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15.06.2014

17:40 Uhr

Reitsport-Unfall

Luhmühlen trauert um Benjamin Winter

Luhmühlen trägt nach dem tödlichen Unfall von Benjamin Winter Trauer. Mit einer Zeremonie gedenken die Vielseitigkeitsreiter ihres verunglückten Kollegen. Klar ist: Es wird Diskussionen um Sicherheit und Sinn geben.

Reiter der deutschen Nationalmannschaft gehen über den Turnierplatz nach der Gedenkzeremonie in Luhmühlen. dpa

Reiter der deutschen Nationalmannschaft gehen über den Turnierplatz nach der Gedenkzeremonie in Luhmühlen.

LuhmühlenDie Flaggen rund um das Springstadion in Luhmühlen hingen auf halbmast. Reiter standen schweigend in der Arena in der Lüneburger Heide, auch auf den voll besetzten Tribünen war kaum ein Laut zu hören: In einer ergreifenden Zeremonie gedachten Kollegen und Zuschauer am Sonntag des am Tag zuvor tödlich verunglückten Benjamin Winter.

Auf der Videoleinwand war ein großes Porträt des 25-Jährigen zu sehen - lachend, so wie ihn alle kannten und mochten. „Es ist ein trauriger Moment. Er war ein Mensch mit einer unglaublich positiven Lebenseinstellung“, würdigte der deutsche Reiter-Präsident Breido Graf zu Rantzau das Ausnahmetalent.

Winters tödlicher Sturz mit seinem Pferd Ispo im Geländeritt hat die Vielseitigkeitsreiterei tief schockiert und verunsichert. Auch einen Tag nach dem Unglück herrschte Fassungs- und Ratlosigkeit. „Für das, was alle Beteiligten fühlen, gibt es keine Worte. Ben war ein großartiger Mensch und toller Sportler. Er hatte noch eine große sportliche Zukunft vor sich“, meinte DOKR-Geschäftsführer Dennis Peiler. „Es ist noch nicht bei mir angekommen“, meinte der sichtlich erschütterte Bundestrainer Hans Melzer.

Sturz vom Pferd: Reiter Benjamin Winter tödlich verunglückt

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Reiter Benjamin Winter tödlich verunglückt

Der deutsche Vielseitigkeitsreiter Benjamin Winter ist tot. Der 26-Jährige stürzte bei einem Turnier in Hamburg-Luhmühlen beim Geländeritt und erlag kurze Zeit später im Krankenhaus seinen schweren Kopfverletzungen.

Trotz des Todesfalls hatten sich die Reiter gemeinsam mit den Veranstaltern und in Absprache mit Winters Familie noch am Samstagabend für eine Fortsetzung des Turniers mit den Springen des Sonntags ausgesprochen. Auf Siegerehrungen mit Hymnen und die Vergabe des deutschen Meistertitels wurde verzichtet.

Ohnehin interessierte es kaum noch jemand, dass der Australier Andrew Hoy mit Cheeky Calimbo die Drei-Sterne-Prüfung vor Ingrid Klimke aus Münster mit Escada gewann und Doppel-Olympiasieger Michael Jung aus Horb den Sieg im Vier-Sterne-Wettbewerb auf Rocana nach einem Abwurf knapp verpasste. Erster wurde der Neuseeländer Tim Price auf Wesko.

Eine Fortsetzung wäre auch im Sinne ihres Sohnes gewesen, betonte Sybille Winter: „Seine größte Sorge wäre vielmehr, dass sein Unfall dazu führen könnte, dass sein Sport in der Öffentlichkeit schlecht geredet wird. Bitte respektieren Sie diesen Wunsch meines Sohnes.“

Doch um diese Diskussionen über Sinn und Sicherheit wird der pferdesportliche Dreikampf nicht herumkommen, wie nach dem Tod von Tina Richter-Vietor 2007 in Schenefeld. Das weiß auch Peiler. „Jetzt ist es aber noch zu früh, um sich mit einer Analyse zu befassen“, betonte der Chef des Deutschen Olympiade-Komitees für Reiterei. „Wir werden uns damit auseinandersetzen“, versprach auch Melzer.

Die Unfallanalyse wird schwerfallen. Denn in Winter verunglückte ein Klasse-Reiter, der trotz seiner jungen Jahre erfahren war. Er galt als Versprechen auf die Zukunft, hatte in Wild Thing und Ispo zwei herausragende Pferde, war im Championatskader und wollte sich mit seinem Auftritt in Luhmühlen für die Weltreiterspiele im August/September in der Normandie empfehlen.

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