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11.11.2016

18:36 Uhr

Schach-Hoffnung Karjakin

Putins Großmeister

VonAndré Ballin

Sergej Karjakin ist Russlands große Hoffnung, nach fast zehn Jahren wieder die Schach-Weltmeisterschaft zu gewinnen. Seine Verbundenheit zum Kreml zeigt das Wunderkind offen. Sein herausragendes Können allerdings auch.

Im Gegensatz zum Weltmeister Magnus Carlsen ist Karjakin außerhalb der Szene auch relativ unbekannt. Reuters

Sergej Karjakin

Im Gegensatz zum Weltmeister Magnus Carlsen ist Karjakin außerhalb der Szene auch relativ unbekannt.

MoskauSeit acht Jahren wartet Moskau auf einen neuen russischen Schach-Weltmeister. Nachdem Wladimir Kramnik 2008 den Titel gegen den Inder Viswanathan Anand abgeben musste, hat kein Russe mehr um die Weltmeisterschaft gespielt. Eine lange Zeit für ein Land, das seit 1927 80 Jahre lang (davon einen Großteil als Sowjetunion) die Szene dominierte. Nun soll Sergej Karjakin die Tradition der Karpows und Kasparows fortsetzen. „Ich will gewinnen und die Krone nach Russland zurückholen“, gab sich der Herausforderer vor dem Start des Matches in New York siegessicher und patriotisch.

Doch wird der Big Apple ab Freitag tatsächlich Zeuge einer neuerlichen Überraschung, nachdem gerade erst Donald Trump das Establishment in den USA durch seinen Wahlsieg geschockt hat? Für die meisten Experten wäre der Sieg Karjakins tatsächlich eine ähnliche Sensation. Zu stark wirkt Weltmeister Magnus Carlsen, der mit seinem lässigen Stil längst zur Werbeikone und zum Aushängeschild der Schachwelt geworden ist.

Beim öffentlichen Auftritt kann Karjakin Carlsen keine Konkurrenz machen: Er gilt zwar offen und freundlich, aber ein leichtes Stottern lässt ihn unsicher wirken. Karjakin, bekennender Anhänger von Spartak Moskau, spielt zwar gern selbst Fußball und Tennis, oder schwimmt, aber so austrainiert und fit wie der Norweger, ist der schmalschultrige Russe eben nicht. 

Magnus Carlsen in Sotschi: Ein Star am Schachbrett

Magnus Carlsen in Sotschi

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Das Wunderkind von Norwegen und die Nummer Eins auf der Schach-Weltrangliste: Magnus Carlsen löst mit seinem Talent eine regelrechte Begeisterungswelle aus. Nun will der 23-Jährige zum zweiten Mal Weltmeister werden.

Im Gegensatz zum Weltmeister ist Karjakin außerhalb der Szene auch relativ unbekannt. Dabei galt der 26-Jährige einst als der talentiertere der beiden: Im Alter von zwölf Jahren und 211 Tagen wurde er der bisher jüngste Großmeister aller Zeiten, damals noch für die Ukraine; seinem Kontrahenten gelang dies erst mit 13 Jahren und fünf Monaten. 2004 wurde er mit der Ukraine Mannschaftssieger der Schacholympiade. Doch dann stagnierte die Entwicklung des Wunderkinds.

Karjakin, auf der Krim geboren, entschied sich deshalb 2009 für einen Nationenwechsel. Er siedelte nach Moskau über und wurde russischer Schachspieler. In einem Interview begründete er seine Entscheidung mit den besseren Möglichkeiten: Sowohl Sponsoren, als auch Trainer seien auf der Krim nur schwer aufzutreiben gewesen. Neben ihm habe es dort nur einen Großmeister – und dieser bereits im Pensionsalter – gegeben. Finanziell war der Übergang lohnend: Karjakin bekam als Wechselprämie von der russischen Schachföderation ein Haus am Moskauer Stadtrand. Auch ein Sponsor fand sich bald.

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