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12.01.2007

11:13 Uhr

Rodeln Weltcup

Sylke Otto beendet ihre Karriere

Rodel-Olympiasiegerin Sylke Otto sieht Mutterfreuden entgegen und beendet daher ihre Karriere mit sofortiger Wirkung. Ursprünglich wollte Otto noch die WM Anfang Februar in Igls bestreiten, zieht sich nun aber zurück.

Der deutsche Rodelsport verliert eine seiner Ausnahmefiguren: Die zweimalige Rodel-Olympiasiegerin Sylke Otto ist schwanger und beendet mit sofortiger Wirkung ihre Karriere. Die 37-jährige Oberwiesenthalerin wollte ursprünglich noch die WM Anfang Februar in Igls bestreiten, verzichtet aber nun bereits auf einen Start beim Weltcup-Rennen am Sonntag in Oberhof.

Otto ist mit den olympischen Goldmedaillen von 2002 und 2006 sowie vier WM-Einzeltiteln die erfolgreichste Rodlerin aller Zeiten. Mit insgesamt 37 Siegen ist sie auch Rekord-Gewinnerin im Weltcup. Ihr letztes Rennen bestritt sie am Samstag in Königssee, belegte dort trotz eines Sturzes im ersten Lauf den vierten Rang.

"Die Angst hat begonnen mitzufahren. Ich bin in Gedanken mehr bei dem Baby als beim Sport", begründete Otto ihre Entscheidung: "Ich habe jetzt ja eine andere Verantwortung." Darum habe sie am späten Donnerstagabend ihren Entschluss gefasst, auch der Sturz in Königssee habe eine Rolle gespielt: "Dann fiel mir hier noch der Demtschenko regelrecht vor die Füße."

"Wir freuen uns für sie"

Am vergangenen Samstag in Bayern war sie trotz dieses Malheurs Weltcup-Vierte geworden. Ihre letzte Schlittenfahrt war der vierte Trainingsplatz am Donnerstag in Oberhof. Die Olympiasiegerin von 2002 und 2006 sowie viermalige Einzel-Weltmeisterin denkt, die "richtige Entscheidung" getroffen zu haben. Schließlich würde sie sich im Falle eines Unfalls mehr Vorwürfe machen, als "eine Rodel-WM jemals aufwiegen kann", außerdem hätte sie sich "nun nur noch gequält".

Zum Championat nach Igls, dort hatte sie 1992 ihren ersten Weltcupsieg gefeiert, wird die mit ihrem Lebengefährten Ronald Grund im fränkischen Zirndorf lebende Otto trotzdem reisen. Auf Einladung des Bob- und Schlittenverbandes für Deutschland (BSD) wohnt sie im Teamhotel Isserwirth. "Sie hat die richtige Entscheidung zum richtigen Zeitpunkt getroffen", meinte Chefbundestrainer Thomas Schwab: "Sportlich ist es schade, aber wir freuen uns für sie."

Dauerrivalin Silke Kraushaar-Pielach (36) meinte: "Wir haben 15 Jahre gemeinsam alle Höhen und Tiefen erlebt. Es ist schon irgendwie merkwürdig, wenn wir jetzt auseinander gehen. Das geht mir nahe, ich wünsche ihr alles Gute." Der Generationswechsel in dem seit 1997 ungeschlagenen Team wurde so ein wenig beschleunigt, in Thüringen geht bereits die 21-jährige Corinna Martini an den Start.

Mit 30 richtig durchgestartet

"Ich habe doch im Sport alles erreicht", meinte Otto. Die Trauer über die abgebrochene Abschiedstour hielt sich in Grenzen. Ihren ersten internationalen Titel holte sie bei der EM Anfang 2000 in Winterberg im Alter von 30 Jahren. Eine Ernährungsumstellung und der damit verbundene Gewichtsverlust von über zehn kg brachten damals den Durchbruch. Sie holte die WM-Titel 2000, 2001, 2003 und 2005 sowie ein weiteres EM-Gold 2002.

Als 14-Jährige hatte die gebürtige Chemnitzerin richtig mit dem Rennrodeln begonnen. Fünf Jahre später schaffte sie den Sprung in das DDR-Auswahlteam und wenig später auch in die gesamtdeutsche Mannschaft. Bei den Winterspielen 1992 in Albertville flossen nach Rang 13 die Tränen, ebenso nach den verpassten Qualifikationen für Lillehammer 1994 und Nagano 1998.

Als die viermalige Gesamtweltcup-Gewinnerin dann einmal in der Erfolgsspur war, ließ sie sich auch von Verletzungen nicht stoppen. Vor der letzten Olympiasaison wurde sie an der Bandscheibe im Halswirbelbereich operiert, im Mai 2006 an der Schulter.

Auf den Abschied hatte sich die Weltcup-Rekord-Gewinnerin Otto (37 Siege) schon heimlich vorbereitet und die Weltcup-Tournee nach Übersee zum Kauf von Babysachen genutzt ...

© SID

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