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18.01.2007

16:32 Uhr

Segelyachten

Maritimes Apartment

VonKlaus Bartels
Quelle:WirtschaftsWoche Online

Bei der Einrichtung von Segelyachten haben immer häufiger Designer das Wort. Vorbei sind die Zeiten von dunklem Teakholz, klotzigen Möbeln und maritimen Accessoires in blitzendem Messing. Minimalistische Decksalons mit edlen Materialien kommen unter Deck wieder in Mode.

Wally-Yacht aus der Vogelperspektive. Foto: Wally

Wally-Yacht aus der Vogelperspektive. Foto: Wally

Wie sieht eigentlich ein Loft in New York aus? Wer sich einen Eindruck verschaffen will, muss nicht unbedingt den Atlantik überqueren, um sich dann am East River eine jener hippen Wohnungen anzusehen, die aus ehemaligen Lagerräumen und Industriehallen entstanden. Es reicht schon eine Fahrt nach Greifswald. Dort produziert die Hanse AG als zweitgrößte deutsche Yachtwerft rund 1 000 Segelyachten im Jahr. Werftchef Michael Schmidt wirbt damit, dass das neue Interieur seiner Yachten den Stil und die Atmosphäre der New-York-Lofts widerspiegelt.

Tatsächlich setzen diese Boote zwischen 12 und 19 Metern Länge, Akzente im Yachtbau. Statt dunklem Teakholz, klotzigen Möbeln und maritimen Accessoires in blitzendem Messing gibt es unter Deck helle Flächen, viele Fenster und Luken, klare Linien und eine eher spartanische Einrichtung. "Ich wohne ja auch nicht mehr mit den Möbeln meiner Eltern", sagt Schmidt. Trotz der fast schon revolutionären Neuerungen im Interieur sind die Hanse-Yachten voll seetüchtig. Sie segeln angeblich sogar besonders gut, da die minimalistische Einrichtung weniger wiegt.

Die neuen Yachten der Hanse gestaltet die Hamburger Innenarchitektin Birgit Schnaase, die seit mehr als zwölf Jahren im Yachtbau tätig ist und längst zu den Stars in dieser Szene zählt. In den Anfangsjahren beschäftigte sie sich fast ausschließlich mit der Ausgestaltung großer teurer Superyachten und Kreuzfahrtschiffe. Inzwischen aber haben auch Eigner von kleineren Yachten ein Bedürfnis nach frischem funktionellem Design, das Schnaase zu befriedigen sucht. Ihr fünfköpfiges Team besteht ausschließlich aus Frauen. "Wir sorgen für einen femininen Touch unter Deck, und das wird positiv wahrgenommen", erklärt die Chefin einen Teil ihres Erfolges.

Schnaase wuchs in Bremerhaven auf und lernte schon früh, mit der familieneigenen Zehnmeteryacht umzugehen. Als Schülerin verdiente sie ihr erstes Geld bei einem Schiffsinnenausstatter. Nach dem Studium der Innenarchitektur in Detmold sammelte sie erste Erfahrungen im Yachtinnenausbau in der Bremer Lürssen Werft, weltweit eine der führenden Megayachtwerften. "Allerdings gab es damals in Deutschland noch nicht den Beruf der Schiffsinnenarchitektin", sagte Schnaase. Den hat sie für sich erfunden und damit auch viele Yachtkonstrukteure von der wachsenden Bedeutung des Designs in ihrem Metier überzeugt.

Von der Yachtbranche erstmals wahrgenommen wurde sie 1996 durch den Umbau eines Edel-Racers von der finnischen Nautor-Werft (Swan) zu einem schnellen, aber durchaus auch wohnlichen Cruiser. Es folgte ein größerer Auftrag der holländischen Conyplex-Werft, einem der Traditionalisten unter den Bootsbauern. "Mir war immer klar, dass Conyplex-Kunden wertvolles Teakfurnier erwarten, aber wir haben es mit anderen Materialien wie einem hellen Eichenfußboden und neu proportionierten Möbeln verändert", erklärte die Designerin. Sie löste die klassischen Bereiche wie Pantry, Salon und Navigationsecke auf und schuf so etwas wie ein maritimes Apartment. Große Badezimmer mit Duschen werteten die Yachten weiter auf. Deren Gestaltung gehört mit zu ihren Lieblingsaufgaben. "Die Bäder müssen groß und komfortabel sein", sagt Schnaase. Warum sollte man es an Bord auch weniger angenehm haben als Zuhause?

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