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27.01.2005

18:28 Uhr

Schiedsrichter will als Kronzeuge aussagen

Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Hoyzer

Der unter Betrugsverdacht stehende ehemalige Fußball-Schiedsrichter Robert Hoyzer hat die gegen ihn erhobenen Vorwürfe zugegeben - und weitere Enthüllungen angekündigt. Die Staatsanwaltschaft Berlin hat nun wegen Betrugsverdachts ein Ermittlungsverfahren gegen den Schiedsrichter eingeleitet. Zukünftig soll die DFL benachrichtigt werden, wenn ungewöhnlich hohe Wetteinsätze zu verzeichnen sind.

Schiedsrichter Robert Hoyzer. Foto: dpa

Schiedsrichter Robert Hoyzer. Foto: dpa

cuk/rsc HAMBURG. Der Berliner hat eingeräumt, an der Manipulation von Fußball-Spielen im Profibereich beteiligt gewesen zu sein. Er soll weitere Enthüllungen angekündigt haben. Hoyzer wolle sich zudem der Berliner Staatsanwaltschaft als Kronzeuge bei den weiteren Ermittlungen wegen Wettbetrugs zur Verfügung stellen, berichtet die "Bild-Zeitung" unter Berufung auf Justizkreise. Dem 25-Jährigen wird vergeworfen, an der Manipulation von Fußball-Spielen im Pokal, der zweiten Liga und der Regionalliga beteiligt gewesen zu sein.

"Die in der Öffentlichkeit erhobenen Anschuldigungen gegen mich sind im Kern zutreffend", erklärte Hoyzer nach einem Gespräch mit seinen Anwälten. Er bedauere sein Verhalten zutiefst und entschuldige sich beim Deutschen Fußball- Bund (DFB), seinen Kollegen und bei allen Fußballfans. "Ich habe heute vollständig und schonungslos mein Verhalten und mein gesamtes umfangreiches Wissen über alle mir in diesem Zusammenhang bekannten Sachverhalte und Personen dokumentiert und stehe der Staatsanwaltschaft und dem DFB zur vollumfänglichen Aufklärung zur Verfügung."

Hoyzer steht im Verdacht, das umstrittene Pokalspiel zwischen dem SC Paderborn und dem Hamburger SV und weitere Spiele manipuliert zu haben, auf die zuvor außergewöhnlich hohe Wetten gesetzt worden waren. Hoyzer soll in dem Pokalspiel durch zwei fragwürdige Elfmeter-Entscheidungen und einen Platzverweis gegen den HSV den 4:2-Sieg des Drittligisten aus Ostwestfalen begünstigt haben.

Künftig werden Ansetzungen erst zwei Tage vor dem Spiel bekannt gegeben

Der Vorsitzende des Schiedsrichterausschusses im Deutschen Fußball-Bund (DFB), Volker Roth, hat Robert Hoyzers als "unverzeihlich" zurückgewiesen. "Hier wurden ideelle Werte verraten und verkauft, das ist unentschuldbar", sagte Roth. Als ehemaliger Unparteiischer sowie Chef der deutschen und europäischen Schiedsrichter-Gilde habe er zwar schon viel erlebt, aber dieser Vorgang "geht mir unglaublich nahe", meinte Roth weiter.

Roth sagte dazu auf einer Pressekonferenz des DFB: "Wir sind schockiert, wir hätten so etwas niemals für möglich gehalten. Wir werden die Spielansetzungen künftig, wie es bei der Uefa seit Jahren der Fall ist, erst zwei Tage vor der Begegnung bekannt geben."

Außerdem sollen neue Schiedsrichter der zweiten Liga auch zwei Jahre lang in Regionalligaspielen beobachtet werden. Bei sämtlichenen DFB-Pokalspielen - auch in der ersten Runde - sollen künftig Beobachter sitzen.

Roth hofft, dass die Schiedsrichter-Zunft nun auch durch die Medien unterstüzt wird. "Wir haben es schwer genug", sagte er. Wir wissen, dass das Vertrauen in die Schiedsrichter auf Jahre gestört sein wird."

Für Deutschlands Fußball-Referees wird es indes vorerst kein generelles Wettverbot geben. Das ist das Ergebnis der DFB-Schiedsrichtertagung in Frankfurt. "Ich wollte eine eidesstattliche Erklärung, aber die kann nur durch einen vereidigten Richter vorgenommen werden", sagte Volker Roth. Der DFB will künftig mit einem "Frühwarnsystem" und einem Wettverbot für die Referees bei den von ihnen geleiteten Spielen weiteren Manipulationen vorbeugen. Wie das Fußball-Magazin "Kicker" berichtet, werde die DFL einen Vertrag mit der Firma "Betradar.com" abschließen. Das Unternehmen zählt zu den führenden Informationslieferanten der Welt für Buchmacher. Zukünftig soll die DFL umgehend benachrichtigt werden, wenn ungewöhnlich hohe Wetteinsätze zu verzeichnen sind.

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