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07.01.2010

12:13 Uhr

Radsport Protour

Milram startet in den Existenzkampf

Mit 24 Fahrern und einem neuen Konzept startet das Team Milram in seine womöglich letzte Saison. Angeführt wird die Mannschaft weiterhin von Linus Gerdemann und Gerald Ciolek.

Linus Gerdemann. Foto: AFP SID

Linus Gerdemann. Foto: AFP

Für das Team Milram hat der Kampf um die Existenz begonnen. Hauptsponsor Nordmilch wird aller Voraussicht nach den 2010 auslaufenden Vertrag beim letzten deutschen Protour-Rennstall nicht verlängern. "Zum jetzigen Zeitpunkt steht eine Verlängerung nicht zur Disposition. Wir sind in engem Dialog mit Teamchef Gerry van Gerwen. Wir haben großes Interesse daran, dass das Team mittelfristig weiter Bestand hat. Aber Stand jetzt ist, dass wir den Vertrag nicht verlängern werden", sagte Nordmilch-Sprecherin Godja Sönnichsen in aller Deutlichkeit auf der Team-Präsentation in Dortmund.

Damit hat für van Gerwen und die 24 Fahrer starke Equipe der Wettlauf gegen die Zeit begonnen. Bis zum zweiten Ruhetag der Tour de France am 21. Juli will der Niederländer die Zukunft der Mannschaft geklärt haben. "Wir haben die Mannschaft nicht übernommen, um aufzuhören. Wir arbeiten uns kaputt, das Team weiterleben zu lassen. Ich habe sehr große Hoffnung, dass uns dies gelingen wird", meinte van Gerwen. Nordmilch steckte bislang rund 7,5 Mill. Euro jährlich in das Team.

Erinnerungen an das Gerolsteiner-Aus

Damit droht der deutsche Radsport ab 2011 ohne Protour-Team dazustehen. Die Situation bei Milram erinnert an die vergebliche Sponsorensuche beim Team Gerolsteiner vor zwei Jahren. Dort hatte der Geldgeber auch frühzeitig den Ausstieg angekündigt. Am Ende gelang es Teamchef Hans-Michael Holczer trotz großer Erfolge nicht, einen Nachfolger zu präsentieren.

Ein derartiges Schicksal will van Gerwen verhindern. Dafür braucht er Erfolg. Eine ähnlich erfolglose Saison wie 2009 mit nur neun Siegen und Platz 18 in der Weltrangliste soll und darf es nicht geben. 25 Siege sollen es 2010 sein, so lautete auch das Ziel für das Vorjahr.

Kein Wunder, dass bei Milram die Zügel angezogen werden. "Es geht nicht nur darum, ein großes Auto zu fahren oder viel Geld zu verdienen. Einige waren zu verwöhnt", sagte der Teamchef. Das bekam die 24-köpfige Mannschaft bereits im Trainingslager auf Mallorca zu spüren. In den Bergen der Ferieninsel wohnten die Radprofis in Apartments und waren in Kleingruppen auf sich allein gestellt. Fernsehen und Laptops gab es nicht.

"Wir haben Teambuilding-Maßnahmen vorgenommen. Die Fahrer mussten Essen kochen, Frühstück machen, Toilette putzen und Trainieren. Am Anfang war es furchtbar. Nach 4,5 Tagen habe ich eine SMS bekommen. Alles ist super. Wir hoffen, dass die Mannschaft von Grund auf besser wird", sagte van Gerwen.

Auch in der Teamleitung gab es eine Änderung. Ralf Grabsch, "ein Mann der klaren Worte" (van Gerwen) übernahm den Posten des Sportdirektors von Christian Henn, der künftig für technische Aufgaben wie Rennanalysen zuständig ist.

Bei den Fahrern kam die neue Gangart - zumindest nach außen hin - positiv an. "Ich finde das ganz gut, aber es muss nicht 365 Tage sein", sagte Gerdemann, der sich nicht mehr ausschließlich auf die Tour de France vorbereiten darf, sondern auch den Giro d"Italia fahren soll. Im Sprint hofft Gerald Ciolek, an sein erfolgreiches Jahr 2008 anknüpfen zu können.

Frühjahrsklassiker verstärkt im Fokus

Das Gesicht der Mannschaft hat sich kaum geändert. Den sechs Abgängen stehen in dem Bahn-Olympiazweiten Roger Kluge (Cottbus), Dominik Nerz (Wangen), Wim De Vocht und Roy Sentjens (beide Belgien) sowie Luke Roberts (Australien) fünf Zugänge gegenüber. Insbesondere bei den Frühjahrsklassikern soll Milram eine bessere Visitenkarte abgeben, im vergangenen Jahr lag die Mannschaft meist aussichtslos im Rennen.

Eine weitere Änderung ist der frühe Saisonstart bei der Tour Down Under in Australien (17. bis 25 Januar). "Wir wollen in Australien angreifen und direkt zeigen, dass ein neuer Abschnitt für das Team Milram beginnt", sagt van Gerwen.

© SID

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