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05.07.2017

11:49 Uhr

Radsportstar Peter Sagan

Vom Superinvestment zum deutschen Tour-Desaster

VonCorinna Nohn, Roman Tyborski

Peter Sagan, Sunnyboy und Topverdiener des Radsports, muss die Tour de France verlassen. Ein Desaster für das deutsche Bora-Hansgrohe-Team, das Millionen für den Weltmeister ausgibt, der nun zu Hause bleiben muss.

DüsseldorfEs spielt sich in Sekundenbruchteilen ab, und auf den ersten Blick sieht es eindeutig aus: Die Top-Sprinter des Pelotons rasen der Zielgeraden in Vittel mit 70 Kilometern pro Stunde entgegen, plötzlich schiebt Weltmeister Peter Sagan, Star des deutschen Teams Bora-Hansgrohe und Sunnyboy der Radsportwelt, seinen rechten Ellenbogen raus – und Mark Cavendish landet in der Bande.

Als Cavendishs Team später in der Nacht verkündet, dass der der Brite wegen eins gebrochenen Schulterblatts nicht weiterfahren kann, ist schon längst klar, dass dieses Schicksal auch Sagan, in Vittel Zweiter auf der Zielgeraden und am Vortag strahlender Sieger der dritten Etappe, trifft.

Die Kommissionäre der Tour de France hatten Sagan wegen „unverhältnismäßigen Sprints“ erst mit einer Zeit- und Punktestrafe in der Sprintwertung belegt, dann aber von der kompletten Tour ausgeschlossen. Sein Team hat gegen die Entscheidung Protest eingelegt – vergebens. Der Radsportweltverband UCI lehnte den Einspruch des deutschen Rennstalls Bora-Hansgrohe ab, wie Sagan in einem kurzen Statement bestätigte. „Ich bin gegen die Entscheidung der Jury, aber ich akzeptiere sie“, sagte der Slowake.

Tour de France 2017: So viel Preisgeld bringen die Trikots

Radsport-Spektakel

Vor rund einer Million Zuschauern startete am 1. Juli 2017 die Tour de France in Düsseldorf. Tony Martin träumt vom ersten Gelben Trikot, Chris Froome vom Gesamtsieg. Was das dreiwöchige Spektakel den Fahrern finanziell einbringen könnte.

Quelle: Procycling, Offizielles Programm-Magazin Tour de France 2017

Weißes Trikot

Das weiße Trikot belohnt den bestplatzierten Fahrer in der Gesamtwertung, der in diesem Jahr 25 oder jünger ist. Preis: 20.000 Euro für den, der es zum Schluss trägt.

Gepunktetes Trikot

Das gepunktete Trikot trägt der Führende in der Bergwertung. Punkte werden auf dem Gipfel alle kategorisierten Anstiege vergeben. Doppelte Punkte gibt es im Ziel der 18. Etappe auf der Passhöhe des Izoard.

Grünes Trikot

Das grüne Trikot trägt der Führende in der Punktewertung. Punkte gibt es bei den Zwischensprints, die auf den Straßenetappen ausgetragen werden, und im Ziel jeder Etappe. Preis: 25.000 Euro für den, der es zum Schluss trägt.

Gelbes Trikot

Das gelbe Trikot kennzeichnet den jeweils Führenden in der Gesamt-Einzelwertung. Preis: 500.000 Euro für den, der es zum Schluss trägt. Traditionell teilt der Gewinner seine Börse mit den übrigen Teammitgliedern die ihm für den Sieg zuarbeiten – und wie die meisten Fahrer mit deutlich geringeren Preisgeldern rechnen müssen.

Trikot-Verteidigung

Jeder Tag im gelben Trikot bringt einem Fahrer 500 Euro extra. Alle übrigen Trikots bringen ihrem Träger einen Bonus von 300 Euro ein.

