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29.06.2017

20:00 Uhr

Radprofis im Wirtschaftsclub

Was Manager vom Radsport lernen können

VonAlexander Möthe

Teamgeist, Entschlossenheit und Aufopferung sorgen im Radsport für Erfolge. Doch lässt sich das ins Unternehmensmanagement übertragen? Fünf Ex-Profis diskutierten im Handelsblatt Wirtschaftsclub genau diese Frage.

Grand Départ der Tour de France 2017

Q & A mit den Radprofis – André Greipel und Co. im Fragenhagel

Grand Départ der Tour de France 2017: Q & A mit den Radprofis – André Greipel und Co. im Fragenhagel

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DüsseldorfJedes Team hat einen Kapitän. Das gilt für den Sport, das gilt im übertragenen Sinn auch für Unternehmen. Die Frage, die mitschwingt: Wann ist ein Chef ein guter Chef? Eine Frage, der am Mittwochabend am Flughafen Düsseldorf die ehemaligen Radsportprofis Hanka Kupfernagel, Larissa Kleinmann, Iwan Spekenbrink, Sven Teutenberg und Rolf Aldag nachgingen. Beim Wirtschaftsclub-Event unter dem Titel „Team und Führung – wie Führungskräfte vom Profiradsport lernen können“ teilten die Athleten, heute teils selbst in leitenden Positionen, ihre Erfahrungen und Erkenntnisse.

„Als Einzelsportler hat man keine Chance, ein Rennen zu gewinnen“, sagt Larissa Kleinmann. Die Marketingexpertin weiß, wovon sie spricht. Die heute 38-Jährige begann ihre Sportlerlaufbahn als Leichtathletin, wechselte nach dem Studium erst 2005 in den Radrennsattel. Und erzählt anschaulich vom Teamgeist, der sie überraschte. Wie sich Fahrerinnen zurückfallen lassen, um Mannschaftskameradinnen nach vorne zu ziehen. Einzig der Erfolg des Teams zähle. „Es ist die einzig Ego-freie Welt“, schiebt sie nach, „das Gegenteil der Wirtschaft.“

Dabei beschwören die Profis als Erfolgsgeheimnis, dass jeder sich für jeden einsetzt. Das weiß auch Rolf Aldag, einstmals Edelhelfer von Tour-Sieger Jan Ulrich und inzwischen Manager des südafrikanischen Rennstalls Dimension Data. Den Teamgedanken lebt er auch mit dem Projekt Qhubeka. Hierbei geht es nicht nur um die Förderung afrikanischer Rennradfahrer. Es geht vor allem darum, Afrika mit Fahrrädern auszustatten, um die Wege zu Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen zu verkürzen. Für das Vorhaben versteigerte Mark Cavendish sogar sein erstes Gelbes Trikot. Vom Erlös wurde ein ganzes Dorf mit Rädern ausgestattet.

Das ABC zur Tour de France 2017 (1)

A - Auftakt

Zum vierten Mal beginnt die Tour in Deutschland. Vor Düsseldorf hatten Köln (1965), Frankfurt (1980) und Berlin (1987) den Start ausgetragen.

B - Bergetappen

5 der 21 Etappen finden im Hochgebirge statt. Dazu zählen die Bergankünfte in La Planche des Belles Filles, Peyragudes und am Col d'Izoard.

C - Combatif du Jour

Der kämpferischste Fahrer wird jeden Tag geehrt und darf am nächsten Tag eine rote Startnummer tragen.

D - Dauerbrenner

Der Australier Adam Hansen steht bereits vor seiner 25. großen Rundfahrt (Giro d'Italia, Tour und Vuelta).

E - Einzelzeitfahren

Ein 14 Kilometer langer Kampf gegen die Uhr bildet den Auftakt und bietet Zeitfahr-Weltmeister Tony Martin die Chance auf das erste Gelbe Trikot. Ansonsten gibt es nur noch ein 22,5 Kilometer langes Zeitfahren am vorletzten Tag in Marseille.

