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17.10.2014

12:58 Uhr

Poker-Kolumne (4)

Wie Profi-Spieler immer gewinnen

VonAnne Hansen

Die Professionalisierung ist nicht aufzuhalten. Am Pokertisch versammeln sich sich nicht nur Zocker und Menschenkenner, sondern auch Mathe-Cracks. Doch die Informatiker sind nicht an allem schuld.

Die Sängerin Toni Braxton auf einem Pokerturnier. Die Branche schmückt sich gern mit Prominenten. ap

Die Sängerin Toni Braxton auf einem Pokerturnier. Die Branche schmückt sich gern mit Prominenten.

An dieser Stelle sollte eigentlich ein offener Brief an alle Informatiker stehen. Denn machen wir uns nichts vor: Informatiker machen jeden normalsterblichen Pokerspieler wahnsinnig. Sie sitzen am Tisch und sagen Dinge wie: „Ich musste callen. Die Pot Odds waren mit 1 zu 4,22 einfach zu gut.“

Oder: „Runner Runner Straight ergibt sich zu 1,5 Prozent. Die Implied Odds geben das nun echt nicht her.“ Dann schauen sie dich mit diesem Blick an. Diesem Blick, der beides vereint – Unschuld und Mitleid. So nach dem Motto: „Du bist nicht in der Lage, alle Wahrscheinlichkeiten in einer Tausendstelsekunde auszurechnen? Du armes, armes Ding, du.“

Aber soll ich Ihnen was sagen? Informatiker sind gar nicht das Problem. Ich habe inzwischen das dumme Gefühl, dass das Berechnen von Wahrscheinlichkeiten heutzutage so selbstverständlich ist, wie Telefone ohne Wählscheiben.

Pokern: Was Sie dabei lernen können

Langfristig ...

Gute Pokerspieler denken langfristig. Denn kurzfristig können auch schwache Spieler gewinnen und starke Spieler verlieren.

... denken

Auch in einem Unternehmen führt nur langfristiges Handeln und Denken zum Erfolg. Kurzfristige Gewinne suggerieren zwar Wachstum, doch langfristige Konstanz ist die Grundlage für jede Entwicklung.

Entscheidungen zählen, ...

Damit verbunden ist auch der zweite Grundsatz eines jeden Spielers: Man darf nicht in Ergebnissen denken, sondern in Entscheidungen. Ein Spieler, der kurzfristig denkt, will lieber seinen Gewinn schützen als die Hand korrekt zu spielen. Das macht auf die Dauer aber keinen Sinn.

... nicht Ergebnisse

Natürlich kann es passieren, dass Sie kurzfristig Verlust machen, obwohl sie in der jeweiligen Situation bestmöglich gespielt haben. Das sollten Sie in Kauf nehmen, denn nur korrekte Entscheidungen sind auf Dauer profitabel.

Was gesetzt wird, ...

Riskieren Sie nur Geld, das Sie entbehren können. Wer in einem Turnier die Hälfte seiner Bankroll setzt – also das Geld, das er insgesamt zum Spielen hat – ist nicht nur wahnsinnig, sondern auch dumm.

... muss entbehrlich sein

Denn sobald man anfängt, sich ans Geld zu klammern, trifft man nicht mehr die richtigen Entscheidungen. Sie werden anfangen, ängstlich zu spielen und nicht mehr alles riskieren, obwohl es korrekt wäre. "Ängstliches Geld kann nicht gewinnen", sagen Ian Taylor und Matthew Hilger, Pokerprofis aus den USA.

Ob blasse, dünne Jungs, dicke Männer mit Rauschebart, zwielichtige Gestalten mit falscher Rolex oder auch normalsterbliche Gelegenheitsspieler – alle sitzen sie da und machen aus diesem harmlosen Kartenspiel – manche nennen Texas Hold'em auch Dumpfbackenpoker, weil man es so schnell lernen kann – eine mathematisch hochkomplexe Wissenschaft.

Ich muss den Tatsachen wohl oder übel ins Auge sehen: Ich habe meine Pokerleidenschaft auf dem Höhepunkt der Professionalisierung entdeckt. Wahrscheinlich bin ich einfach zwanzig Jahre zu spät. Damals hätte man vielleicht mit meiner Spielweise – „Ich hab jetzt einfach ein richtig gutes Bauchgefühl und gehe verdammt nochmal mit“ – noch etwas reißen können. Aber heute? Hoffnungslos verloren.

Wenn man noch dazu hört, wie sich Profis auf ein Spiel vorbereiten, möchte man am liebsten Loriot zitieren und fragen: „Kennen Sie Schnipp Schnapp?“

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