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03.10.2014

17:17 Uhr

Poker-Kolumne (2)

Ab zum Friseur

VonAnne Hansen

Bei Pokern ist ein klar definiertes Image mindestens so viel wert wie gute Karten. Aber bei mir nicht: Ich habe ein großes Imageproblem. Denn ich habe keines. Und das ist gerade bei diesem Spiel wirklich ein Problem.

Poker-„Queen“ Anne Hansen: Die Journalistin taucht ein ins Poker-Business und schreibt einmal in der Woche in ihrer Poker-Kolumne über das Glücksspiel und das wahre Leben und über ihre Erfahrungen mit Profis und Prominenten.

Poker-„Queen“ Anne Hansen: Die Journalistin taucht ein ins Poker-Business und schreibt einmal in der Woche in ihrer Poker-Kolumne über das Glücksspiel und das wahre Leben und über ihre Erfahrungen mit Profis und Prominenten.

Vor Jahren habe ich einmal an einem Selbsterfahrungsseminar teilgenommen. Eine Übung bestand darin, sich gegenseitig zu sagen, wie man den anderen wahrnimmt. Meiner Freundin sagte ein Lehrer aus Baden-Württemberg, dass er bei ihr ganz viel Licht sehe, ihre Aura goldfarben schimmert und sie ihn an einen Bergkristall erinnere. Sie zehrt noch heute davon und denkt in schlechten Momenten an das Licht aus Baden-Württemberg.

Mein Gegenüber war wahrscheinlich die einzige nicht-esoterische Person in diesem Seminar. Die Frau sah mich an, sagte „nett“ und fragte dann, ob wir die Übung abkürzen können, weil sie unglaublich nötig auf die Toilette müsse.

Jüngst hatte ich ein Déja-Vu. Im Casino am Alexanderplatz kam ich mit anderen Spielern auf das Thema Image. Ich fragte einen Mitspieler, wie wie er mich am Tisch wahrnimmt. Zugegeben, die Chancen standen von vornherein wohl eher schlecht, dass er mich mit einem Bergkristall vergleichen würde. Aber was kam, enttäuschte mich dann doch ein wenig. Er sah mich an und sagte: „Schwer zu sagen.“

Pokern: Was Sie dabei lernen können

Tipp 1

Gehen Sie morgen zum Friseur und lassen sich einen Irokesenschnitt verpassen. Kleiner Scherz. Aber arbeiten Sie an Ihrem Image und sorgen Sie dafür, dass andere genau wissen, was sie von Ihnen zu halten haben. Klarheit darüber sorgt für eine bessere Kommunikation.

Tipp 2

Studieren Sie Ihr Gegenüber bis ins kleinste Detail. Schlechte Spieler spielen nur ihre Karten und nicht ihren Gegner. Dabei trifft man bessere Entscheidungen, wenn man die gewonnenen Informationen verarbeitet.

Tipp 3

Beobachten Sie aber auch sich selbst. Erfahrene Spieler analysieren sich selbst permanent und ziehen daraus Schlüsse, wie sie sich in Zukunft in einer ähnlichen Situation besser verhalten können. Seien Sie kritischer mit sich selbst als es jemand anderes jemals sein könnte.

Tipp 4

Seh' ich gut aus? Egal! Lassen Sie ihr Ego zu Hause, denn wer sich von Emotionen leiten lässt, trifft selten gute Entscheidungen.

Er zuckte ratlos mit den Schultern. Das „schwer zu sagen“ war leider kein „Du-bist-undurchschaubar-und-wir-wissen-alle-nicht-weiter-und-sind-verzweifelt-du-geniale-Über-Spielerin“, sondern ganz klar ein „Schwer-zu-sagen-weiß-nicht.“

Wenn ich ihn noch weiter gelöchert hätte, hätte er sicher auch noch „nett“ gesagt. Kurz: In einem Spiel, in dem ein klar definiertes Image mindestens so viel wert ist wie gute Karten, war ich mal wieder ganz vorne mit dabei. Katastrophe.

Der Mensch braucht Studien zufolge sieben Sekunden, um einen anderen zu beurteilen. Der Pokerspieler schafft es in fünf. Ach was, einer Sekunde. Und meistens sind die Schlüsse, die man vom äußeren Erscheinungsbild auf die Spielweise zieht, gar nicht so falsch.

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