F - Favoriten

Der dreimalige Champion Chris Froome ist der große Favorit. Zu den Herausforderern des Briten zählen der Giro-Zweite Nairo Quintana (Kolumbien), Ex-Sieger Alberto Contador (Spanien), der Vorjahreszweite Romain Bardet (Frankreich) und Richie Porte (Australien).

G - Gutschriften

10, 6 und 4 Sekunden werden den ersten drei Fahrern auf jeder Etappe gut geschrieben.

H - Hinault, Bernard

Der Mann aus der Bretagne gewann 1985 als letzter Franzose die Tour. Damit wartet Frankreich bereits seit 32 Jahren auf einen Nachfolger.

I - Indurain, Miguel

Der Spanier gewann als einziger Radprofi fünfmal die Tour in Serie. Neben Indurain werden noch Jacques Anquetil (Frankreich), Eddy Merckx (Belgien) und Hinault als Fünffach-Sieger geführt. Die sieben Erfolge von Lance Armstrong wurden wegen dessen Doping-Vergehen gestrichen.

J - Journalisten

Rund 2000 Medienvertreter begleiten die Tour. Das Rennen wird in 190 Ländern übertragen.

K - Karawane

Gut zwei Stunden vor dem Fahrerfeld sorgt traditionell die Werbekarawane mit 170 Fahrzeugen für ein wenig Karnevalsstimmung. Bereits seit 1930 gehört die Caravane publicitaire zum Tour-Programm.

L - Lüttich

Der Zielort der zweiten Etappe gehört zu den Hochburgen im Radsport. Bereits zum zehnten Mal gastiert die Tour in Lüttich, hier endet auch das älteste Eintagesrennen Lüttich-Bastogne-Lüttich.

M - Mannschaften

Insgesamt 22 Teams, darunter die beiden deutschen Rennställe Sunweb und Bora-hansgrohe, gehen mit jeweils neun Fahrern an den Start. Damit nehmen 198 Radprofis die Rundfahrt in Angriff.

Selbstlosigkeit ist also ein entscheidender Punkt, vor allem bei den großen Rundfahrten. Doch wie motiviert man einen Fahrer, einem anderen Fahrer zuzuarbeiten? „Keiner sagt ‚Ich will Edelhelfer werden‘“, sagt Aldag. Jeder sei Rennfahrer, jeder, der in den Top-Teams ankommt, hat viel gewonnen – und will viel gewinnen. Irgendwann, sagt er, stellt man den individuellen Erfolg hintenan.

Das, so erläutern die Profis ausgiebig, ist dem geschuldet, dass nichts damit erreicht wird, indem ein Fahrer auf Kosten anderer eine Etappe oder ein Rennen gewinnt. Nicht nur die Prämien werden auf die Mannschaft umgelegt, der Erfolg eines Fahrers aus dem eigenen Team sichert den Fortbestand, die Sponsoren- und Preisgelder. Erst wenn die Zusammenarbeit stimmt, kommt das individuelle Talent zum Tragen, sagt Iwan Spekenbrink, Chef des Tour-Teams Sunweb: „Fahrer A fährt nicht für Fahrer B, er fährt für die Mannschaft.“ Wichtiger Teil der Führungsarbeit ist das Leistungsmanagement, so der Niederländer. Es geht auch darum, das Rennen richtig einzuteilen, etwa dafür zu sorgen, dass sich der beste Sprinter nicht vor dem Finale schon völlig verausgabt.

Hilft denn die Radsporterfahrung im Geschäftsleben? Eindeutig, sagt Sven Teutenberg. Der langjährige Profi, selbst in Düsseldorf geboren, war eine der entscheidenden Figuren beim Vorhaben, den Start der Tour de France ins Rheinland zu holen. Als Event-Manager organisiert er den Grand Depart und schaufelt sich trotz massig Arbeit den Termin frei. Unternehmerisch ist er als Inhaber einer Radsportagentur und eines Fahrradfachgeschäfts tätig. Und was hat er aus dem Sattel in den Bürostuhl mitgenommen? „Teamfähigkeit, Organisationstalent, Motivationsfähigkeit“, sagt Teutenberg. Das alles hilft ihm als Manager.

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