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08.01.2008

13:12 Uhr

Skispringen National

Reinhard Heß vor 1 000 Trauergästen beigesetzt

Der ehemalige Skisprung-Bundestrainer Reinhard Heß ist am Dienstag im Rahmen einer großen Trauerfeier in Suhl beigesetzt worden. Rund 1 000 Gäste aus Sport und Politik sowie Familienangehörige wohnten der Trauerfeier bei.

Über 1 000 Trauergäste aus Sport und Politik haben am Dienstag gemeinsam mit Familienangehörigen im Rahmen einer großen Trauerfeier in Suhl Abschied von Reinhard Heß genommen. Der ehemalige Skisprung-Bundestrainer war am 24. Dezember 2007 im Alter von 62 Jahren seinem Krebsleiden erlegen.

In einer bewegenden Trauerfeier haben über 1 000 Gäste aus Familie, Sport und Politik Abschied von "Goldschmied" Reinhard Heß genommen. Im überfüllten Congresszentrum Suhl geleitete die komplette Riege seiner einstigen Schützlinge von Jens Weißflog über Dieter Thoma bis hin zu Martin Schmitt und Sven Hannawald dem an Heiligabend im Alter von 62 Jahren gestorbenen Skisprung-Bundestrainer auf seinem letzten Weg. Seine Ehefrau Regina und Tochter Tina waren gerührt, der Sarg und das Foto eines lächelnden Reinhard Heß waren von einem Blumenmeer geschmückt.

"Wir verneigen uns vor Reinhard in tiefer Achtung als Mensch und in tiefer Achtung vor einem Skisprung-Trainer, der bereits zu Lebzeiten eine Legende war", sagte Trauerrednerin Sabine Reuß, Vizepräsidentin des Deutschen Skiverbandes (DSV). Mit den insgesamt 19 Medaillen bei Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften unter seiner Führung habe er das Skispringen in Deutschland und den Verband in eine neue Zeitrechnung geführt.

Der Mann mit dem Basecap

"Er war der Mann mit dem schwarzen Basecap, der mit der schwarz-rot-goldenen Fahne auf den Schanzenturm stand", beschrieb Reuß: "Ein kantiger Typ, der aneckte und niemals den Rücken verbog. Er war zu keiner Zeit stromlinienförmig."

Gerade deshalb und weil er alle seine Trainerkollegen auf seinem Weg mitgenommen habe, habe er solchen Erfolg gehabt. Als Nationaltrainer der DDR, für die er 1989 nur ein Jahr nach seinem Amtsantritt Weißflog zum WM-Titel führte, und als Bundestrainer von 1993 bis 2003. Besonders in Erinnerung bleiben die zwei Goldmedaillen bei Olympia 1994 in Lillehammer und der Grand-Slam-Triumph von Hannawald bei der Vierschanzentournee 2002 mit der Verneigung von Heß im Schanzenauslauf.

Zahlreiche Gäste aus dem Wintersport

"Er war der erfolgreichste Trainer, unter dem ich jemals gearbeitet habe. Das nimmt mir niemand mehr", meinte Hannawald. Jens Weißflog lobte "einen einmaligen Trainer und Menschen". Das Skisprung-Nationalteam um Bundestrainer Peter Rohwein war ebenso in die Thüringer Heimat der Familie Heß gereist wie Walter Hofer als Skisprung-Chef des Weltverbandes FIS oder sein einstiger Co-Trainer und Bundestrainer-Nachfolger Wolfgang Steiert.

Mit dem einstigen Weggefährten und seinen Sportlern hatte sich Heß"nach seinem nicht ganz freiwilligen Rücktritt" (Reuß) als Bundestrainer 2003 vor seinem Tod ausgesöhnt. Auch Biathlon-Bundestrainer Frank Ullrich war der persönliche Abschied eine Herzensangelegenheit: "Ich verliere einen Freund. Deutschland und die Welt werden ihn vermissen."

Ministerpräsident Althaus würdigt "menschliche Stärke"

Als besonderer Verdienst von Heß wurde hervorgehoben, dass er im vereinten Deutschland den Menschen aus dem Osten den Weg in eine erfolgreiche Zukunft gewiesen habe. Trotz seiner beispiellosen Erfolgsserie sei er immer der bodenständige und witzige Mann aus Thüringen geblieben, der sich jeden Freitag mit seinen Sportkameraden aus Zella-Mehlis getroffen habe.

"Wir nehmen Abschied vom besten Fluglehrer. Einer, der fachliche Klasse mit menschlicher Stärke verband. Dass Thüringen ein Wintersportland ist, verdanken wir Reinhard Heß", pries Thüringens Ministerpräsident Dieter Althaus: "Er hat Grundlagen geschaffen, auf denen wir in Zukunft aufbauen können."

Dabei war die öffentliche Person Heß im Herzen immer ein Familienmensch, der die letzten zwei Jahre nach der schrecklichen Diagnose Krebs besonders mit seiner Familie und den Enkelkindern Linda und Nellie genoss. Die Trauerfeier endete auf Wunsch der Familie Heß mit dem Song "Der Weg" von Herbert Grönemeyer: "Du hast jeden Raum mit Sonne geflutet. Hast jeden Verdruss ins Gegenteil verkehrt. Dein unbändiger Stolz. Deine heitere Wärme. Hast ihn nie verraten, deinen Plan vom Glück."

© SID

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