Etappensiege und Platzierungen

Für einen Etappensieg erhält ein Fahrer 11.000 Euro. Auch die Plätze zwei bis 20 bringen den Fahrern noch Geld ein. Im Überblick:

Platz 2: 11.000 Euro, Platz 3: 5.500 Euro, Platz 4: 2.800, Platz 5: 1.500 Euro, Platz 6: 830 Euro, Platz 7: 780 Euro, Platz 8: 730 Euro, Platz 9: 670 Euro, Platz 10: 650 Euro, Platz 11: 600 Euro, Platz 12: 540 Euro, Platz 13: 470 Euro, Platz 14: 440 Euro, Platz 15: 340 Euro. Die Plätze 15 bis 20 bringen einem Fahrer einen Bonus von 300 Euro.

Combatif und Super Combatif

Nach jeder Etappe erhält der Combatif, der kämpferischste Fahrer, eine Prämie von 2000 Euro. Den „Prix de la Combativité“ vergibt eine Jury aus Journalisten, Ex-Profis und Vertretern des Rennveranstalters. Am Ende der Tour wird noch der „Super Combatif“ gewählt, der kämpferischste Fahrer des gesamten Rennens, er erhält eine Prämie von 20.000 Euro. Wer unterwegs bester Kämpfer wird, erhält am nächsten Tag eine rote Startnummer.

Sieger der Mannschaftswertung

Für den Gesamtsieg in der Mannschaftswertung erhält ein Team 50.000 Euro. Für die Teamwertung werden die Zeiten der drei bestplatzierten Fahrer pro Mannschaft einer Etappe addiert – sobald eine Mannschaft weniger als drei Fahrer an den Start einer Etappe bringt, wird sie aus der Wertung gestrichen. Die Fahrer des führenden Teams tragen eine gelbe Stratnummer.

Klettern lohnt sich

Fünf Bergkategorien kennt die Tour, der jeweils erste Gipfelstürmer der sie bezwingt kassiert, abhängig vom Schwierigkeitsgrad:

hors catégorie, der höchste Schwierigkeitsgrad: 800 Euro

Kategorie eins: 650 Euro

Kategorie zwei: 500 Euro

Kategorie drei: 300 Euro

Kategorie vier: 200 Euro

Am meisten aber gewinnt der Fahrer, der als Erster den Col du Galibier, den höchsten Berg der diesjährigen Tour, bezwingt. Sein Lohn: das Souvenir Henri Desgrange und 5000 Euro.

Ein schwerer Schlag für das Team und den Bora-Gründer Willi Bruckbauer. Am Donnerstagmorgen habe das ganze Team noch gehofft, dass die Entscheidung revidiert werden könne, erzählt er am Telefon. Das Team habe Krisengespräche geführt und der UCI eine schriftliche Schilderung des Unfallherganges aus Sicht von Sagan und des Teams übermittelt.

Dass Sagan auch noch 200 Schweizer Franken Strafe zahlen muss, dürfte den Topverdiener, der Millionen Euro pro Saison verdient, weniger ausmachen. Aber der komplette Ausschluss von der Tour ist ein einmaliger Vorgang – und ein Desaster für Sagans Sponsoren, allen voran den Küchenabzugshersteller Bora und des Armaturenhersteller Hansgrohe, die Hauptfinanciers.

Noch am Abend zuvor, als das Team mit Champagner auf Sagans Sieg und den ersten Erfolg von Bora-Hansgrohe bei der Tour de France anstieß, war die Freude riesig: „Die Verpflichtung von Peter zahlt sich schon die ganze Saison aus“, sagte Teammanager Ralph Denk mit Blick auf die Bilder von Sagans Sieg, die live in 190 Ländern ausgestrahlt wurden – und mit ihnen die Logos von Bora und Hansgrohe. „Die Media-Werte sind extrem hoch. Er ist ein spezieller Typ, deshalb bezahlen wir ihm auch relativ viel Geld“, schwärmte Denk vom zweimaligen Weltmeister und freut sich über das „Return on Investment“.

Nun ist kein Investment ohne Risiko – und in diesem Fall für Sagans Sponsoren fraglos ein gewaltiges. Genaue Zahlen nennen die Unternehmen nicht, aber im Feld kursiere ein Summe von bis zu fünf Millionen Euro, wo das Mindestgehalt für festangestellte Jungprofis 36.000 Euro beträgt. Das wäre ein erheblicher Teil des gesamten Teambudgets von Bora-Hansgrohe.

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