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09.01.2006

09:04 Uhr

Skiflug-WM

„Die Angst muss weg“

VonLARS BECKER

Nach dem enttäuschenden Abschneiden bei der Vierschanzentournee reisen die deutschen Skispringer verunsichert zur WM.

Peter Rohwein ist trotz schlechtem Tornee-Resultat zuversichtlich für die WM. Foto: dpa

Peter Rohwein ist trotz schlechtem Tornee-Resultat zuversichtlich für die WM. Foto: dpa

BH BISCHOFSHOFEN. Streit um Martin Schmitt, Kritik am Verband und das Selbstbewusstsein im Keller – nach dem schwächsten Tournee-Resultat seit 14 Jahren grassiert in Deutschlands Springerstaffel die Angst vor dem erneuten Versagen bei der Skiflug-Weltmeisterschaft. Bis zur Anreise am Mittwoch im österreichischen Bad Mitterndorf sollen ein paar Tage Ruhe und Spezialtraining auf der Schanze wenigstens die erhoffte Teammedaille wieder in Reichweite bringen.

„Die Angst vor dem Versagen muss weg. Die Jungs müssen wieder aus Spaß Ski springen und unter Druck selbstsicherer werden“, sagte der selbst in der Kritik stehende Bundestrainer Peter Rohwein. Obwohl bei der Tournee drei siebte Plätze das enttäuschende deutsche Topergebnis waren, glaubt der Chefcoach an ein Wunder: „Natürlich reisen wir bei der WM mit dem Ziel an, in den Medaillenrängen zu landen. Im Teamwettbewerb waren wir immer stark.“ Im Einzel geht es dagegen nur um das Duell der beiden Tourneesieger Jakub Janda und Janne Ahonen.

Erstmals in der 53-jährigen Geschichte der Vierschanzentournee hatten nach acht Sprünge zwei Athleten exakt die gleiche Punktzahl: So standen am Ende mit dem Tschechen Janda und dem Finnen Ahonen zwei Springer gemeinsam ganz oben auf dem Treppchen. Ahonen gewann die Tournee damit zum vierten Mal und stellte den Rekord von Jens Weißflog ein.

Bei der WM ab 13. Januar in Bad Mitterndorf rechnen Experten den deutschen Einzelstartern kaum Chancen aus. Drei von vier WM-Startplätzen der Deutschen sind an Georg Späth (Tournee-10.), Michael Uhrmann (11.) und den in Bischofshofen zuletzt siebtplatzierten Alexander Herr (19.) vergeben. Anfang der Woche wird sich entscheiden, ob der vorzeitig ins Trainingslager nach Oberstdorf abgetauchte Martin Schmitt auch dabei ist.

Rohwein wird sich im Allgäu persönlich ein Bild von Schmitts Form machen: „Wenn er seine Technik stabilisiert und nicht mehr so aggressiv und gefühllos nach vorn springt, könnte er dabei sein.“ Verbands-Sportchef Thomas Pfüller hält eine WM-Nominierung von Schmitt dagegen für falsch, Rohwein solle den kriselnden Schwarzwälder lieber „auf Olympia einnorden“.

Diese Meinungsverschiedenheiten machen die Krise in der deutschen Mannschaft schlimmer. „Das Problem ist, dass Peter Rohwein als Cheftrainer nicht voll unterstützt wird. Es kann nicht sein, dass im DSV Funktionäre reinreden und das Gegenteil von dem sagen, was Rohwein gerade behauptet hat“, sagte der ehemalige Tourneesieger Dieter Thoma. Zudem halte der Deutsche Skiverband (DSV) Leute klein, so Thoma, die wie Weißflog oder er eine eigene Meinung hätten: „Es will doch niemand Bundestrainer werden, jeder will doch nur helfen.“ Auch Weißflog sieht „keine großen Alternativen“ zu Rohwein: „Im Moment sind wir nun mal nicht die Skisprung-Nation Nummer 1.“ Es würden aber gerade im Fall Schmitt auch Fehler gemacht, die Entscheidung für Heimtrainer Rolf Schilli kann Weißflog etwa nicht nachvollziehen: „Ich glaube, Rolf Schilli - ohne ihm zu nahe zu treten - ist kein Spitzentrainer.“

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