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24.10.2014

11:23 Uhr

Poker-Kolumne (5)

Ein Albtraum an der Themse

VonAnne Hansen

Da kommt es einmal drauf an und prompt lassen unsere Poker-Kolumnistin die Karten im Stich. So ein Pech! Bei der European Poker Tour in London erlebte sie ihr Waterloo. Wie es dazu kam.

Die European Poker Tour - dieses Jahr in London. Im Bild ist allerdings nicht die Autorin, sondern S andra Naujoks. picture alliance / dpa / dpa

Die European Poker Tour - dieses Jahr in London. Im Bild ist allerdings nicht die Autorin, sondern Sandra Naujoks.

Ich war so gut vorbereitet wie noch nie: Ich hatte mich mehrere Male im Casino in Berlin gegenüber halbstarken Türken behauptet, ich hatte drei Poker-Fachbücher für Fortgeschrittene (!) gelesen und mehr oder weniger verstanden, ich hatte ein Coaching von Jan Heitmann erhalten, Mitglied im deutschen Profiteam von PokerStars, ich hatte doch tatsächlich drei Mal Yoga gemacht. Und wenn man mich nachts geweckt und gefragt hätte, wie man Pocket-Siebener in mittlerer Position preflop spielt, hätte ich schlaftrunken geantwortet: "Ist der Tisch eher tight und passiv, folde ich nach einem Raise vom Under the gun."

Kurz: Ich war auf dem Höhepunkt meines Pokerdaseins. Zumindest theoretisch.

Nach meinem traumatischen Erlebnis in Barcelona (ich hatte mit Ass-König gegen Ass-Dame verloren und möchte nicht mehr darüber sprechen), stand nun London an. Mein letztes Turnier dieser Größenordnung. Meine letzte Chance, mein Hobby Poker in eine kleine, feine Million zu verwandeln. Die European Poker Tour, die vor zehn Jahren als europäisches Pendant zur amerikanischen World Series of Poker ins Leben gerufen wurde, machte für zehn Tage Halt an der Themse. Aus 51 Ländern waren Pokerprofis und Glücksritter zusammen gekommen, um in 45 Turnieren um Millionen zu zocken. Vor dem Casino filmten Kamerateams ankommende Superstars, innen versprühten edle Kronleuchter über den Tischen Casino-Royale-Atmosphäre.

Kurz: Es hätten ein paar tolle Tage werden können. Und da war er wieder: der Miesmacher Namens Konjunktiv.

Was man vom Poker lernen kann...

Resultate

Die Resultate einzelner Sessions sollten nicht entscheidend sein. Wichtig ist, das Spiel auf lange Sicht zu sehen. Denn: Kurzfristig zählt das Glück, langfristig das Können. Lassen Sie sich darum von schlechten Resultaten im Job nicht versunsichern. Manchmal ist es schlichtweg auch Glück, ob man im richtigen Team gelandet ist und der Kunde mitspielt. Langfristig werden sich Ihre Fähigkeiten durchsetzen.

Pechsträhnen

Pechsträhnen sind im Poker unvermeidlich. Das wahre Können zeigt sich erst in der Art und Weise, wie man mit ihnen umgeht. Ein gutes Krisenmanagement zeugt von echter Stärke.

Endlich bergauf?

Jetzt muss es aber endlich bergauf gehen – viele Spieler denken, dass sich nach einer Pechsträhne irgendwann automatisch das Blatt wenden muss. Das ist ein Irrtum. Wenn man schon zehn Mal hintereinander bei einer Münze die Zahl geworfen hat, liegt beim nächsten Wurf die Wahrscheinlichkeit dafür wieder bei 50 Prozent. Geben Sie sich keinen falschen Illusionen hin, wenn es mal nicht so gut läuft im Job. Bewahren Sie einfach die Ruhe und behalten einen kühlen Kopf.

Als erste Hand bekam ich eine 2-9. Man nennt diese Kombination Montana Banana, weil es wahrscheinlicher ist, dass in Montana Bananen wachsen, als mit dieser Hand jemals irgendetwas zu gewinnen. Was für ein Start, dachte ich. Fand es aber eher unterhaltsam, denn noch wusste ich nicht, dass die Kombi 2-9 an diesem Tag an mir haften würde wie Spinat an dritten Zähnen.

In den folgenden sieben Stunden bekam ich die schlechtesten aller schlechten Karten. Wie in jeder normalen Lebenskrise durchlebte ich dabei verschiedene Phasen:

Phase 1: Ich ärgerte mich zwar über jede schlechte Starthand, weil ich doch so gerne spielen wollte, freute mich aber gleichzeitig auf die guten Karten, die bald kommen würden. Denn das war ja gerade das Schöne am Pokern: Man konnte sich auf die Gesetzmäßigkeiten der Wahrscheinlichkeit verlassen. Gleich würde ich also durchstarten, dachte ich und lächelte in mich hinein. Am Anfang waren die Einsätze und damit die Gewinne ohnehin eher klein. Wenn es zur Sache gehen würde, käme ich mit meinen Assen. Ha!

Phase 2: Ich war zunehmend gereizt. Denn die guten Karten kamen nicht. Ich hatte anscheinend ein Abo auf Montana Banana und wurde langsam nervös. Während die anderen spielten und große Pötte gewannen, warf ich nahezu jede Hand weg. Einmal bekam ich Bube-2. Für gewöhnlich ist das eine wirklich miese Starthand. Ich war inzwischen aber schon so frustriert, dass ich dachte, Bube-2 könnte mich aus dem Tal der Tränen herausholen. Von zwei Königen, die neben mir saßen, wurde ich eines Besseren belehrt.

Kommentare (2)

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Herr Manfred Schäfer

24.10.2014, 15:49 Uhr

Sehr gut und witzig formuliert und ich lese die Kulumne immer wieder gerne

My goodness, dachte ich..Shit happens every day...
Aber ich kann nachfühlen, Ich tröste mich meist mit dem Satz, besser am Anfang so ein Out als kurz vor "in the Money pay out"... nach 2 Tagen...
Wenn Nichts hilft, dann kann ein Drink "Sex on the beach" den Abend neben einer hübschen Nachbarin retten...

Herr Anton Pfeiffer

30.10.2014, 11:43 Uhr

Ein wirklich schöner Artikel, in dem sich wohl jeder Pokerspieler 1:1 wiederfindet. Manchmal läuft einfach nichts zusammen...
Zwei inhaltliche Anmerkungen:
P. Hellmuth hat nicht 13x das Main Event gewonnen, sondern insgesamt 13 Titel bei der WSOP, was eine ganze Serie von großen Turnieren ist. Das Main Event selbst hat er "nur" ein Mal gewonnen.
Und zur letzten Hand - es hätte ja nicht der Vierling sein müssen - mit einem weiteren Paar auf dem Board wäre man dann auch gegen ein Full House unterlegen. :-)

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