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21.01.2006

09:27 Uhr

Schwimmen Weltcup

"Hintergrundgeräusche" vermiesen Weltcup-Stimmung

Traditionell ist der heute beginnende Arena-Weltcup der Schwimmer in Berlin hochkarätig besetzt, nach der Beurlaubung von DSV-Cheftrainer Ralf Beckmann rücken sportliche Aspekte aber in den Hintergrund.

In Berlin steht ab heute der traditionelle Arena-Weltcup der Schwimmer auf dem Programm, nach der vorzeitigen Beurlaubung von Cheftrainer Ralf Beckmann, droht die Jagd nach Siegen, Rekorden und Prämien für Deutschlands Schwimmer zur Nebensache zu werden. "Es ist doch ein klarer Fall, dass man diese Situation nicht so einfach abschütteln kann. Die Trennung von Herrn Beckmann war ja eine Entscheidung gegen den Wunsch der meisten Athleten und Trainer", sagte die Aktivensprecherin des Deutschen Schwimm-Verbandes (DSV), Anne Poleska.

Die Olympia-Dritte, WM-Zweite und Kurzbahn-Europameisterin aus Essen setzte den Verband bei der Suche nach einem Nachfolger zugleich unter Zugzwang. "Nach der ganzen Unruhe muss der Neue schon ein Supertyp sein", erklärte Poleska: "Und je schneller eine Entscheidung fällt, desto besser. Am besten wäre es für uns, wenn der Nachfolger schon in Berlin präsentiert würde - aber damit rechne ich nicht."

DSV-Generalsekretär Jürgen Fornoff deutete unterdessen an, dass die Nachfolgersuche tatsächlich ein Ende haben könnte. "Vielleicht wissen wir am Wochenende schon mehr", meinte Fornoff einen Tag vor Wettkampfbeginn in der Hauptstadt. Dort traf am Freitagnachmittag auch noch das DSV-Präsidium um Präsidentin Christa Thiel zusammen.

Am Beckenrand wird Beckmann am Wochenende in der Schwimmhalle im Europasportpark an der Landsberger Allee von Bundestrainer Manfred Thiesmann vertreten. Beckmann, der sich mit DSV-Präsidentin Christa Thiel nicht auf eine Verlängerung seines bis zum 28. Februar laufenden Vertrages einigen konnte, feiert unterdessen seinen Resturlaub ab - "auf Wunsch der Präsidentin", wie der 59-Jährige ausdrücklich feststellte. Jürgen Fornoff will die Situation aber nicht als Entschuldigung gelten lassen: "Durch Manfred Thiesmann ist für eine sehr gute Vertretung gesorgt, und die meisten Athleten haben ohnehin ihre Heimtrainer mit dabei."

Rupprath konzentriert sich "aufs Sportliche"

Das sieht auch "Mr. Kurzbahn" Thomas Rupprath so, der auf seine Auftritte brennt und die Diskussionen um Beckmann abschüttelt. "Damit beschäftige ich mich nicht, denn das wäre kontraproduktiv. Ich fühle mich bestens und will sowohl über 50 und 100m Rücken als auch über 100m Lagen vorne mit dabei sein", sagte der 28-Jährige Hannoveraner: "In der Gesamtwertung will ich noch unter die besten drei kommen und mir damit eine Prämie sichern."

Die 50 000 Dollar für den Gesamtsieg dürften Vorjahressieger Ryk Neethling (Südafrika), der in Berlin nicht am Start ist, zwar nicht mehr zu nehmen sein. Doch dahinter ist auch für Rupprath, der den Weltcup 2003 gewann, noch alles möglich. Zudem geht es in der Hauptstadt um ein Auto im Wert von 20 000 Euro für die beste Leistung sowie Prämien für Einzelerfolge und Weltrekorde.

50m Rücken der sonntägliche Höhepunkt

Sportlicher Höhepunkt dürften die 50m Rücken am Sonntag werden. Dort trifft Rupprath als amtierender Kurzbahn-Weltmeister und Weltrekordhalter auf den Überrraschungs-Weltmeister auf der Langbahn, Aristidis Grigoriadis aus Griechenland, sowie Ex-Champion Randall Bal (USA). Neben Rupprath und Poleska schickt der DSV in Berlin seine gesamte Elite ins Wasser. Mark Warnecke will nach seinem Coup im Vorjahr in Montreal als ältester Schwimm-Weltmeister über 50m Brust erneut für Furore sorgen. Antje Buschschulte, Vize-Weltmeisterin über 100m Rücken, ist trotz Trainingsrückstandes immer für einen Platz auf dem Podest gut.

Zudem wollen sich die "jungen Wilden" wie Steffen Deibler, Paul Biedermann, Helge Meeuw und Marco di Carli weiter in der Weltspitze etablieren. Doch die Konkurrenz ist stark: Mit 102 Medaillengewinnern bei Olympischen Spielen, Welt- und Europameisterschaften aus 37 Nationen ist Berlin der mit Abstand bestbesetzte Weltcup. Das Finale findet traditionell im Februar in Belo Horizonte/Brasilien statt.

© SID

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