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07.11.2014

15:36 Uhr

Poker-Kolumne (7)

Mit der Hydra am Tisch

VonAnne Hansen

Bei den meisten Pokerturnieren kann man sich oft unbegrenzt wieder einkaufen, nachdem man rausgeflogen ist. Und diese Re-Entry-Turniere sind der reinste Wahnsinn. Aus diesem Grunde: Kapitalismuskritiker, vereinigt euch!

Bei den Re-Entry-Turnieren spielt man gegen eine Hydra. Denn die Spieler können sich unbegrenzt wieder einkaufen, nachdem sie rausgeflogen sind. ap

Bei den Re-Entry-Turnieren spielt man gegen eine Hydra. Denn die Spieler können sich unbegrenzt wieder einkaufen, nachdem sie rausgeflogen sind.

BerlinWenn Männer mit Geld spielen, wird es gefährlich. Ulrich Hoeneß hatte 500 Millionen Euro, um damit zu spekulieren. Wir wissen, wo es geendet ist. Wenn Geld keinen Wert mehr hat, setzt der Verstand aus. Das Investment ist daneben gegangen? Egal, starten wir eben einen neuen Versuch!

Beim Pokern gibt es das auch. Das Zauberwort heißt Re-Entry. Um bei einem Turnier mit dieser Option teilzunehmen, zahlt jeder eine Startgebühr. So weit, so gut. (Ich wäre zwar eigentlich dafür, dass jeder in diesem Land ein Grundrecht auf kostenloses Pokern hat, aber das ist ein anderes Thema).

Das Besondere an Re-Entry-Turnieren: Wer rausfliegt, kann sich sofort wieder einkaufen – und weiter spielen. Bei einem normalen, anständigen Turnier läuft es eigentlich so ab: Man spielt so lange bis man entweder gewonnen hat oder rausfliegt. Im zweiten Fall ärgert man sich und geht nach Hause.

Was Sie vom Poker lernen können

Keine Emotionen (1)

Dass ich mich wie ein HB-Männchen über Re-Entry-Turniere aufregen kann, ist eigentlich schon der erste Fehler. Denn beim Poker heißt es: Keine Emotionen, bitte! Sie trüben das Urteilsvermögen und lenken von den Fakten ab.

Keine Emotionen (2)

Eine kühle Analyse des Spiels ist nicht möglich, wenn man sich über das ständige Geplapper des Nachbarn aufregt und frustriert ist, weil dieser anscheinend auch noch eine Glückssträhne zu haben scheint.

Keine Angst

Unter allen Emotionen ist Angst der schlechteste Ratgeber am Pokertisch. Denn wer nicht bereit ist, Risiken einzugehen, wird langfristig keine Gewinne einfahren. Beim Poker muss man sich der Konfrontation stellen und über den eigenen Schatten springen.

Geld überlegt einsetzen

Aber: Man sollte auch nur Geld einsetzen, das man entbehren kann. Denn wer ständig bibbert, dass er womöglich die Hand und damit Geld verlieren kann, trifft keine korrekten Entscheidungen mehr. „Scared Money can't win“, lautet eine alte Pokerweisheit.

Viele Veranstalter denken, dass Re-Entry-Turniere eine feine Sache seien. Schließlich muss sich niemand mehr in den Schlaf weinen, sondern kann einfach sein Glück von Neuem versuchen. Dass die Casinos in dem Fall natürlich auch mehr verdienen, mag eine gewisse Rolle spielen, warum die Betreiber einen solchen Narren an diesen Turnieren gefressen haben.

Wenn Sie mich fragen: Re-Entry-Turniere sind der reinste Wahnsinn. Wenn alle Kapitalismuskritiker dieser Welt erst einmal Wind von Re-Entry-Turnieren bekommen, wird die Welt im Chaos versinken. Ich sage Ihnen: Wir kommen aus Demonstrationen und Sitzblockaden vor den Casinos nicht mehr raus. Und das zurecht!

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