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20.06.2013

10:42 Uhr

Rollende Apotheke Radsport

Neun von zehn Profis waren gedopt

VonTom Mustroph

Die holländische Antidopingagentur liefert ein erschreckendes Bild über das Ausmaß von Epo-Doping in der jüngeren Vergangenheit. Auch aktuell gibt es unerklärliche Leistungssteigerungen von Radprofis.

Trotz zahlreicher Kontrollen wie hier am Ende einer Tour-de-France-Etappe hat Doping im Radsport ein erschreckendes Ausmaß erreicht. AFP

Trotz zahlreicher Kontrollen wie hier am Ende einer Tour-de-France-Etappe hat Doping im Radsport ein erschreckendes Ausmaß erreicht.

DüsseldorfWer fragt, dem werden Antworten gegeben. Die niederländische Antidopingagentur ADA forderte bis zum Stichtag 1. April 2013 alle einheimischen Radprofis, Rennstallmanager und sonstige Angestellte auf, Aussagen über ihren eigenen Dopinggebrauch in der Vergangenheit zu tätigen. Ihnen wurde vor dieser Wahrheitskommission Anonymität und Straferlass zugesichert. Die so gewonnenen Erkenntnisse stellte die ADA am Montag vor.

„Es bestätigt sich der Verdacht, dass der Großteil der Radprofis und auch der holländische Teil davon in der Hochphase des Epo-Missbrauchs dopte. Es ist schwer, Prozentzahlen abzugeben, aber in unseren Augen liegt die Wahrheit in einem Bereich von 80, 90, vielleicht sogar 95 Prozent“, hieß es in der Presseerklärung. Die sogenannte Hochphase ist der Zeitraum von späten 90er Jahren bis zu den ersten Jahres des neuen Jahrtausends.

Finanzieller Aspekt der Tour de France 2012

Preisgeld

Die Radprofis der Tour de France 2012 dürfen wieder mit einer Menge Preisgeld rechnen. Es sind diesmal wieder über zwei Millionen Euro abzuschöpfen. Dazu kommt für jedes Teams eine pauschale Antrittsgage.

Verteilung des Preisgelds

Den größten Brocken erhält weiterhin der Gesamtsieger. Der Träger des Gelben Trikots darf sich in Paris erneut über 450.000 Euro freuen. Für die Plätze zwei und drei werden noch stattliche 200.000 bzw. 100.000 Euro ausgeschüttet. Für das Schlusslicht der Tour, ein eigentlich überaus prestigeträchtiger Platz, gibt es nach drei Wochen Schwerstarbeit läppische 400 Euro, die sicher direkt in die Mannschaftskasse wandern dürften.

Sonderwertungen

Siege in den Sonderwertungen lohnen sich dagegen. Die Titel bester Sprinter und bester Kletterer werden mit jeweils 25.000 Euro versüßt. 20.000 Euro gibt es für den Sieger der Nachwuchswertung sowie für den kämpferischsten Fahrer. Die beste Mannschaft darf 50.000 Euro verbuchen.

Tagesprämien

Doch nicht nur nach der Ankunft in Paris füllt sich die Kasse, jeden Tag werden auf den Etappen Prämien verteilt. Ein Tag im Gelben Trikot bringt 350 Euro, ein Etappensieg schon stolze 8000 Euro. Der kämpferischste Fahrer des Tages bekommt 2000 Euro, das beste Team 2800 Euro. Bei Bergprüfungen werden bis zu 800 Euro verteilt, bei Zwischensprints sind 1500 Euro zu gewinnen.

Der Bericht konstatierte eine Art ungeschriebene Berufspflicht zum Doping. In den Augen der Fahrer sei Doping „entscheidend für den Erfolg ihrer Radsportkarriere gewesen und notwendig, um den Mindesterwartungen des Teammanagements zu entsprechen.“ Marcel Wintels, Präsident des holländischen Radsportverbands, wertete den Bericht als „ehrlichen, realistischen, aber auch schmerzhaften Einblick, wie weit verbreitet Doping im Radsport war.“

Die Zahlen bestätigen damit die eher düsteren Ahnungen mancher Beobachter des Profiradsports. So werden etwa die massiven Mobbingaktivitäten eines Großteils des Pelotons gegen Fahrer, die Doping offen ablehnten oder sich nach ihrer Überführung zu Geständnissen durchgerungen hatten, erklärlich.

Nachdenklich machen sollten die Zahlen die Dopingjäger. Positive Dopingkontrollen lagen in dieser Zeit im Promille-Bereich. Und selbst aus den Langzeitstatistiken der Analytik ließ sich bisher nur ein Dopingmissbrauch von ca. zehn Prozent aller Profis herauslesen. Seit etwa Ende der 1980er Jahre wird Erythropoetin (Epo) Dopingmittel zum Zweck der Leistungssteigerung missbraucht. Vor allem Ausdauersportler profitieren von der Wirkung.

Kommentare (3)

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Tabu

20.06.2013, 11:31 Uhr

Neun von zehn Profis waren gedopt
---------
Ist dieser eine,nun besonders dumm,oder wird er getrieben
von dem Gedanken des sauberen Wettkampfs.
Neun von zehn-ein Auswuchs von Verkommenheit für den unsauberen Erfolg und dem schnellen Geld - und
vlt.den sauberen einen,noch als Nestbeschmutzer unter
Druck setzen.


Account gelöscht!

20.06.2013, 12:20 Uhr

Unter den ersten 10 waren mindestens 10 die gedopt haben. Betrachtet man die damaligen Etappen von der Länge und den Steigungen her musste es klar sein. Mit Nudeln und Haferflocken geht das garantiert nicht. Aber es war das was die Veranstalter gefordert haben und das Publikum sehen wollte.

In diesem Rahmen schien der Prozess gegen Armstrong doch etwas willkürlich. Amüsanter war da schon, wie das ZDF die teuer erworbenen Rechte jahrelang dazu nutzte den Zuschauern die Tour als Dopingveranstaltung madig zu machen. Auch die Auswahl der bösen Buben durch die öffentlich-rechtlichen war interessant (vor allem Klöden, der keine Dopininterviews mehr geben wollte). Get(d)opt wurde diese scheinheilige Veranstltung durch den Co-Kommentator Rudi Altig ("Die rollende Apotheke"), der zumindest wusste wovon gesprochen wurde.

halidu

20.06.2013, 14:28 Uhr

es ist billig, die schuld aufs publikum zu schieben. es interessiert doch niemanden, ob die herren mit 25-30km/h oder mit 20-25 km/h den berg hochfahren

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