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19.01.2008

13:04 Uhr

Ski alpin Weltcup

Cuche triumphiert auf Hahnenkamm-Abfahrt

Der Schweizer Didier Cuche hat auf der Hahnenkamm-Abfahrt triumphiert. Der WM-Dritte feierte seinen zweiten Sieg auf der berüchtigten "Steif" und kam zugleich zum zweiten Saisonsieg.

Ausgerechnet ein Schweizer hat den "heiligen Berg" der Österreicher gestürmt. Didier Cuche wurde bei der Abfahrt auf der ebenso berühmten wie berüchtigten "Streif" in Kitzbühel, die durch einen fürchterlichen Sturz des US-Amerikaners Scott Macartney überschattet wurde, seiner Favoritenrolle gerecht und feierte seinen zweiten Sieg im Tiroler Ski-Mekka nach 1998. "Ich war wie in Trance, ich wollte unbedingt meine Gondel hier", sagte der Schweizer nach seiner zweiten Triumphfahrt in diesem Winter.

Sieger in Kitzbühel werden mit ihrem Namen auf den Kabinen der Hahnenkamm-Bahn verewigt, für seinen ersten Erfolg zehn Jahre zuvor bei einer seltenen Sprint-Abfahrt war Cuche diese Ehre jedoch nicht zuteil geworden. Nun aber bekommt er seine Gondel. Der 33 Jahre alte Routinier siegte auf der wegen Windes leicht verkürzten "Streif" in 1:52,75 Minuten mit einem Vorsprung von 0,27 Sekunden Vorsprung vor den zeitgleichen Bode Miller (USA) und Mario Scheiber (Österreich). Stephan Keppler (Ebingen) belegte Rang 30 (3,00).

Schwerer Sturz von Macartney

Zu diesem Zeitpunkt befand sich Scott Macartney am Tag seines 30. Geburtstags bereits auf dem Weg in die Uni-Klinik in Innsbruck. Der US-Amerikaner, mit Nummer zwei gestartet, war am Zielsprung, auf den die Rennläufer mit bis zu Tempo 135 zuschießen, schwer gestürzt. In der Klinik wurde er in ein künstliches Koma versetzt. Die erste Diagnose am Nachmittag lautete auf "isoliertes Schädel-Hirn-Trauma" - also schwere Gehirnerschütterung. Macartney blieb zunächst weiter unter Beobachtung.

"Ein Fahrfehler, er saß vor dem Sprung zu weit hinten", sagte der deutsche Doppel-Olympiasieger Markus Wasmeier über die Ursache für den furchterregenden Sturz von Macartney, der noch im Dezember bei der Abfahrt in Gröden Platz drei belegt hatte. Der US-Amerikaner hatte den tückischen Sprung, der kurz vor dem Rennen noch einmal ein wenig abgetragen worden war, falsch eingeschätzt, hob ab, verdrehte sich in der Luft, knallte mit voller Wucht auf die Piste, verlor seinen Helm und blieb im Zielraum zunächst regungslos liegen.

Scheiber gönnt Cuche den Sieg

Nachdem etwa 20 Minuten lang eine unheimliche Stille über der "Streif" gelegen hatte, war die Stimmung an der Strecke und im Ziel nach der Wiederaufnahme des Rennens ein wenig dahin. Auch, weil der junge Scheiber, am Vortag zeitgleich mit Cuche Dritter des Super-G, seine Spitzenposition nicht behaupten konnte. Cuche hatte bereits in den beiden Trainingsläufen die Ränge eins und zwei belegt und siegte praktisch mit Ansage. "Ich gönne ihm den Sieg, er ist ja auch schon neun Jahre älter als ich", sagte Scheiber gelassen.

Cuche brachte die Schweiz im Zweikampf mit den Österreichern, der in diesem Winter überraschend offen ist, mit dem achten Sieg in seiner Weltcup-Karriere wieder in Führung - 6:5 nach Siegen steht es nach nach 22 Saison-Rennen. Zugleich übernahm er wieder die Führung im Gesamtweltcup. Mit 765 Punkten liegt Cuche nur knapp vor Benjamin Raich (Österreich/744), der nach dem Slalom am Sonntag aber wieder an Cuche vorbeiziehen dürfte. Vorerst auf Platz eins bleibt Cuche im Abfahrtsweltcup: Dort liegt er 21 Punkte vor Miller.

Stehle nach Sturz wohlauf

Für die beiden deutschen Starter endete ihre erste Abfahrt auf der legendären "Streif" mit einer Enttäuschung. Als Stephan Keppler mit der Startnummer 48 auf die Strecke durfte, war diese bereits arg ramponiert: "Du hast im Kopf eine Linie, aber die kannst du nicht mehr fahren", sagte er enttäuscht. Johannes Stehle (Obermaiselstein) wurde bei seiner "Streif"-Premiere gleich abgeworfen, meldete sich nach seinem Sturz aber gesund: "Ich denke, es fehlt mir nichts. Der Rücken und die Knie tun ein bisschen weh."

© SID

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