(!) Fuentes versucht gerade vor einem Gericht in Madrid, sich an ehemalige Patienten (Kunden)zu erinnern, die mit einigen "Sonderbehandlungen" z.B. als pfeilschnelle "Berg-Radfahrer" vor Jahren seine Praxis wieder verlassen haben und für tolle Siege und vordere Platzierungen (vorübergehend) geehrt wurden.....

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