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15.04.2006

14:16 Uhr

Radsport Bahnrennen

Wolff und Bahn-Vierer ohne Biss

Bei der Bahnrad-WM in Bordeaux haben Sprinter Rene Wolff und der deutsche Bahn-Vierer die angestrebten Medaillen klar verpasst. Besonders das Aus für Wolff sorgte für verstimmte Mienen im BDR-Lager.

Nach der gestrigen Triumphfahrt von Robert Bartko in der 4000m-Einerverfolgung macht sich im Lager des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR) am heutigen Samstag Ernüchterung breit. Mit Rene Wolff und dem Bahn-Vierer verabschiedeten sich zwei der ohnehin wenigen BDR-Medaillenhoffnungen bei der Bahnrad-WM in Bordeaux am Vormittag bereits in der Qualifikation.

Besonders der von einer Magen-Darm-Grippe geschwächte Wolff, der als amtierender Weltmeister im Sprint über die fliegenden 200m nur den 43. und letzten Platz belegt hatte, musste sich deutliche Worte von Bundestrainer Detlef Uibel anhören. "Es sind sicherlich Fehler in der Vorbereitung gemacht worden. Wenn man alle Sechs-Tage-Rennen fährt, ist das schon gefährlich. Ich hoffe, dass er in Zukunft einsichtig ist", sagte der Chefcoach: "Es war nicht die Krankheit allein. Er hatte nicht das Niveau vom letzten Jahr, das hat sein elfter Platz im Keirin gezeigt."

"Kleiner Denkzettel"

Ohne Wettkampfpraxis war Wolff nach Bordeaux gekommen. Statt in den Weltcups an den Start zu gehen, bevorzugte der Erfurter die lukrativen Sechstagerennen. "Das war vielleicht ein kleiner Denkzettel für ihn. Ich hoffe, dass er nun kooperativer ist und im nächsten Jahr eine systematische Vorbereitung bestreitet", meinte Uibel weiter, der in seinem Kurzzeit-Team eine "negative Gruppendynamik" ausgemacht hat: "Die war nicht mehr zu bremsen."

Wolff, der sich in der Nacht viermal übergeben hatte, suchte indes schnell das Weite und verließ kommentarlos die Halle. Noch vor Jahresfrist war der 28-Jährige auf dem Höhepunkt seiner Karriere, als er in Los Angeles den WM-Titel in der Königsdisziplin Sprint geholt hatte. Neben Wolff scheiterte auch Benjamin Wittmann in der Qualifikation, für Michael Seidenbecher (Erfurt) war in der ersten Runde Endstation. Lediglich der dreimalige Junioren-Weltmeister Maximilian Levy (Cottbus) und Stefan Nimke (Schwerin) erreichten das Achtelfinale.

Deutsche Paradedisziplin in angelsächsischer Hand

Die nächste Enttäuschung für das deutsche Team folgte nur wenige Minuten später durch den Bahn-Vierer. Das Quartett mit Bartko, Robert Bengsch, Guido Fulst (alle Berlin) und Leif Lampater (Schmiden) scheiterte in 4:07,873 Minuten als Sechster in der Qualifikation. "Wir haben unser Minimalziel, das Rennen um Platz drei, verpasst. Es ist aber nicht alles schlecht. Wir haben den Rückstand zur Weltspitze ein wenig aufgeholt. Daran müssen wir weiter arbeiten. Wir wollen 2008 in Peking schnell fahren", sagte Bartko einen Tag nach seinem Sieg in der Einerverfolgung.

Dennoch wurde deutlich: Großbritannien und Australien sind den Deutschen in ihrer einstigen Paradedisziplin weit enteilt. Dass es ein weiter Weg für den BDR-Vierer ist, musste auch Bartko einräumen: "Ich bin in Sydney mit dem Vierer unter vier Minuten gefahren. Das war ein anderes Gefühl."

© SID

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