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25.01.2008

08:12 Uhr

Rodeln WM

Deutsche Rodler vor WM sehr angespannt

Das deutsche Team ist sich vor dem Start der Rodel-WM in Oberhof der Favoritenrolle bewusst. Doch einfach werde es nicht, da durch das Publikum ein hoher Erwartungsdruck herrscht.

Ausgerechnet vor der Heim-WM in Oberhof haben die deutschen Gold-Rodler ein wenig Bammel. Sportdirektor Stefan Krauß will in den Rennen ab heute zwar wie im Vorjahr "alle vier Titel", Cheftrainer Thomas Schwab hält sich aber mit seiner Prognose zurück: "Bei den Frauen werden wir gewinnen, in den anderen Disziplinen kann ich das doch nicht vorhersagen. Wir sind aber so vorbereitet, dass wir gewinnen können."

Selbst die routinierte Nagano-Olympiasiegerin Silke Kraushaar-Pielach, die zum Abschied den Ansturm der Jugend noch einmal abwehren will, spürt den besonderen Druck. "Heimrennen sind immer die schwersten. Da ist der Rummel besonders riesig", meinte die 37-Jährige. Und auch der Thüringer David Möller sagte: "Auf uns lastet der Druck. Ich habe mich verbessert, aber auch der Armin Zöggeler hat zugelegt - ich bin kein Wahrsager, wer gewinnt."

Faktor X: Das Wetter

Nach Ansicht von Schwab ist eine Gold-Jagd in Übersee, wo "wir unsere Ruhe haben", einfacher. Die Athleten wären aber Profis genug, um mit dem Trubel einer WM vor eigenem Publikum fertig zu werden. Eine Schwierigkeit sieht der Erfolgscoach im "unberechenbaren Wetter von Oberhof".

Die deutsche Asse um die Titelverteidiger Möller, Tatjana Hüfner und Patric Leitner/Alexander Resch absolvierten in diesem Winter etwa 50 Läufe im für vier Mill. Euro erneuerten Eiskanal, die Konkurrenz konnte ungefähr die Hälfte an Läufen testen. Nach Ansicht von Schwab können sich die Topleute aus dem Ausland in den Trainingsläufen aber ausreichend auf die Piste einstellen: "Der Heimvorteil ist diesbezüglich nicht so groß."

Hauptkonkurrenz kommt aus Italien

Hauptrivalen sind vor allem der zweimalige Olympiasieger Armin Zöggeler und Christian Oberstolz/Patric Gruber aus Italien, die bei der EM vor knapp zwei Wochen gewannen und maßgeblich für die schlechteste deutsche Bilanz seit 14 Jahren sorgten. Nur die 19-jährige Natalie Geisenberger stand auf dem obersten Podest.

"Das ist kein Grund zur Besorgnis, in Cesana waren wir nie besser. Die Bahn in Oberhof liegt uns doch viel mehr", meinte Schwab und fügte hinzu: "Und wenn bei der WM auch ein solches Resultat herauskommt, dann habe ich halt ein paar graue Haare mehr. Nur wenn es reihenweise solche Ergebnisse geben würde, müssten wir uns Gedanken machen."

Bei der WM-Premiere der Staffel gehören die Gastgeber trotz einiger Probleme bei den bisherigen Rennen - bei der EM langte es nicht einmal zu Bronze - ebenfalls zum engsten Favoritenkreis. "Es fahren jeweils die Besten der Einzelwettbewerbe", kündigte Schwab an.

Leitner startet mit Handicap

Patric Leitner dürfte bis zum Wettkampf keine Nachwirkungen der Erkältung mehr spüren. Der Olympiasieger ist in dieser Saison allerdings das Sorgenkind, der 30-Jährige befindet sich seit seinem leichten Bandscheibenvorfall Anfang Dezember in ständiger Behandlung, kommt aber um eine Operation herum.

"Wir haben uns gut auf die Bahn eingeschossen, die Erkältung ist auskuriert und der Rücken hält", sagte Leitner optimistisch und fügte hinzu: "Für unsere Thüringer Teamkollegen ist der Druck hier größer als für uns Bayern."

Zuschauerränge sind voll

Für das dritte Rodel-Championat nach 1973 und 1985 auf der zweitältesten Kunsteisbahn der Welt gingen bereits im Vorverkauf fast 15 000 Tickets weg, die Tribünen im Zielbereich sind längst ausverkauft. Insgesamt haben für die 40. Rodel-WM 106 Schlitten aus 24 Nationen gemeldet.

Das deutsche Aufgebot

Männer: David Möller (Schalkau), Felix Loch (Berchtesgaden), Jan Eichhorn (Oberhof), Andi Langenhan (Zella-Mehlis); Doppelsitzer: Patric Leitner/Alexander Resch (Königssee/Berchtesgaden), Tobias Wendl/Tobias Arlt (Berchtesgaden/Königssee), Andre Florschütz/Torsten Wustlich (Friedrichroda/Oberwiesenthal); Frauen: Tatjana Hüfner (Oberwiesenthal), Natalie Geisenberger (Miesbach), Silke Kraushaar-Pielach (Oberhof), Anke Wischnewski (Oberwiesenthal).

Der Zeitplan

Heute: Frauen (14.00 Uhr); Samstag: Männer (11.00 Uhr); Sonntag: Doppel (10.00 Uhr) und Staffel (13.00 Uhr).

© SID

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