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01.11.2015

12:41 Uhr

Rugby-Weltmeister Neuseeland

Die Marke „All Blacks“ strahlt nach WM-Sieg heller denn je

VonUrs Wälterlin

Nach dem Sieg über den Erzfeind Australien im Finale der Rugby-WM in Großbritannien durch die „All Blacks“ herrscht in Neuseeland Hochstimmung. Gewinner ist nicht zuletzt die Wirtschaft – darunter auch Adidas.

Team Neuseeland mit dem WM-Pokal. AFP

„All Blacks“ als strahlende Sieger

Team Neuseeland mit dem WM-Pokal.

Wellington/London„Wir haben es geschafft!“, donnert es durch die Bar, so laut, dass die Biergläser im Gestell vibrieren. Jubel um sieben Uhr früh am Sonntagmorgen in einem Pub in der neuseeländischen Hauptstadt Wellington: Zwölf Stunden Zeitunterschied und 18.000 Kilometer Distanz zum Austragungsort des Rugbyfinals in Großbritannien ändern nichts an der Tatsache, dass sich die kleine Nation auf der anderen Seite des Globus an diesem frühen Morgen an der Spitze der Welt fühlt. Als auf einem Großbildschirm der siegreichen neuseeländischen Nationalmannschaft „All Blacks“ der Weltcup-Pokal überreicht wird, wischt sich so mancher Zuschauer eine Träne aus den Augen. Im Traum-Finale im Rugby-Tempel Twickenham hatte sich das Team zuvor deutlich mit 34:17 (14:3) gegen Australien durchgesetzt und damit Geschichte geschrieben: Neuseeland verteidigte als erste Mannschaft seit der WM-Premiere 1987 den Titel erfolgreich. 

„Diesen Match heute zu verlieren, wäre eine Katastrophe gewesen“, sagt Paul, als er vor einem Bier sitzt, seinem neunten. Der Sieg sei besonders süß, weil die „All Blacks“ gegen den Erzkonkurrenten Australien gespielt hatten. Nichts freut einen Kiwi – wie sich die Neuseeländer gerne selber nennen – mehr, als dem Nachbarn auf der anderen Seite des Tasmanischen Meeres zu zeigen, dass man besser ist. Zu oft fühlen sich Neuseeländer im Schatten ihres großen Bruders.

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Ein Riesengeschäft

Rugby ist in Neuseeland eine Religion, die Spieler der „All Blacks“ werden verehrt wie Götter. Doch der Sport – und der Markenname „All Blacks“ – sind auch ein Riesengeschäft. Nimmt man den Sieg des Teams „All Blacks“ von 2011 als Beispiel, könnte der neuseeländischen Wirtschaft in den nächsten Monaten ein Miniboom bevorstehen. Einen wissenschaftlich belegbaren Zusammenhang zwischen einem Erfolg im Stadion und der Performance der neuseeländischen Börse gibt es zwar nicht. Laut dem Ökonomen Sam Richardson von der Massey Universität werde der Sieg der „All Blacks“ die Bevölkerung aber „spürbar glücklicher“ machen. Ob sich diese „Happyness“ allerdings in Dollar und Cents umrechnen lässt, wagt er zu bezweifeln. Unbestritten aber ist, dass zufriedene Verbraucher mehr ausgeben, häufiger Essen gehen, mehr einkaufen.

Nach dem Finalerfolg der „All Blacks“ im Jahr 2011 wurde von offizieller Seite gerechnet, der Sieg habe indirekt 573 Millionen neuseeländische Dollar (353,5 Millionen Euro) in die Wirtschaft des Landes gepumpt. Viele der Marketingbemühungen von damals würden noch heute Dividenden bringen, meint Richardson. Geschäftsbeziehungen etwa, die in den Tribünen zwischen hochrangigen Besuchern abgeschlossen worden waren, Firmenkontakte, die bis heute anhalten. Im Vorfeld der jüngsten Rugbyausscheidung investierte die neuseeländische Investmentbehörde rund zwei Millionen Dollar in Marketingaktivitäten, um Investoren anzulocken und das Profil des Landes zu erhöhen.

Im Schatten der „Helden“

Ohne Zweifel profitieren wird Neuseeland als Reisedestination. Die nach der Ausfuhr von Milchprodukten wichtigste Exportindustrie ist ein bedeutender Arbeitgeber. Jeder vierte „Kiwi“ soll direkt oder indirekt mit Reiseverkehr einen Teil seines Einkommens generieren.

Der wohl größte Gewinnner aber ist der Markenname „All Blacks“. Schätzungen zufolge war er schon vor dem jüngsten Sieg mindestens 150 Millionen Euro wert. Die neuseeländische Nationalmannschaft gilt als eine der am professionellsten vermarkteten Sportprodukte der Welt. Firmen dürften sich künftig noch mehr als bisher darum reißen, im Schatten der alleine körperlich beeindruckenden „Helden“ stehen zu dürfen. Einer der wichtigsten Sponsoren ist der Sportartikelhersteller Adidas. Er ist bereits seit 1999 Ausrüster des Teams der Kiwis und Förderer des neuseeländischen Rugbys, der Vertrag ist extrem langfristig angelegt: 2008 verlängerte der Dax-Konzern den Kontrakt bis 2019 – und steht nicht nur wegen des zu erwartenden zusätzlichen Schubs für den eh schon florierenden Trikot-Verkaufs nach dem WM-Sieg der Kiwis mit auf der Sonnenseite.

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