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19.01.2007

10:41 Uhr

Schwierige Ausgangsposition

Deutschland hofft auf Wunder

VonHans Weymar

Heute eröffnet die deutsche Handball-Nationalmannschaft in Berlin gegen Brasilien die Weltmeisterschaft im eigenen Land. Zu den Titelfavoriten gehört das Team von Trainer Heiner Brand aber nicht.

Heiner Brand steht vor einer schwierigen WM. Foto: ap ap

Heiner Brand steht vor einer schwierigen WM. Foto: ap

BERLIN. Der Vergleich drängt sich auf. "Die Situation ist ziemlich ähnlich", sagt der ehemalige Bundestrainer Vlado Stenzel. Wenn die deutsche Nationalmannschaft heute in der Berliner Max-Schmeling-Halle gegen Panamerika-Champion Brasilien die XX. Handball-Weltmeisterschaft eröffnet, sind die Parallelen zur letzten WM in Deutschland offenkundig.

Nachdem die deutsche Mannschaft 1978 in Kopenhagen sensationell mit 20:19 gegen die Sowjetunion den WM-Titel gewonnen hatte, wollten viele Leistungsträger vier Jahre später in der Bundesrepublik ihre Karriere krönen und danach abtreten. Es kam anders. 1982, als die Weltmesse des Handballs letztmals in Deutschland stattfand, war vom 78er-Stammkader nur noch Erhard Wunderlich dabei.

In der Gegenwart wiederholt sich nun auf bizarre Art die Handballgeschichte. Denn der Kern der "Goldenen Generation" um Stefan Kretzschmar und Christian Schwarzer, die zwischen 2002 und 2004 vier Mal in Folge ein großes Finale erreichte und 2004 Europameister wurde, ist nun, da die WM im eigenen Land beginnt, fast komplett zurückgetreten. Aus der erweiterten Stammelf des olympischen Finals von Athen sind allein Torwart Henning Fritz, Kapitän Markus Baur, Rechtsaußen Florian Kehrmann und der Halbrechte Christian Zeitz übrig geblieben.

Die Gründe für die Rücktrittswellen waren freilich unterschiedlich. Der erste Pfeiler der großen 78er-Mannschaft brach weg, als der Gummersbacher Regisseur Joachim Deckarm, einer der besten Handballer aller Zeiten, bei einem Europapokalspiel 1979 bei einem tragischen Unfall im ungarischen Tatabanya schwere Kopfverletzungen erlitt. Der zweite Einschnitt war politischer Natur. Denn als das Nationale Olympische Komitee die Olympischen Sommerspiele 1980 in Moskau boykottierte, nachdem die UdSSR 1979 in Afghanistan einmarschiert war, "sind die meisten von uns aus Verbitterung zurückgetreten", erzählt Bundestrainer Heiner Brand, der damals zu den besten Abwehrspielern der Welt gehörte. Mit dem Gummersbacher Brand, der 1983 noch ein kurzes Comeback wagte, hatten dessen bester Freund Kurt Klühspieß sowie die Torleute Manfred Hofmann (beide Großwallstadt) und Rudi Rauer (Wellinghofen), jegliche Lust an der Nationalmannschaft verloren.

Vlado Stenzel hängt diesem Boykott noch heute nach: "Wir hatten die beste Mannschaft, wir hätten eine gute Chance auf olympisches Gold gehabt." Kurz vor dem Turnier im eigenen Land erklärten dann auch noch Arno Ehret (Hofweier), Kapitän Horst Spengler (Hüttenberg) sowie Rainer Niemeyer und Jimmy Waltke (beide Dankersen) wegen des autokratischen Führungsstils Stenzels ihre Demission.

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