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13.01.2012

13:11 Uhr

Sauerland plant neues Turnier

Dem deutschen Boxen gehen die Stars aus

VonIngmar Höhmann

Am Samstag kämpft Boxer Arthur Abraham um seine Ehre: Nach einer Niederlagenserie hat der frühere Weltmeister Wiedergutmachung versprochen. Dem deutschen Boxen würde das gut tun – hierzulande gehen langsam die Stars aus. Abrahams Promoter Kalle Sauerland treibt deshalb ehrgeizige Pläne voran, die dem Sport auf die Sprünge helfen könnten: Er wirbt für ein Turnier im Schwergewichtsboxen.

Die Box-Profis Pablo Farias (li.) aus Argentinien und Arthur Abraham posieren nach einer Pressekonferenz für ihren Kampf in Offenburg. dpa

Die Box-Profis Pablo Farias (li.) aus Argentinien und Arthur Abraham posieren nach einer Pressekonferenz für ihren Kampf in Offenburg.

KölnEs ist keine zwei Jahre her, da galt Arthur Abraham als eines der größten deutschen Boxtalente. 30 Kämpfe, 30 Siege – im Mittelgewicht war der Weltmeister der Beste seiner Zunft. Doch dem selbsternannten „King“ reichte das nicht – er wollte in den USA den Durchbruch schaffen. Um Millionenbörsen einstreichen zu können, stieg er eine Gewichtsklasse auf und trat im vergangenen Dezember beim Super-Six-Turnier der besten Supermittelgewichtler gegen US-Boxer an. Drei Niederlagen folgten. Nun steht Abraham vor den Trümmern seiner Karriere.

Selbst die Anpreisungen seines Promoters hören sich nach Durchhalteparolen an: „Abrahams Karriere ist längst noch nicht beendet. Auch Wladimir Klitschko hat dreimal verloren“, sagt Kalle Sauerland. Am Samstagabend (22.45 Uhr/ARD) muss Abraham nun beweisen, dass das Vertrauen gerechtfertigt ist: Er tritt gegen den Argentinier Pablo Oscar Natalio Farias an. Der trägt den Spitznahmen „Pokemón“, und der Kampf findet nicht in Las Vegas statt, sondern in Offenburg. „Das wird der Moment sein, wo wir sehen, wo Abraham steht“, sagt Sauerland. Anders ausgedrückt: Verliert der 31-Jährige, lässt er sich kaum noch verkaufen.

Abrahams Absturz zeigt, wie schnelllebig das Boxgeschäft sein kann. Dass die ARD seinen nächsten Kampf überhaupt noch zeigt, verdeutlicht um so mehr, dass dem deutschen Boxen langsam die Stars ausgehen. Neben Abraham haben zuletzt auch Sebastian Sylvester, Sebastian Zbik und Jürgen Brähmer ihre WM-Titel verloren. Problematisch wird die Situation für Sauerland: Die ARD zahlt Schätzungen zufolge pro Jahr zwölf Millionen Euro, damit der größte deutsche Boxstall zehn bis zwölf Kämpfe auf die Beine stellt. Die Teilnehmer sollen international erfolgreich sein und eine hohe Quote bringen.

Marco Huck mit dem Gürtel des WBO-Champions im Cruisergewicht. Reuters, Sascha Rheker

Marco Huck mit dem Gürtel des WBO-Champions im Cruisergewicht.

Doch viele Kämpfer von Weltrang hat der Boxstall nicht mehr. Die Hoffnungen ruhen vor allem auf einem Mann: Marco Huck. Der Cruisergewicht-Champion wechselt ins Schwergewicht – die höchste und für das Fernsehen attraktivste Gewichtsklasse. Er soll Ende Februar Alexander Povetkin den Weltmeistertitel des Verbandes WBA abnehmen. Promoter Kalle Sauerland freut sich über den „Schwergewichts-Kracher des Jahres“, Huck spricht von einem noch größeren Ziel: „Ich will das schaffen, was nach Max Schmeling keinem Deutschen gelungen ist: Schwergewichts-Weltmeister bei einem bedeutenden Box-Weltverband werden.“

Ein Vergleich mit Schmeling lässt sich gut verkaufen, doch er hinkt: Die WBA hat den eigentlichen Titelträger Wladimir Klitschko zum sogenannten „Super-Champion“ hochgestuft. Damit kann der Verband einen zweiten Weltmeistertitel vergeben – und Extra-Gebühren einstreichen. Nichts Ungewöhnliches im Profiboxen, wo eine ganze Reihe an Welt-Box-Verbänden um die Vorherrschaft streiten – und keine Tricks scheuen, um zusätzliches Geld zu verdienen.

Selbst Boxfans haben inzwischen Schwierigkeiten, das Interessengeflecht zu durchschauen. Die vier wichtigsten Organisationen heißen WBA, WBC, IBF und WBO. Die Folge ist eine wahre Titelinflation: Schon eine Europameisterschaft zähle heute nichts mehr, weil es zu viele Weltmeisterschaften gebe, sagte der ehemalige Champion im Supermittel- und Halbschwergewicht Graciano Rocchigiani der Zeitung „Die Welt“. Der Grund: „Bei einer WM können die Verbände satt kassieren. Wenn ein Klitschko boxt, wird für einen Verband eine sechsstellige Summe fällig.“

Dass Huck bei einem Sieg gegen Povetkin nur Weltmeister zweiter Klasse würde, ist jedoch nicht nur ein Marketing-Gag: Er hofft auf den Jackpot – einen Kampf gegen Wladimir Klitschko, den vielleicht besten Boxer der Welt. Der Ukrainer trägt neben dem Super-Champion-Titel der WBA auch die Gürtel zweier weiterer Boxverbände. Und niemand schafft höhere Quoten: Im vergangenen Jahr schalteten bei seinem Kampf gegen den Briten David Haye bei RTL im Durchschnitt 15,5 Millionen Zuschauer ein. Das entsprach einem Marktanteil von 67 Prozent – keine andere Sportübertragung brachte es 2011 auf einen höheren Wert.

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