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22.01.2009

12:17 Uhr

Ski alpin Weltcup

Weltmeister Albrecht nach Sturz im Koma

Daniel Albrecht aus der Schweiz hat sich beim letzten Trainingslauf für die Weltcup-Abfahrt in Kitzbühel schwer verletzt und liegt im künstlichen Koma. Auch Andreas Strodl stürzte.

Daniel Albrecht ist beim Training schwer gestürzt. Foto: AFP SID

Daniel Albrecht ist beim Training schwer gestürzt. Foto: AFP

Ein furchterregender Sturz des Schweizer Ski-Rennläufers Daniel Albrecht hat den letzten Trainingslauf für die Weltcup-Abfahrt in Kitzbühel überschattet. Der 25 Jahre alte Kombinations-Weltmeister von 2007 geriet am Zielsprung in Rücklage und schlug nach einem unkontrollierten Flug über etwa 70 Meter hart mit dem Rücken auf der Piste auf, überschlug sich und blieb zunächst regungslos knapp vor dem Zielraum liegen.

Wie Rennarzt Dr. Helmuth Obermoser nach einer ersten Untersuchung im Krankenhaus in St. Johann bei Kitzbühel mitteilte, erlitt Albrecht eine Gehirnblutung und eine Lungenquetschung. "Wie es aussieht, ist es nicht dramatisch", erklärte der Mediziner der Schweizer Nachrichtenagentur SI. Albrecht wurde in ein künstliches Koma versetzt und zu weiteren Untersuchungen in die neurologische Intensivstation der Uni-Klinik von Innsbruck geflogen.

Unmittelbar vor dem Sprung, an dem im vergangenen Jahr im Rennen der Amerikaner Scott Macartney schwer gestürzt war, wurde der mit Nummer fünf gestartete Albrecht mit einer Geschwindigkeit von 138,1km/h gemessen. Danach schätzte er die Welle kurz vor dem Ziel offensichtlich falsch ein und flug hilflos rudernd in vier bis fünf Metern Höhe durch die Luft. Beim Aufprall zerbrach der linke Ski.

Sturz von Strodl an derselben Stelle endete glimpflich

Auch der deutsche Abfahrer Andreas Strodl geriet am Zielsprung in Rücklage, hob allerdings lange nicht so unkontrolliert ab. Der nachfolgende, eher harmlose Sturz des Partenkircheners verlief glimpflich, er konnte unverletzt ins Ziel fahren. "Wenn man schon ein bisschen ins Ziel schaut, gehts dahin. Man muss voll konzentriert sein", sagte Andreas Strodl. "Bei diesem Sprung muss man aufpassen. Wenn man abhebt, muss man den Körper nach vorne drücken", erklärte Albrechts Landsmann Cuche.

Albrecht hatte erst nach einer 22-minütigen Behandlung auf der Piste mit dem Rettungshubschrauber ausgeflogen werden können. Nach Auskunft eines Erstversorgers war Albrecht beim Abtransport ohne Bewusstsein. Im Krankenhaus von St. Johann erwachte er kurz, wurde danach aber von den Ärzten in ein künstliches Koma versetzt.

Hujara: "Wir haben alles Erdenkliche getan"

Der Zielsprung, der auf einer natürlichen Welle im Gelände liegt, war im vergangenen Jahr Auslöser für hitzige Diskussionen gewesen. Damals war er während der Trainingsläufe und vor dem Rennen abgetragen und mutmaßlich entschärft worden. Dennoch war Macartney danach im Rennen gestürzt. In diesem Jahr war der Sprung durch ein Richtungstor und zusätzliche farbliche Markierungen sehr deutlich gekennzeichnet und durch eine künstliche Absprungkante entschärft worden.

Der deutsche FIS-Renndirektor Günter Hujara bedauerte den Vorfall ausdrücklich, stellte aber auch fest, dass ein Fehler von Albrecht vorgelegen habe: "Wir haben alles Erdenkliche getan, aber wenn einem Läufer so etwas passiert, dann können wir nichts machen. Wenn wir so etwas verhindern wollen, dann darf es keine Abfahrten mehr geben."

© SID

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