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09.04.2006

08:07 Uhr

Radsport Protour

Vertauschte Rollen in der "Hölle des Nordens"

Beim Frühjahrsklassiker Paris-Roubaix treten die deutschen Radrennställe Gerolsteiner und T-Mobile mit vertauschten Rollen an. Während Gerolsteiner als bestes Pro-Tour-Team startet, will T-Mobile aus der Krise fahren.

Unterschiedlicher könnte die Ausgangslage wohl kaum sein. Während die einen derzeit den Platz an der Sonne genießen, stehen die anderen schon früh in der Saison unter Druck: Mit vertauschten Rollen gehen die deutschen Profi-Radteams Gerolsteiner und T-Mobile heute beim Frühjahrsklassiker Paris-Roubaix an den Start. Während Gerolsteiner nach sieben Saisonsiegen und zahlreichen weiteren Top-Platzierungen als momentan beste Mannschaft der Pro-Tour antritt, will T-Mobile nach etlichen Rückschlägen in den vergangenen Wochen ausgerechnet in der "Hölle des Nordens" wieder ein Lebenszeichen geben.

Wesemann: "Will das unbedingt mal schaffen"

Die größten Hoffnungen des Bonner Rennstalls ruhen auf Steffen Wesemann. Der Sieger der Flandern-Rundfahrt von 2004 erreichte vor vier Jahren schon einmal als Zweiter den Zielstrich im Velodrom von Roubaix und wünscht sich nichts sehnlicher als einen Triumph bei diesem Monument des Radsports: "Ich bin mit diesem Rennen noch nicht durch. Es gibt nicht so viele Menschen auf der Welt, die hier gewinnen können. Aber ich bin einer davon, und deshalb will ich das unbedingt einmal schaffen."

Umso ärgerlicher ist es für den gebürtigen Wolmirstedter, dass ihn ein Virus-Infekt in der Vorbereitung auf seinen Saison-Höhepunkt zurückwarf. Um seinen Start nicht zu gefährden, verzichtete der 35-Jährige sogar auf die Flandern-Rundfahrt am vergangenen Sonntag und den Halbklassiker Gent-Wevelgem am Mittwoch. "Steffen sollte sich in Ruhe auskurieren, um für Paris-Roubaix fit zu sein", sagt T-Mobiles sportlicher Leiter Valerio Piva: "Seine Atembeschwerden sind inzwischen abgeklungen."

Wesemann weiß, dass er sich auf den 259km durch Nordfrankreich keine Schwäche erlauben darf, wenn er am Ende ganz vorne sein will. "Ich habe intensiv auf dieses Rennen hingearbeitet", erklärt der Routinier mit Schweizer Pass und Wohnsitz im eidgenössischen Küttingen. Unterstützung soll "Wese" vor allem von Andreas Klier erhalten, der sich eine Woche nach seinem etwas enttäuschenden achten Platz in Flandern ganz in den Dienst des Teamkollegen stellen will.

Belgier Boonen erneut Top-Favorit

Top-Favorit ist dennoch ein anderer. Belgiens Weltmeister Tom Boonen, der schon elf Siege in dieser Saison einfuhr, will wie im Vorjahr das Double mit den Erfolgen in Flandern und Roubaix schaffen. "Wer gewinnen will, muss mich schlagen", sagt der 25-Jährige, der als erster Radsportler den Doppelerfolg wiederholen könnte.

Einen echten Sieganwärter kann Gerolsteiner nicht bieten - dennoch rechnet man sich beim Team aus der Eifel Außenseiterchancen aus. "Das Ergebnis aus dem Vorjahr verbessern", lautet die Vorgabe von Teamchef Hans-Michael Holczer, der auf einen 17. Rang des Dänen Frank Hoj 2005 zurückblicken kann. Für eine Überraschung könnte Youngster David Kopp sorgen, der nach seinem zweiten Platz bei Gent-Wevelgem vor Selbstbewusstsein strotz: "Ich bin nicht so vermessen zu sagen, dass ich gewinnen kann. Mein Traum ist eine Top-10-Platzierung", meint der 27-Jährige Kölner.

Zabel will unter die ersten Zehn

Für einen Platz unter den ersten zehn ist auch immer Erik Zabel gut. Der Sprinter fuhr 2000 bereits einmal auf den dritten Rang bei "La Roubaix". Nach seinem Wechsel von T-Mobile zum neuen Milram-Team und durch den Verzicht seines italienischen Mannschaftskollegen Alessandro Petacchi geht der 35-Jährige erstmals als alleiniger Kapitän in das schwere Eintagesrennen, das vor allem wegen seiner 27 Kopfsteinpflaster-Passagen mit insgesamt 52,7km Länge bei den Fahrern gefürchtet ist. "Wenn dir am Abend richtig die Handgelenke schmerzen, weißt du erst, was du getan hast", sagt Zabel.

Bei der 104. Auflage des Rennens führt der Kurs dabei auch wieder über den berüchtigten Waldweg von Arenberg, der noch aus der Zeit Napoleons stammt. Im vergangenen Jahr hatten die Organisatoren aus Sicherheitsgründen auf die 2,4km Passage verzichtet, nachdem es dort in der Vergangenheit vor allem bei Regen immer wieder zahlreiche Stürze gegeben hatte.

© SID

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