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14.11.2014

15:06 Uhr

Poker-Kolumne (8)

„Der Banker hat keine Ahnung. Der blufft.“

VonAnne Hansen

George Danzer ist der erfolgreichste Pokerspieler dieses Jahres. Das Leben als Profi ist nicht immer glamourös – dafür hilft dem 31-Jährigen sein Pokerwissen, um schlechte Bankberater zu erkennen.

George Danzer ist als erster Deutscher zum erfolgreichsten Poker-Spieler des Jahres gekürt worden. obs

George Danzer ist als erster Deutscher zum erfolgreichsten Poker-Spieler des Jahres gekürt worden.

Acht Wochen lang hat unsere Autorin tapfer versucht, beim Pokern voll durchzustarten. Sagen wir mal so: Sie bleibt dann doch besser Journalistin. Zum Abschluss der Kolumne spricht sie nun mit einem, der weiß, wie der Hase läuft. George Danzer ist als erster Deutscher „Player oft the Year“ der World Series of Poker geworden. Mit dieser Auszeichnung wird der erfolgreichste Spieler des Jahres geehrt. Herr Danzer, übernehmen Sie!

Bevor wir über Poker sprechen, möchte ich Sie erst einmal fragen, ob Sie mich bei meinem nächsten Banktermin begleiten könnten. Sie sagen nämlich, dass Sie sofort erkennen, wenn Ihnen jemand Schund verkaufen möchte.
Das stimmt. Ich wollte etwas Geld anlegen und der Berater hat mir einen Fonds angeboten. Die Rendite-Zahlen der letzten Jahre klangen traumhaft. Ich habe dann ein paar Nachfragen gestellt, wirklich nichts Weltbewegendes. An der Art und Weise, wie er geantwortet hat, habe ich gemerkt, dass er überhaupt keine Ahnung hatte.

Woran haben Sie das festgemacht?
Nun, ich habe einen Tell bekommen, wie wir Pokerspieler sagen. Das sind unkontrollierte Verhaltensweisen, aus denen man Rückschlüsse auf das Spiel ziehen kann. Das sind meistens Kleinigkeiten. In diesem Fall war die Veränderung ebenfalls nur minimal. Aber man hörte, dass der Banker plötzlich seinen Rhythmus in der Sprache veränderte. Was ihn entlarvte, war seine Art zu sprechen. Und da er plötzlich ganz anders sprach als zu Beginn des Gesprächs, wo er seine auswendig gelernten Fakten runterbeten konnte, war klar: Der hat keine Ahnung. Der blufft.

Was Sie vom Poker lernen können

Keine Emotionen (1)

Dass ich mich wie ein HB-Männchen über Re-Entry-Turniere aufregen kann, ist eigentlich schon der erste Fehler. Denn beim Poker heißt es: Keine Emotionen, bitte! Sie trüben das Urteilsvermögen und lenken von den Fakten ab.

Keine Emotionen (2)

Eine kühle Analyse des Spiels ist nicht möglich, wenn man sich über das ständige Geplapper des Nachbarn aufregt und frustriert ist, weil dieser anscheinend auch noch eine Glückssträhne zu haben scheint.

Keine Angst

Unter allen Emotionen ist Angst der schlechteste Ratgeber am Pokertisch. Denn wer nicht bereit ist, Risiken einzugehen, wird langfristig keine Gewinne einfahren. Beim Poker muss man sich der Konfrontation stellen und über den eigenen Schatten springen.

Geld überlegt einsetzen

Aber: Man sollte auch nur Geld einsetzen, das man entbehren kann. Denn wer ständig bibbert, dass er womöglich die Hand und damit Geld verlieren kann, trifft keine korrekten Entscheidungen mehr. „Scared Money can't win“, lautet eine alte Pokerweisheit.

Profitieren Sie auch außerhalb von Geldinstituten vom Poker?
Ich glaube, ich habe ganz generell eine andere Einstellung zum Leben. Da ich weiß, dass Glück eine große Rolle spielt – beim Poker und sonst auch – bin ich entspannter als andere Leute. Wenn ich den Haustürschlüssel vergesse und mich aussperre, ärgert mich das nicht sonderlich. Das passiert eben ein Mal im Jahr, da muss man durch. Wenn ich im Lotto gewinnen würde, würde ich mich freuen, aber sicher nicht komplett ausflippen. Gute und schlechte Ausschläge nehme ich gelassener hin als andere. Wichtig ist nur, die Wahrscheinlichkeiten zu kennen, ob ein Ereignis eintritt. Glück ist überall dabei.

Sie sind gerade „Player of the Year“ geworden. Bis zuletzt war es ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit dem Amerikaner Brandon Shack-Harris. Wenn in einem Spiel der Gegner von Ihrem Rivalen nicht auf der letzten Karte noch ein Ass bekommen hätte, wären Sie vielleicht nur Zweiter geworden. Kurz: Sie hatten ganz schön viel Glück, oder?
Wenn Brandon die Hand gewonnen hätte, wäre er nicht automatisch Gesamtsieger geworden, der hätte schon noch fighten müssen. Aber klar, Glück gehört dazu. In Australien haben wir sogar einmal direkt gegeneinander gespielt. Ich hielt Ass-König, er hatte ein Zehnerpärchen. Das ist ein klassischer Coinflip, die Wahrscheinlichkeiten zu gewinnen, liegen bei 50:50. Brandon hat gewonnen, ich war raus. Da hat er mich kurzzeitig in der Gesamtwertung überholt.

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