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20.01.2011

12:11 Uhr

Ski alpin Weltcup

Grugger auf der "Streif" schwer gestürzt

Ein schwerer Sturz hat das Training zur Weltcup-Abfahrt im österreichischen Kitzbühel überschattet. Lokalmatador Hans Grugger wurde mit einem Rettungshubschrauber abgeflogen.

Nach seinem Sturz in kritischem Zustand: Hans Grugger. Foto: SID Images/pixathlon SID

Nach seinem Sturz in kritischem Zustand: Hans Grugger. Foto: SID Images/pixathlon

Die "Streif" in Kitzbühel ist ihrem zweifelhaften Ruf als gefährlichste Ski-Rennstrecke der Welt zum wiederholten Male gerecht geworden. Beim ersten und zugleich einzigen Trainingslauf für die Weltcup-Abfahrt am Samstag stürzte der österreichische Routinier Hans Grugger am Donnerstag auf der eisigen und ruppigen Piste schwer. Er wurde mit einem Hubschrauber in die Uni-Klinik nach Innsbruck geflogen und dort am Nachmittag von Neurochirurgen notoperiert. Dabei wurde ihm, wie in solchen Fällen üblich, der Schädel geöffnet, sagte der österreichische Mannschaftsarzt Herbert Resch dem SID.

"Er hat ein Schädel-Hirn-Trauma, Brustverletzungen und war nicht ansprechbar", sagte Markus Aichner, Sprecher des Österreichischen Ski-Verbandes (ÖSV) beim Abtransport von Grugger. Nach der Einlieferung in Innsbruck stellte der Leitende Unfallchirurg Professor Michael Blauth schwere Kopfverletzungen fest. "Es war ein entsetzlicher Sturz", sagte Günter Hujara, Renndirektor des Ski-Weltverbandes FIS. "Ich hab den Sturz gesehen - es war extrem schlimm zum Anschauen. Wenn du so etwas siehst, denkst du dir schon: Soll ich mir das antun", sagte der Österreicher Michael Walchhofer, Führender im Abfahrtsweltcup.

Grugger sofort bewusstlos

Der 29 Jahre alte Grugger, Gewinner von vier Weltcup-Abfahrten, war mit der Startnummer fünf auf die berühmt-berüchtigte Strecke gegangen. Schon kurz nach dem Start verlor er nach der ersten Linkskurve beim Sprung in die "Mausefalle" die Kontrolle über seinen Körper. Beim Aufprall flogen Brille und Stöcke davon, ein Ski ging zu Bruch, Gruggers Kopf schlug mehrmals auf die harte Piste. "Er war sofort bewusstlos", teilte Aichner mit. Nach dem Sturz rutschte Grugger den steilen Hang hinunter und blieb regungslos liegen. Sofort eilten Rettungskräfte zu ihm und leisteten Erste Hilfe, im Zielraum stieg der Hubschrauber auf.

ÖSV-Arzt Resch, der umgehend am Unfallort eintraf, zeigte sich verwundert, dass Grugger nicht durch seinen Helm vor seinen Verletzungen geschützt wurde. "Wir kennen sonst kaum Schädel-Hirntrauma-Verletzungen bei Skifahrern, wenn sie einen Helm tragen, aber es ist passiert. So muss man sich vielleicht fragen, ob die Helme ausreichend sind, oder ob es Schicksal war", sagte er dem SID. "Es gibt physikalische Grenzen", sagte Hujara über die Schutzwirkung von Helmen.

"So eine Stelle verzeiht keinen Fehler"

Grugger hatte die Anfahrt auf den Sprung in die Mausefalle offensichtlich falsch eingeschätzt. "So eine Stelle verzeiht keinen Fehler", betonte Hujara. "Der Sprung ist extrem gefährlich und weit, wenn man mit dem Schwung vorher nicht fertig ist, wird es gleich gefährlich", sagte Gruggers Mannschaftskollege Georg Streitberger, der kurz zuvor gestartet war. Bei der Anfahrt auf die "Mausefalle" haben die Läufer nur wenig Platz und Zeit, um sich auf den Sprung vorzubereiten. Eine Entschärfung der Stelle ist nach Angaben des sichtlich betroffenen Hujara nicht vorgesehen. "Es wird keine Änderungen geben."

Nach dem Sturz herrschte zunächst gespenstische Ruhe an der Strecke und im Zielraum. Erinnerungen wurden wach an den furchterregenden Sturz der Schweizers Daniel Albrecht, der vor zwei Jahren in Kitzbühel am Zielsprung verunglückte. Er lag anschließend drei Wochen im künstlichen Koma. Albrecht ist mittlerweile in den alpinen Weltcup zurückgekehrt wird aber bei den Rennen von Freitag bis Sonntag (Super-G, Abfahrt, Slalom) nicht an den Start gehen. "Der schwere Unfall von Hans Grugger hat mich tief getroffen", sagte er.

Cuche mit Bestzeit

Als das Training auf der "Streif" wieder aufgenommen wurde, hielten sich viele der nachfolgenden Athleten bei ihrer Fahrt erkennbar zurück - weitere Stürze gab es nicht. "Ich hatte Angst", sagte der Österreicher Mario Scheiber, der Gruggers Sturz am Start auf einem Bildschirm verfolgt hatte, "ich bin froh, im Ziel zu sein, diese brutale Strecke ist noch um einiges schwieriger als in den vergangenen Jahren." Nach tagelangem Tauwetter, Schneefall in der Nacht zuvor und einem Temperatursturz war die Strecke ein eisiges Waschbrett.

Schnellster im einzigen Trainingslauf, der zwischenzeitlich von leichtem Schneefall beeinträchtigt wurde, war Didier Cuche. Der Vorjahresieger aus der Schweiz lag 0,37 Sekunden vor Christof Innerhofer aus Südtirol, Streitberger belegte Rang drei (1,18 Sekunden zurück). Die deutschen Starter Andreas Sander (Ennepetal/6,62) und Tobias Stechert (Oberstdorf/7,46) kamen auf die Ränge 47 und 54. Stephan Keppler hatte sich am vergangenen Samstag im schweizerischen Wengen bei einem Sturz Bänderrisse im rechten Knie und im linken Sprunggelenk zugezogen. Er fällt für die WM in Garmisch (7. bis 20. Februar) aus.

"In Kitzbühel muss man immer wieder bei Null anfangen, man muss erst den Berg bezwingen und dann im Ziel schauen, was für eine Zeit rauskommt", sagte Cuche. Auch er sagte: "Ich bin froh, im Ziel zu sein."

© SID

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